Wolnzach: Keine Bio-Hendl auf der Wiesn
Der Volksfestklassiker schlechthin: Ein halbes Hendl gehört für viele Gäste zum Wiesnbesuch. Auch heuer werden wieder viele Hähnchen am Grill brutzeln, allerdings nicht in Bio-Qualität, wie es sich die SPD-Fraktion wünschen würde. Der Volksfestausschuss sprach sich gegen den Antrag aus. - Foto: Archiv/Rebl
Wolnzach

"Nicht ausschließlich, sondern als Zusatzangebot" wünschte sich die SPD diese Erweiterung der Speisekarte, wie Brigitte Hackl am Donnerstag im Ausschuss erklärte. Das Verbraucherverhalten gehe allgemein immer mehr hin zu Bio-Qualität, auf Veranstaltungen wie dem Tollwood-Festival oder dem Oktoberfest gebe es bereits Bio-Hähnchen. "Wolnzach sollte da nachziehen", so Hackl. Um kein Risiko einzugehen, könne man ja vielleicht zumindest eine begrenzte Menge oder vorerst nur an bestimmten Tagen Bio-Hendl anbieten.

Einwände hatte Bürgermeister Jens Machold: "So einfach ist das alles nicht", erklärte er. Nach seinen Informationen müssten die Bio-Hendl nicht nur separat von den konventionellen Hähnchen gekühlt und gelagert, sondern auch separat gegrillt werden. "Das ist ein logistischer Mehraufwand und angesichts der Platzsituation im Zelt nicht ganz einfach", so Machold. Er persönlich konnte sich mit dem Vorschlag auch aus einem anderen Grund nicht anfreunden: "Wir haben eine hervorragende Festküche. Mir widerstrebt es einfach, ihr Vorgaben zu machen und als Kommune in die Speisekarte einzugreifen." In seinen Augen solle man so eine Entscheidung der Festküche überlassen.

Will man dieser etwas vorschreiben oder nicht? Darum ging es letztlich in der Diskussion. Volksfestreferent Alois Brummer (CSU) schloss sich der Meinung des Bürgermeisters an. Zum einen wegen des Logistikproblems, zum anderen, weil man mit der Festküche Breitner mit ihren Kooperationspartnern mehr als zufrieden sein könne. "Wir haben im Vergleich zu anderen Volksfesten ein größeres Angebot und niedrigere Preise. Erhalten wir uns lieber die jetzige Qualität."

Jetzt erst mal ablehnen, künftig aber bei Verträgen mit Festküche und Festwirt die Einführung von Bioprodukten vom Bio-Hendl bis hin zum Bio-Bier zu diskutieren, dafür plädierte Max Wallner (FDP-UW-BGW). Generell habe die Kommune viel Gestaltungsfreiheit, erklärte Bürgermeister Machold. Er sei sich nach den Vorgesprächen auch sicher, dass die Familie Breitner, sollte die Kommune die Vorgabe "Bio-Hendl" machen, diese auch umsetzen würde. Die Frage sei, ob man solche Vorschriften machen will. Deutlich klang in der Sitzung an, was der Betreiber der Festküche selbst dazu sagt. Wolfgang Breitner saß unter den Zuhörern und signalisierte auf Anfrage von Machold, dass man die Bio-Hendl "nicht unbedingt" haben wolle. Generell verschließe er sich nicht, aber der Mehraufwand sei tatsächlich beträchtlich, so Breitner gegenüber unserer Zeitung. Zudem sei die Kalkulation ohne Erfahrungswerte schwierig. Das Bio-Fleisch kostet nach Breitners Aussagen im Einkauf etwa dreimal so viel wie die "normalen" Hendl, die er regional bezieht. Für den Volksfestgast käme ein halbes Bio-Hendl auf mindestens 15 Euro.

SPD-Rätin Brigitte Hackl warb noch mit einem anderen Argument für den Antrag ihrer Fraktion: Die Kommune könnte hier Flagge zeigen gegen Massentierhaltung, verwies sie auf die Petition gegen die Erweiterung der Eschelbacher Hähnchenmast. "Da haben Tausende unterschrieben, unter anderem weil sie gegen Massentierhaltung sind," so Hackl. Die Kommune werde hier sicher kein Zeichen setzen, das sei nicht ihre Aufgabe, setzte Machold entgegen. Er verbiete sich jeglichen "Zungenschlag zu Eschelbach". "Das hier hat damit null zu tun", rief er zu einer sachlichen Diskussion ohne "ideologischen Beigeschmack" auf.

Die Abstimmung war letztlich eindeutig: Den Volksfestgästen werden heuer keine Bio-Hendl aufgetischt, der Antrag wurde abgelehnt. Dafür stimmten nur Brigitte Hackl und Martin Schlicht (beide SPD).