Auf Basis dieser Zahl hat der Markt ein Forstbetriebsgutachten in Auftrag gegeben.
Christian Schulz
Wolnzach

Waldbaden. Oder Shinrin Yoku auf Japanisch. Eine neue Form der Entspannung, die im Moment in aller Munde ist, aber im Grunde genommen für nichts anderes steht als für einen Spaziergang im Wald, für ein Einatmen der frischen Luft, ein Riechen von Erde, Moos und Holz, automatischer Entspannungseffekt inklusive. So gesehen ist sind die Wälder rund um Wolnzach also Wellnessoasen. Aber wem gehören die Wälder eigentlich? Wer pflegt sie? Antworten darauf gab jetzt in Wolnzach jemand, der sich damit auskennt: Andreas Hahn ist nicht nur stellvertretender Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), sondern auch Bereichsleiter Forsten.

Eingeladen hatte ihn der Markt Wolnzach, weil etwas ansteht: ein Forstbetriebsgutachten, laut Hahn "ein Plan der Nachhaltigkeit". Für den Wolnzacher Gemeindewald ist so ein Nachhaltigkeitsplan auf 20 Jahre ausgelegt, der letzte wurde 1998 erstellt. Deshalb: "Bei Ihnen steht das wieder an."

So ein Gutachten beinhalte eine Inventur, also eine Bestandsaufnahme des Waldes, eine Erfolgskontrolle vor der Frage, ob die durchgeführten Maßnahmen auch fruchteten und schließlich eine Planung mit Festlegung der Eigenkontrolle und des sogenannten Hiebsatzes (Fachbegriffe siehe Infokasten) sowie Investitionen in den Bestand anhand eines Baumplanes. "Das alles begleiten wir", so Hahn. Viel Theorie, die aber einen ganz praktischen Hintergrund hat, wie Hahn erklärte - und sie mit guten Nachrichten für Wolnzach verband. Denn tatsächlich habe die Waldfläche im Gemeindewald seit 1998 um 2,1 Hektar zugenommen und auch das Holzvolumen sei um 20 Prozent auf jetzt 275 Erntefestmeter angewachsen.

"Wir sind also gut unterwegs", freut sich der Wolnzacher Bürgermeister Jens Machold (CSU) über diese Fachbeurteilung. Überhaupt pflege der Markt mit dem Amt in Pfaffenhofen und den Forstfachleuten, allen voran Revierförster Benjamin Scharnagl und Wildlebensraumberater Dominik Fehringer eine sehr enge und auf vielen Aktionen fußende Zusammenarbeit. Nach der jetzt erfolgten Beauftragung des Forstbetriebsgutachtens schließt das AELF einen Vertrag mit einem Sachverständigen, der die entsprechenden Untersuchungen durchführt. Für die Gemeinde entstehen laut Hahn Kosten von 600 Euro, die andere Hälfte zahle der Freistaat. Dafür bekomme der Markt am Ende seine Zukunftsplanung, ein Revierbuch, eine Waldkarte und eine Geoinformationssystemkarte.

FACHBEGRIFFE

Waldbesitzarten: Man unterscheidet zwischen Staatsforst, Körperschaftswald und Privatforst.

 

Körperschaftswald: Bei einem Körperschaftswald handelt es sich um Wald im Eigentum von Körperschaften des öffentlichen Rechts wie Gemeinden und Städten.

 

Forstbetriebsgutachten: Eine Kommune ist rechtlich verpflichtet, ihren Wald standortgemäß, gesund und leistungsfähig zu erhalten. Die Forstwirtschaftspläne und Forstbetriebsgutachten werden im Einvernehmen mit den Kommunen von Sachverständigen im Auftrag der unteren Forstbehörden oder von diesen selbst erstellt. Die Forstwirtschaftspläne und Forstbetriebsgutachten stützen sich dabei insbesondere auch auf die Ergebnisse der Standortkartierung und der Waldfunktionsplanung.

 

Hiebsatz: Darunter versteht man die durch ein forstwirtschaftliches Betriebsgutachten für einen bestimmten Zeitraum festgesetzte jährliche Holznutzung in Kubikmetern oder Erntefestmetern.

 

Erntefestmeter (Efm): Ein Erntefestmeter entspricht einem Vorratsfestmeter - also einem Kubikmeter Holzmasse ohne Zwischenraum - abzüglich ungefähr zehn Prozent Rindenverlust und zehn Prozent Verlust bei der Holzernte. Für die Umrechnung in Erntefestmeter gibt es baumartenspezifische Umrechnungsfaktoren. | WZ