KASPAR REISINGER (1928)

Kaspar Reisinger
Kaspar Reisinger.
WZ-Archiv/Gaby Scholz/privat
Wolnzach
Er ist der ursprüngliche Begründer der Wolnzacher Zirkustradition. 1928 sollte nach mehreren Jahren Pause im Ort wieder ein Faschingszug aufgezogen werden. Als dieser kurzfristig ins Wasser fiel, stellte der 25-jährige Landwirtssohn Kaspar Reisinger mit ein paar Gleichgesinnten vor dem Rathaus einen Zirkus auf die Beine: Der Zirkus Caspari – benannt nach seinem Ideengeber – war am 16. Februar 1928 eine echte Sensation. Die Heimatzeitung schrieb: „Zahlreich folgten die vielen aus allen Richtungen eingetroffenen Menschen der Einladung zum Eintritt in die Manege und sie werden es sicher nicht bereut haben, denn was ihnen da für 20 Pfennig geboten wurde, bekommen sie so schnell nicht wieder zu sehen.“ Direktor Caspari ließ sogar extra ein Programm drucken. Für Reisinger war es eine einmalige Sache: In den Folgejahren ging der Zirkus unter anderem wegen der politischen Ereignisse auf Tauchstation. Reisinger zog später der Liebe wegen nach Traunstein, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1968 lebte.

ANTON WERKMANN (1952 BIS 1955)


Anton Werkmann
Anton Werkmann.
WZ-Archiv/Gaby Scholz/privat
Wolnzach
Erst nach den Kriegswirren erinnerte man sich wieder an den einstigen Zirkus. Diesmal war es Schneidermeister Anton Werkmann, der 1952 für eine Neuauflage sorgte. Der Zirkus, den er mit seiner Truppe auf die Beine stellte, wurde nach ihm benannt: Der Name „Zirkus Tonelli“, angelehnt an Werkmanns Vornamen Toni, besteht bis heute. Ebenfalls noch erhalten ist Werkmanns kunterbunter Direktorenfrack. Geschneidert hat ihn Anton Werkmann selbst, unter Mithilfe seines Sohnes Horst, der damals gerade in der Schneiderwerkstatt seines Vaters in der Herrnstraße in die Lehre ging. Er erinnert sich heute noch gut daran, wie er in seinen ersten Lehrtagen die einzelnen Flicken zusammennähen musste. „14 Tage vor dem Zirkus haben wir dann nur Clowngewänder geschneidert“, so Horst Werkmann. Sein Vater war vier Jahre lang Tonelli-Direktor, von 1952 bis 1955. Spielstätte war vor dem Rathaus, ab 1953 wurde dort sogar ein Zelt aufgestellt. Der Namensgeber des heutigen Zirkus starb 1963.

ALOIS MAIER (1956)


Alois Maier
WZ-Archiv/Gaby Scholz/privat
Wolnzach
Nach Anton Werkmann übernahm Alois Maier die Regie bei Zirkus Tonelli, wenn auch nur für ein einziges Jahr. 1956 gab der Großhandelskaufmann, der in Wolnzach einen Eiergroßhandel und Eierfärbebetrieb hatte, den Tonelli-Direktor – weiterhin im Zelt am Rathausplatz. Maier engagierte sich auch sonst für seinen Heimatort: Er saß über 22 Jahre im Marktgemeinderat und war 18 Jahre lang zweiter Bürgermeister. 2009 starb er im Alter von 95 Jahren. Da sein Gastspiel als Tonelli-Direktor nur ein Jahr währte, ist davon vergleichsweise wenig bekannt. „Ich war damals noch ein kleiner Bub“, kann sich auch sein Sohn Luis Maier heute nicht wirklich daran erinnern.

HANS GEISSLINGER (1966 BIS 1968)


Hans Geisslinger
Hans Geisslinger (rechts mit Zylinder).
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Wolnzach
Nach Alois Maier machte Tonelli eine längere Pause. Zehn Jahre, bis 1966, dauerte es, bis wieder eine Gruppe unternehmungslustiger Wolnzacher anschob, um einen Zirkus auf die Beine zu stellen – dieses Mal unter der Regie von Hans Geißlinger. Der Hopfenkaufmann war wegen seiner beruflichen Tätigkeit weithin bekannt, zudem saß er in den 1950er Jahren im Marktgemeinderat. Offensichtlich war ihm das Talent als Unterhalter in die Wiege gelegt worden: Geißlinger war nicht nur drei Jahre in Folge Direktor im Zirkuszelt am Rathaus, sondern moderierte auch viele Jahre lang die Hopfenkönigin-Wahl auf dem Volksfest. Auch sonst war er im gesellschaftlichen Leben aktiv, unter anderem im Liederkranz und in der Wohnungsbaugenossenschaft. 1987 starb Hans Geißlinger mit 70 Jahren. „Er hat es einfach gern gemacht“, sagt seine Frau Sieglinde heute über das Engagement ihres verstorbenen Mannes für Tonelli. Auch sie selbst war für den Zirkus aktiv und hat bis heute keine Vorstellung verpasst. 

MANFRED THIENEL (1973 BIS 1989)

Manfred Thienel
Manfred Thienel.
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Wolnzach
Er ist der Tonelli-Direktor mit der längsten Amtszeit: Elf Mal stand Manfred Thienel mit Frack und Zylinder in der Manege und sagte die Nummern an. Wieder hatte es eine Handvoll „Zirkusfanatiker“ gebraucht, damit es nach mehrjähriger Pause weiterging: 1973 übernahm Thienel das Amt des „Anschiebers“ und Direktors – beides war damals untrennbar miteinander verbunden. Seinen ersten und einzigen Auftritt hatte der Zirkus in besagtem Jahr im Lipphof (heute Standort des Hopfenmuseums). 1974 zog Tonelli in die Mehrzweckhalle, die bis heute seine Heimat ist. Bis 1989 traten die Tonellis unter Thienel jährlich oder alle zwei Jahre auf. Im Jahr 1977 verlegte man den Zirkus auf den Faschingssamstag – eine einmalige Ausnahme, danach ging man wieder auf den Unsinnigen Donnerstag zurück. 1990 nahm Thienel seinen Hut und hörte als Direktor auf. Er starb 2013 im Alter von 78 Jahren.

MAX NIEDERMEIER (2006 BIS 2012)

Ein Frack aus vielen einzelnen Fleckerln und mit langer Geschichte: Fürs Foto posierte Zirkusdirektor Max Niedermeier im Frack von Tonelli-Namensgeber Anton Werkmann.
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Wolnzach
Er ist ein Tonelli-Urgestein und für viele Wolnzacher nicht vom Zirkus wegzudenken. Kein Wunder, kaum ein anderer steht so lange in der Manege wie er: Seit 45 Jahren ist er bei Tonelli aktiv und hat in dieser Zeit nur ein einziges Zirkusjahr ausgelassen. Vom Magier bis zum Dompteur schlüpfte er dabei in unzählige Rollen. Zum Direktor stieg er 2006 auf. Kurz vorher war Georg Hölzl zum Vereinsvorsitzenden gewählt worden, wollte aber nicht auch den Direktorenposten übernehmen. So brach man mit der Tradition, dass der Vorsitzende automatisch auch Direktor der Manege ist. Dieses Amt übernahm Niedermeier und war vier Mal in seiner unnachahmlichen Art ein Direktor, den das Publikum liebte. Sein Abschied im Jahr 2012 rührte viele zu Tränen: Während der Zirkusvorstellungen übergab er Zylinder, Frack und Mikrofon unter stehenden Ovationen an seinen Nachfolger. Es war kein endgültiger Abschied, denn „der Maxl“ ist weiter als Artist dabei.

GEORG HÖLZL (SEIT 2014)

Der bewegendste Direktorenwechsel in der Tonelli-Geschichte: Im Jahr 2012 überreichte Max Niedermeier (rechts) am Ende der Zirkusvorstellungen seinen Zylinder, seinen Frack und das Mikrofon an den jetzigen Direktor Georg Hölzl und bekam vom Publikum minutenlang stehende Ovationen.
Wolnzach
Der Mann, an den Niedermeier den Zylinder weiterreichte, war zu diesem Zeitpunkt bei Tonelli kein unbeschriebenes Blatt. Seit 1996 ist Georg Hölzl ein Tonelli, seit 2004 steht er als Vorsitzender an der Spitze des Vereins. Diabolo-Künstler, Pantomime, Jongleur, Zauberer, einmal sogar Manegendiener und vor allem eine Hälfte des Blödel-Duos „Grise & Schose“ – das alles ist Hölzl im Zirkus schon gewesen. Und nun ist er also der achte Direktor in der Tonelli-Geschichte. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt er mit Blick auf die 90-jährige Zirkustradition in Wolnzach. Als Direktor erlebe er den Zirkus noch einmal ganz neu. Das Rampenlicht war er als Artist ja eigentlich schon gewohnt, „trotzdem war ich bei meinem ersten Auftritt als Direktor mega aufgeregt“. Inzwischen ist etwas Routine eingekehrt, heuer ist bereits sein dritter Einsatz als Direktor. Seine Aufgabe sieht er vor allem darin, „weniger mich selbst, sondern die Artisten und ihre Nummern zu präsentieren“. Genau das wird er heuer am 8. Februar wieder tun.