Gynäkologie Schrobenhausen
Geschäftsführer Dietmar Eine am Donnerstag im Kreißsaal des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen; am Abend wurden die Weichen für den Erhalt der Einrichtung gestellt.
Petry
„Es waren im Vorfeld schwierige Gespräche“ – so lautete gestern die erste Reaktion von Landrat Roland Weigert auf die Anfrage der Schrobenhausener Zeitung. Mittlerweile sei aber relativ klar, wie das Zukunftsmodell aussehen soll: Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen und das Klinikum Ingolstadt wollen im Bereich der Gynäkologie eine gleichberechtigte Partnerschaft eingehen.
 
Die soll zunächst so aussehen: Schrobenhausen bereitet das Umfeld, Ingolstadt stellt das Personal, zunächst für den Tagdienst von 8 bis 18 Uhr. Die Nachtschicht und die Wochenenden könnten mit Fachärzten aus Ingolstadt und für eine Übergangszeit auch mit den beiden Belegärzten Horst-Peter Heyduck und Sorin Turcu-Reiz besetzt werden, die auch künftig eine Privatpraxis im Krankenhaus betreiben. Die beiden hatten die Gynäkologie am Krankenhaus bisher zu zweit geführt, das anfallende Pensum aber nicht mehr bewältigen konnten.
 
„Wir hatten uns im Vorfeld am Markt umgesehen und versucht, Verstärkung zu bekommen und weitere Gynäkologen gesucht, aber der Markt ist wie leer gefegt“, berichtet Landrat Weigert. Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Dietmar Eine bestätigt das: Nicht nur Häuser auf dem flachen Land, auch in Großstädten sei es zurzeit schwierig, an qualifizierte Mediziner zu kommen. Für das Krankenhaus kam der Punkt, da gab es nur noch genau zwei Alternativen: entweder die gesamte Abteilung zu schließen oder eine Kooperation mit einer anderen Klinik zu schaffen. Das Thema Schließung fegte allerdings der Aufsichtsrat vom Tisch. So kam das Thema Kooperation wieder auf, das der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Paul Haupt, vor über einem Jahr schon ins Spiel gebracht; damals war aber offenbar die Zeit noch nicht reif.
 
So jedenfalls wertet der Landrat die Situation in der Rückschau. „Das regionale Bewusstsein hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert“, stellte er fest. Das Projekt Irma habe dazu sicherlich einen Teil beigetragen. Zurzeit gebe es eine Reihe von positiven Beispielen dafür, wie regionale Zusammenarbeit funktioniere; das Krankenhaus sei eines davon. Erste Adresse waren natürlich die Elisabeth-Kliniken in Neuburg. „Wir haben alles versucht, aber die Konstruktion auf Kreisebene hat leider nicht geklappt“, berichtet Weigert.
 
So wurde in vielen Gesprächen, an denen auf Schrobenhausener Seite neben dem Landrat im Wesentlichen Dietmar Eine und der Schrobenhausener Bürgermeister Karlheinz Stephan beteiligt waren, ein Modell mit dem Klinikum Ingolstadt gestrickt, das Tragweite und Haltbarkeit haben soll. Gestern Abend wurden in einer großen Runde mit Beteiligten beider Häuser schon die ersten Details unter Dach und Fach gebracht.
 
Die Beteiligten auf Schrobenhausener Seite stecken große Hoffnungen in das Konstrukt, vor allem deshalb, weil die Schrobenhausener Gynäkologie und Geburtshilfe nun nicht eine Ingolstädter Filiale oder eine Außenstelle werden soll. „Wir bewegen uns als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe“, berichtet Geschäftsführer Eine von den Vorbesprechungen. Beide Häuser würden davon profitieren. Allerdings steht nicht der wirtschaftliche Aspekt bei der Kooperation im Vordergrund, sagt Dietmar Eine. Vielmehr werde einzig ein übergeordnetes Ziel verfolgt: „Die Sicherstellung der Gynäkologie und Geburtshilfe in hoher Qualität in ländlicher Region.“ Der Landrat formuliert es so: „Wir haben Ingolstadt im regionalen Verbund um Hilfe gebeten, und wir haben sie bekommen.“