Es ist das Zeitalter der Zentralisierung. Alle Augen sind auf die Großstädte gerichtet, die Menschen auf dem flachen Land sind auf dem besten Weg, Menschen zweiter Klasse zu werden - bis sich der Trend in ein paar Jahren oder Jahrzehnten wieder einmal dreht. Bis dahin steht zu befürchten, dass der große Ausverkauf weitergeht.

Der nächste Akt: 2016 beschließt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), den Notdienststandort Schrobenhausen zu schließen. Nur durch Zufall kommt das im Frühjahr 2017 an die Öffentlichkeit, auch die Kommunalpolitik erfährt das erst durch die Zeitung.

Als Kritik an der Entscheidung und am Vorgehen laut wird, schüttelt man sich bei der KVB ab: Alles wird viel besser, heißt es, weil ab März 2018 ein perfektes, engmaschiges Netz gesponnen wird, das Kranken nach Dienstschluss der Hausarztpraxen den Weg zum Arzt erspart, sondern den Arzt vielmehr nach Hause bringt. Die Verantwortlichen im Schrobenhausener Land sind alle sehr gespannt, wie gut das am Ende wirklich funktionieren wird.

Das neue Notdienstsystem könnte ein weiterer Einschnitt für das Schrobenhausener Krankenhaus werden. Denn wohin werden die Notdienstärzte in Aichach und Pfaffenhofen, die in der Praxis die Schrobenhausener Patienten auffangen, wohl ihre Patienten schicken? In die Krankenhäuser vor ihrer Haustür oder wieder zurück nach Schrobenhausen?

Umgekehrt sollen im Krankenhaus Schrobenhausen Notfallpatienten abgewiesen werden - Hilfeleistungen werden nur noch bedingt vergütet, und das ist schlecht für den Ruf. Folge: Der Ausverkauf der Versorgung auf dem Land geht weiter.