Waidhofen: Das verflixte Klassentreffen   und andere Katastrophen
Foto: Ute de Pascale
Waidhofen

Kaum auf der Bühne, gibt's auch schon den ersten Szenenapplaus. Da hatte Maria (Anita Trompler) grade den Satz "D' Mannsbuida soi doch alle da Deife hoin" rausgehauen. Die Marschrichtung ist klar: Im Stück geht es - wie so gern im bayerischen Laientheater - um Männlein gegen Weiblein, was eine kleine Liebelei unter dem Nachwuchs freilich nicht ausschließt. Und es wird gebechert. Ohne Ende. Ganz vorn mit dabei: Franz-Josef (Regisseur Albert Finder), Marias Gatte. Der hat ein fettes Problem, eines, das er sich sogar selber eingebrockt hat. Schließlich war er es, der sich über den Zeitungsartikel über ein Hohenwarter Klassentreffen für alle deutlich vernehmbar echauffiert hat.

Ein Klassentreffen? So schnell kann der Gute gar nicht schauen - zack haben die Damen um ihn herum schon einen Termin, stürzen sich munter in die Planerei. Und das Allerschlimmste: Natürlich wird neben Johannes, der jetzt in Amerika lebt, auch die ehemalige Mitschülerin Elisabeth (Hilde Schwab) eingeladen. Die mit dem unehelichen Kind . . . Was es damit auf sich hat, werden Zuschauer wie Franz-Josef erst nach einer Menge Irrungen und Wirrungen, nach ganz viel witzigen Sprüchen erfahren. Dass Elisabeth aufkreuzt, gilt es jedenfalls mit allen Mitteln zu verhindern - und wenn dazu auch mal Postbote Ferdinand (Konrad Reiner) mit Schnaps abgefüllt werden muss.

Immer, wenn es brennt, muss August (Franz-Xaver Nieser) her, der Franz-Josef in seinem ganzen Leid zur Seite steht - nicht wissend, dass sein Freund den allergrößten Dreck am Stecken hat. Dass sich bei den Männern die Begeisterung ob des drohenden Klassentreffens in überschaubaren Grenzen hält, ändert sich schlagartig, als die Waidhofener Gerüchteküche - immer munter mittendrin: die personifizierte Neugierde Paula (Simone Wohlfarth) - überbrodelt und aus Johannes' Gattin mir nichts, dir nichts eine Stripperin kreiert.

Immer tiefer steigen derweil Maria und Augusts Gattin Fanny (Simone Schlittenbauer) in die Detailplanung ein. Logisch, dass ein neues Outfit her muss. Und ohne Friseurbesuch geht's freilich auch nicht. Maria plant darüber hinaus sogar eine "Vier-Wochen-Verjüngungskur", samt Schönheitsmaske - was Opa Holzmeier (Alois Lebmeier) trocken kommentiert: "Da wead oane net glanga." Das Waidhofener Publikum biegt sich vor Lachen - weder zum ersten, noch zum letzten Mal an diesem Abend.

Selbstverständlich müssen auch die Männer auf Vordermann gebracht werden, will heißen: auf Diät gesetzt. Schließlich will man sich ja nicht blamieren. Vor allem vor Johannes (Christian Braun) nicht, den alle aus der Schulzeit als "buidsauberes Mannsbild" in Erinnerung haben.

So richtig turbulent wird es, als Johannes' Töchterchen Kathy (Lisa-Marie Bichler) auf der Bildfläche erscheint. Ein Blick auf die mit allerlei blinkendem und funkelndem Schnickschnack behangene, im amerikanischen Slang daherquasselnde "Kaugummitussi" genügt - und Maria konstatiert: "Die is net vo Woadhofa!" Selbstredend, dass sich beim großen Finale alles in Wohlgefallen auflöst. Zumindest für fast jeden. Außer vielleicht für Ferdinand . . .

Eine extra Portion Pfiff bekommt das Stück durch seine kleinen Nebenstränge - Opa Holzmeier und sein reger Playboy-Austausch mit Enkel Markus (Alexander Peyerl) mittels Fußwärmer etwa - und die vielen Gags dazwischen: Franz-Josef mit Federboa um den Hals, August mit drolliger Zipfelmütze auf dem Kopf. Lustig auch, wenns grade wieder irgendwen vom Stangerl haut.

Die Rollenklischees werden in dem Dreiakter von Regina Rösch munter bedient, dem Alkohol wird fröhlich gefrönt und ein brutaler Tiefgang ist diesem Lustspiel auch nicht vorzuwerfen - wer sich allerdings einfach nur ein paar Stunden lang den Ast ablachen möchte, dem super engagierten Waidhofener Theaterteam mit seinen sympathisch-liebenswerten Akteuren beim Schauspielern zugucken möchte, der hat dazu noch am Freitag, 17., und Samstag, 18. November, jeweils um 19.30 Uhr im Waidhofener Schützenheim Gelegenheit. Als Souffleuse fungiert Emma Köpf, um die Maske kümmert sich Maria Gutmann. Und Helmut Bichler liefert zünftig Musikalisches rund ums Stück.