Wohin: Das Parkplatzdilemma
Zurzeit wird eifrig gekreiselt, in der Altstadt. Und nachdem die Parkraumüberwachung relativ erbarmungslos zuschlägt, wird auch wieder viel über die Autos diskutiert. - Foto: De Pascale
Schrobenhausen

Die Dame aus Aresing, die am Donnerstag in der Redaktion anrief, war richtig sauer. 30 Minuten sei sie gekreiselt, und sie habe keinen Parkplatz in der Altstadt gefunden. Folge: Sie verpasste ihren Arzttermin, und da muss man erst einmal einen bekommen. Kein Einzelfall.

Und das Thema verschärft sich. Zwar wird es - zumindest im Winter - nach der Altstadtsanierung mehr Parkplätze geben als jetzt, bis dahin bleibt es schwierig. Andererseits war es ja der erklärte Wille der Schrobenhausener, das Verkehrsaufkommen in der Altstadt zu reduzieren. Viele Verkehrsteilnehmer beschweren sich, weil man sich als Fußgänger und Radfahrer angesichts der Blechlawine in der Altstadt unsicher fühlt.

In diese Richtung argumentiert ja auch die örtliche Politik, sofern man das so nennen kann, denn in Schrobenhausen gibt es bekanntlich keine wirkliche politische Kommunikationskultgur. Wenn sich jemand zum Thema Autos äußert, dann in der Regel Verkehrsreferentin Martha Schwarzbauer (SPD) und niemand sonst. Ihre Position ist bekannt: So wenig Auto wie nötig und so viel Rad wie möglich.

Der älteren Dame aus Aresing - ihren Namen möchte sie aus Angst vor Anfeindungen lieber nicht in der Zeitung lesen - hilft das wenig. Sie ist nicht gut zu Fuß. Vom Busbahnhof oder gar vom Klostergarten in die Altstadt zu laufen, ist für sie undenkbar. Immer wieder gibt es solche Hinweise von Senioren. Mit einer kaputten Hüfte, mit Multipler Sklerose, mit wehem Fuß, geschwächt durch eine Krebstherapie ist der Weg von außen in die Altstadt nicht zu schaffen.

Aber: Alle Apotheken im Mittelzentrum Schrobenhausen befinden sich in der Altstadt, und auch mehr als ein Dutzend Arztpraxen. Und jetzt fällt auch noch der Parkplatz in der Bartengasse weg.

"Das ist ein Problem!", nickt Bürgermeister Karlheinz Stephan, wenn dieser Aspekt thematisiert wird. "Ich bin auch schon darauf angesprochen worden, den östlichen Stockerring wieder freizugeben - aber das wäre der absolut falsche Weg." Das Thema Tiefgarage sei auf Initiative von Josef Soier im Vorfeld der Altstadtsanierung diskutiert worden, da war man aber zu spät dran.

Aus städtebaulicher Sicht vertritt der Chef des Schrobenhausener Bauamtes, Axel Westermair, eine ganz klare Position: "Eine Innenstadt besteht aus Gebäuden und nicht aus Parkplätzen. Da habe ich eine sehr klare Meinung." Er verweist auf eine Debatte, die gerade in München geführt wird, wo, ganz nah am Marienplatz der ehemalige Sport Schuster durch ein Parkhaus ersetzt wird. "Dazu kann man jetzt folgende Argumentation lesen: Wir beschweren uns über zu viel Verkehr in der Innenstadt, und indem man Parkplätze anbietet, sagen wir: Kommt's nur alle rein." Axel Westermair kann mit dieser Auffassung, wie er sie gerade gelesen hat, etwas anfangen. "Im Städtebau gibt es einen alten Spruch: ,Wer für Autos plant, wird Autos bekommen!' Das muss jedem klar sein. Die Frage ist: Will man das oder will man das nicht"

Insofern steht für Axel Westermair außer Frage, dass die Bebauung in der Bartengasse richtig ist: "Aus städtebaulicher Sicht gehören dahin ganz klar Gebäude und keine Parkplätze."

Aber was ist dann mit den Senioren aus dem Schrobenhausener Umland, denen kein Bürgerbus zur Verfügung steht, der sie in die Stadt bringen kann, und die in die Apotheke oder zum Arzt müssen? "Ich könnte jetzt auch fragen: Wie funktioniert das in Regensburg? Da lässt man sich mit dem Taxi oder von Verwandtschaft reinfahren", argumentiert Westermair. Mit dem Unterschied, dass, wer in einer Großstadt lebt, nicht zwingend ein Auto braucht. Wer in Orten wie Brunnen, Aresing oder Hohenwart lebt, ist ohne Auto aufgeschmissen, weil es kaum Öffentlichen Personennahverkehr gibt - die Fixkosten durch das Auto sind also bezahlt und schmälern den Spielraum, um sich ein Taxi leisten zu können. Sowohl Karlheinz Stephan als auch Stadtbaumeister Westermair ist das bewusst.

Aber: "Es gibt halt einen Unterschied zwischen Stadt und Land", sagt Westermair. In einer Stadt könne man eben nicht überall bis vor die Haustür fahren. Er stellt sich diese Frage durchaus: "Setze ich Lebensqualität mit der Anzahl der Stellplätze gleich" Und wie er die Frage stellt, gibt er seine Antwort gleich mit: wohl kaum.

Was wäre die Konsequenz daraus? Wenn die Arztpraxen und die Apotheken die Innenstadt verließen, wäre das ein Ausverkauf für die Altstadt. "Ich will um Himmels Willen keinen Arzt oder Apotheker aus der Innenstadt vertreiben!", betont Bürgermeister Stephan.

Er sieht es so: "Wir haben das Thema ja seit vielen Jahren. Im Großen und Ganzen funktioniert es doch bei uns eigentlich ganz gut. Natürlich gibt es ab und an mal Ärger, ab insgesamt klappt es doch in Schrobenhausen sehr ordentlich." Natürlich sei es so, dass sich manche Dinge neu einspielen müssen, wenn sich etwas verändere oder wenn etwas wegfällt - so wie jetzt durch die Baustelle und die neue Nutzung der Bartengasse.

Bleibt die Frage immer noch unbeantwortet, wie man der Dame aus Aresing und anderen Senioren, die nicht den Arzt wechseln wollen, entgegenkommen kann. "Die Lösungsansätze liegen im Bereich des Parkraummanagements", ist Stephan überzeugt. Deshalb wolle man nun doch einem mehrere Jahre alten Vorschlag von FW-Stadtrat Günther Schalk nähertreten und einen Teil der Parkplätze am Busbahnhof zeitlich beschränken. Seinerzeit wurde die Idee nicht umgesetzt.

"Wir haben die Situation am Busbahnhof untersucht", berichtet Westermair. "Tatsächlich parken dort 80 Prozent der Fahrzeuge den ganzen Tag." Wären dort nur noch Kurzzeitparkplätze, würde das womöglich dazu führen, dass Dauerparker dann doch zum Klostergarten umziehen. Dann könnten mehr Autofahrer am Busbahnhof parken - und auch die Situation in der Lenbachstraße müsste sich dadurch wieder etwas entspannen.

Und in der Lenbachstraße könnte man über Sonderregelungen nachdenken, wirft der Stadtbaumeister ein: "In jeder Tiefgarage gibt es Frauen- und Familienparkplätze." Warum nicht auch Seniorenparkplätze oder auch Extra-Parkplätze für E-Autos, um die E-Mobilität zu fördern. Das sei alles denkbar.

Im Norden der Altstadt, wo es kaum Parkplätze gibt - denn der Pohler-Parkplatz neben dem E-Markt ist vormittags eigentlich immer voll - hilft das alles nicht. "Wenn wir die erforderliche Grundstücksfläche hätten, könnte man sicher über ein Parkhaus im Norden reden." Was wäre mit der ehemaligen Grundschule in der Regensburger Straße 5? "Das ist ein kühner Gedanke", erwidert Bürgermeister Stephan. "Für mich ist das nie ein Verwaltungsgebäude geworden, sondern immer die alte Grundschule geblieben", ergänzt Axel Westermair. Und noch mal der Bürgermeister: "Ich würde das Gebäude opfern."

Aber selbst wenn das klappen würde - der Dame aus Aresing hilft das aktuell auch nicht.