Unter den Fundstücken waren auch die Ladedruckanzeige des Flugzeugs (l.) und der obere Teil des Steuerknüppels. - Foto: Rödig
Am Donnerstag, 14. August, war es soweit, der Bagger rollte an. Zuerst wurde der Humus abgetragen, dann ging die Schaufel langsam tiefer. Erste verbogene Aluminiumteile, die nun nach über 60 Jahren wieder an das Tageslicht kamen, zeigten, dass genau an der richtigen Stelle gegraben wurde. Trotz der starken Verschmutzung konnte das Bergungsteam schon einzelne Teile identifizieren.

Drei kleine zusammenhängende kugelförmige Eisenkörper entpuppten sich als Sauerstofftanks, und beim Spornrad war der größte Teil des Mantels erhalten, man konnte sogar noch den Namen der Herstellerfirma (Continental) lesen. Bald erschienen die ersten Motorteile: der Deckel des Laders und sogar die Skala des Anzeigers für den Ladedruckregler, der dafür sorgte, dass in den Leitungen vor den Ventilen abhängig von der Flughöhe immer der passende Druck herrschte.

Die zerfetzten und verbogenen Aluminiumbleche des Rumpfes und der Tragflächen zeigten deutlich, mit welcher Wucht sich das Flugzeug trotz des wohl flachen Aufschlagwinkels in den Boden gebohrt haben muss. In etwa vier Metern Tiefe stieß der Bagger dann auf ein größeres massives Teil: es war der Motor der Me 109 G-6, ein Daimler Benz DB 605 A, wie sich nach der Reinigung herausstellte. Wie erwartet, war er durch den Aufprall stark in Mitleidenschaft gezogen worden, er hatte sich als Block aber noch einigermaßen gut erhalten.

Interessant waren auch der obere, abgebrochene Teil des Steuerknüppels und die Frequenzskala eines Funkgerätes. Bei der Grobreinigung der gefundenen Teile fand Rolf Ebnet sogar eine zum größeren Teil noch lesbare, zusammengefaltete Karte des Piloten mit den eingetragenen Planquadraten zur schnellen Orientierung.

Nichts bekannt ist über das weitere Schicksal des deutschen Piloten. Wie hieß er? Hat er den Krieg, der noch fast ein Jahr dauern sollte, und in der die Jäger immer mehr zu Gejagten wurden, überlebt? Wenn das der Fall war und er vielleicht sogar noch am Leben ist, wäre es sehr interessant, diese Geschichte mit seinem Wissen über das Geschehen vor und nach dem Absturz abzurunden. "Eventuell melden sich auch noch weitere Zeitzeugen, die helfen können, die Geschehnisse ganz aufzuklären. Jeder Hinweis ist von Interesse, auch von Abstürzen in der weiteren Umgebung Schrobenhausens, denn gerade gegen Ende des Krieges wurden viele dieser Abstürze nicht mehr dokumentiert", sagt Rolf Ebnet.

Ein Beispiel aus dem Raum Schrobenhausen ist das nach wie vor noch ungeklärte Schicksal von Oberst Lützow, der am 24. April mit seinem Düsenjäger Me 262 abgeschossen wurde und nach dessen Absturzplatz immer noch gesucht wird, um seine sterblichen Überreste begraben zu können. Informationen über solche Abstürze nimmt Kreisheimatpfleger Bernhard Rödig, Telefon (0 82 52) 79 45, gerne entgegen.

Ganz nebenbei war im Baggeraushub ein ganz anderes Stück aus der Geschichte der Hörzhausener Gegend aufgetaucht, das schon etwas älter ist als die Reste des Flugzeugs. Dieses besondere Fundstück hatte etwa 15 Millionen Jahre im Boden gelegen: ein Stück versteinertes Holz. ? Ende