Astrophysiker auf Exkursion: Eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich mit dem Lofar-Projekt befassen, besichtigte gestern das Weilenbacher Antennenfeld – und zog die Möglichkeit eines Bittgangs auf den nahen Beinberg in Betracht. - Foto: Hofmann
Bienen und Quasare

Da wird natürlich gefachsimpelt über Interferenzen, Quasare und Rechnerkapazitäten. Ein Wissenschaftler aus Effelsberg ist dicht von seinen Kollegen umlagert, die ganze Gruppe wird von Bienen umschwirrt, die zielsicher und sanft summend eine Margerite nach der nächsten ansteuern. Der Mann erzählt, dass er in Holland einen Blick auf die Produktion der HBAs werfen konnte. Die seien ziemlich hässlich, meint er: vier mal vier Meter große und wohl knapp einen Meter hohe Styroporkästen. Geradezu sensationell ist das für die anderen, weil sie diese HBAs fast schon in das Reich der Fabeln verweisen wollten – schließlich wartet man in Fachkreisen seit einem Jahr oder noch länger auf diese technischen Wunderwerke.

Nun wäre natürlich interessant, zu erfahren, was denn HBAs eigentlich sind. Zum Glück finden sich genügend Fachleute, die den Laien aufklären: HBA steht für High Band Antenna. Diese Antennen sollen also Weltraumstrahlung – zu deren Erforschung das ganze Lofar-Projekt ins Leben gerufen wurde – im höheren Frequenzbereich auffangen, während die Low Band Antennas (LBA) für die niedrigeren Frequenzen zuständig sind. Die LBAs sind die eingangs erwähnten Metallstangen zwischen den Margeriten. Sie sind in Weilenbach bereits betriebsbereit. Auf die HBAs wartet man noch, in Aresing ebenso wie in Effelsberg und den vermutlich vier weiteren deutschen Lofar-Stationen, die es einmal geben soll.

Ursprünglich sollten die HBAs ja wie überdimensionale Christbaumständer aussehen. In der endgültigen Konstruktion werden die nun allerdings in die besagten hässliche Styroporkästen verpackt – die auf dem Weilenbacher Feld bei all den Margeriten zumindest im Sommer kaum zu sehen sein dürften. Kaum zu sehen ist auf dem Feld auch der bereits für die HBAs planierte Bereich. Heinz-Ado Arnolds, der Gastgeber vom Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik, tupft sich den Schweiß von der Stirn und zeigt auf den Richtung Beinberg gelegenen Teil der Wiese: Dort kommen die HBAs hin, wenn sie sich letztlich nicht doch nur als moderne Fabelwesen entpuppen sollten. Doch Vorsicht, warnt Arnolds seine Kollegen: Nach den jüngsten Regenfällen sei dort ein Sumpf entstanden. Man merkt’s an all den Insekten, die über die Margeriten schwirren und in Weltraumforscherbeine stechen.

Der Beinberg lockt

Doch etwas anderes hat inzwischen die Aufmerksamkeit einiger Wissenschaftler geweckt: Der schöne weiße und irgendwie typisch bayerische Kirchturm auf dem Hügel unweit des Antennenfelds. Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg, erklärt der SZ-Reporter. Die Astrophysiker sind sofort begeistert: Falls es nicht klappen sollte mit den HBAs, könne man ja einen Bittgang dorthin machen. Auf die Votivtafel mit einem Abbild der angeblich so hässlichen Styroporkästen darf man gespannt sein . . .

Inzwischen sind die Wissenschaftler schon ein wenig ermattet. Einige ziehen sich in den klimatisierten Computercontainer zurück, wo sie vor den stechwütigen Kleininsekten, die in dem Biotop auf der Margeritenwiese eine wunderbare Heimat gefunden haben, und vor allem vor der gnadenlos vom wolkenlosen Himmel brennenden Sonne sicher sind. Den Astrophysikern ist das viel zu viel Strahlung – sie sind eher an den ganz schwachen Signalen interessiert, die der Urknall im Weltraum hinterlassen hat und die man nur in so naturnahen Regionen wie hier bei Weilenbach auffangen kann.

So mancher der verschwitzten Wissenschaftler freut sich inzwischen schon auf die Tagung im kühlen MPA-Gebäude auf dem Garchinger Campus. Andere lassen sich noch ein wenig die Bienen um die Nase kreisen, genießen den Ausblick auf den Beinberg – und pflücken zur Erinnerung an ihre Exkursion einen Strauß Margeriten.