Schrobenhausen: Das Stadtgefängnis als Spielewelt
Ungewöhnliche Nutzung für ungewöhnliche Gebäude: Im ehemaligen Gefängnisturm (Foto l.) könnte ein Techniklehrpfad entstehen. In den Holzanbauten an der Stadtmauer neben dem früheren Stadtgefängnis können sich Kristin Kurczinski und Sandra Starick ein kleines Kindertheater vorstellen (r.) - Fotos: Wöhrle
Schrobenhausen

In den vergangenen beiden Jahren haben die Architektin Kristin Kurczinski und ihre Partnerin Sandra Starick ihre Idee für die künftige Nutzung des alten Schrobenhausener Stadtgefängnisses vorangetrieben, jetzt scheint ein Sponsor gefunden. Es handele sich dabei um ein großes Unternehmen – mehr ist von den beiden Planerinnen vorerst nicht zu erfahren.

Kristin Kurczinski und Sandra Starick haben in den zum Teil aus dem 18. Jahrhundert stammenden Mauern viel vor. Neben einem Indoorspielplatz – mit Technikturm im ehemaligen Gefängnisturm – soll ein alternativer, privat betriebener Kindergarten in den Räumen des ehemaligen Stadtgefängnisses eingerichtet werden. Als Vorbild dienen den beiden Frauen die sogenannten Kinderläden, wie es sie beispielsweise in Berlin gibt. Das Besondere dabei: Die Atmosphäre sei sehr familiär, die Gruppen seien offen und nicht nach dem Alter der Kinder gestaffelt, und der Einfluss der Eltern sei groß, erläutern Kurczinski und Starick.

Geplant ist ein Kindergarten mit zwei kleinen Gruppen für jeweils 15 Kinder. „Die Kindergartengruppen sollen im Oktober 2015 an den Start gehen“, sagt Kristin Kurczinski. Damit dieser Zeitplan eingehalten werden kann, muss im Herbst mit den Umbauten begonnen werden. Die beiden Planerinnen halten das für möglich. Die nächsten Schritte, die jetzt anstehen, seien die endgültigen Verhandlungen mit dem interessierten Investor und die Einholung der Betriebserlaubnis für den Kindergarten beim Landratsamt.

Für den historischen Gefängnisturm haben sich die beiden Frauen eine ganz besondere Nutzung ausgedacht. Dort soll eine Art Kindererlebniswelt entstehen, in der sich alles um Technik dreht: eine Art Technikturm, in dem Kinder ihre Neugier in Technikfragen stillen können und beispielsweise erfahren, wie ein Elektromotor funktioniert, und einen solchen auch testen können. Sandra Starick ist gerade dabei, ein entsprechendes pädagogisches Konzept auszuarbeiten. Ein solcher Technikturm passe ganz besonders gut in die Stadt Schrobenhausen, findet sie: „Wir sind ja hier im Land der Maschinenbauer.“

Kurczinski und Starick sind zuversichtlich, ihre ehrgeizigen Pläne verwirklichen zu können. „Der Businessplan steht“, versichern sie. Bei der Stadt Schrobenhausen haben sie sich außerdem ein Pachtvorrecht gesichert. Das ehemalige Stadtgefängnis und der Gefängnisturm sind nämlich Teil der historischen Stadtmauer. Die Gebäude unterliegen dem Denkmalschutz und werden von der Stadt nicht verkauft. Ihre Nutzung ist schwierig, doch die beiden Planerinnen sind von den ungewöhnlichen Bauten begeistert. „Die Örtlichkeit ist ideal“, schwärmt Kurczinski. Der burgartige Charakter des alten Stadtgefängnisses, der direkt benachbarte Mittelalterspielplatz und die Lage am Stadtwall würden sich perfekt für ein solches Projekt eignen, unterstreicht auch ihre Partnerin Sandra Starick.

Die beiden Planerinnen waren schon einmal an einem vergleichbaren Projekt beteiligt: in Bad Langensalza, einer 18 000-Einwohner-Stadt in Thüringen. Die dortige Innenstadt wird ebenfalls von einer in großen Teilen erhaltenen Stadtmauer mit Wehrtürmen umgeben – das macht sie mit Schrobenhausen vergleichbar. Mitten in dieser historischen Altstadt hat vor einem Jahr eine Kindererlebniswelt namens Rumpelburg eröffnet. Die Architektin Kristin Kurczinski hat bei der Ausführungsplanung dieses ambitionierten Projekts mitgewirkt.