Schrobenhausen: "Wir sind Helfer, aber keine Deppen"
In einem Wohnhaus, das die Gemeinde gekauft hat, sind in Brunnen Flüchtlinge untergebracht. - Fotos: Preckel (2); De Pascale
Schrobenhausen

 

ERICH DIER

 

Waidhofen: Wir haben 30 Helfer, derzeit lebt eine vierköpfige Familie aus Afghanistan bei uns. Es ist eine gute Familie. Sie ist beim Sport, unter anderem beim Mutter-Kind-Turnen, dabei. Der Mann will unbedingt gemeinnützig arbeiten. Die Familie wird bei uns gut betreut. Dass sie privat untergebracht ist, nimmt uns eine Menge Arbeit ab. Zwar können wir uns schlecht verständigen, aber die betreuende Familie hat eine Sprachapp, die beim Übersetzen hilft. Wir haben auch eine Deutschgruppe mit ehemaligen Lehrern.

Ich persönlich zeige dem Flüchtlingsvater alles Mögliche, zum Beispiel wo er einkaufen kann. Er hat jetzt auch schon ein Konto. Für mich war gleich klar, dass ich bei der Asylbetreuung ran muss, denn ich kenne mich mit Bürokratie und Ämtern gut aus und weiß als Polizist, wie man sich benimmt. Natürlich erwarte ich von den Herrschaften, dass sie sich auch ein wenig nach unserer Kultur richten. Sie müssen auch um die Nachteile des Lebens hierzulande wissen. Selbstverständlich sollte sein, dass die Asylbewerber gemeinnützig arbeiten können. Alles andere gäbe auch böses Blut. Solche Dinge muss man regulieren, damit alles gut ausgeht. Wir helfen, wo Hilfe notwendig ist, lassen uns aber auch nicht ausnutzen. Denn: Wir sind Helfer, aber keine Deppen!

Stocksauer werde ich, wenn jemand zu mir sagt: Ihr Helfer seid daran schuld, dass so viele Flüchtlinge kommen. Dann entgegne ich: Du verwechselst doch Ei und Henne! Allerdings: Diese Idioten aus Köln machen mit ihren Taten in der Silvesternacht alles kaputt. Was soll ich da noch antworten? Ich bin der Meinung: Wenn einer nicht weiß, wie es sich gehört, muss man ihn einsperren und abschieben, weil Gauner brauchen wir nicht.

Jedenfalls machen wir im Helferkreis weiter, weil es keinen anderen Weg gibt. Denn wenn die Helfer nicht wären, wäre das eine Katastrophe - und zu teuer für die Gemeinden.

Weshalb ich mich engagiere? Ich sehe dieses Unheil auf der Strecke Türkei zu uns und habe dieses Bild von dem Dreijährigen am Strand vor Augen. Und wir flacken gemütlich auf der Couch? Das kann doch nicht sein! Und auch als Wirtschaftsmacht haben wir in Deutschland eine Verpflichtung. Was mich jedoch ärgert: Unsere Familie ist seit September in Deutschland und kann erst Ende Mai den Asylantrag stellen. Das ist doch unmöglich!

 

LUDWIG BERGER

 

Brunnen: Auch wenn der Helferkreis motiviert ist, ist die Arbeit nicht leicht. Alles in allem würde ich es vielleicht nicht unbedingt als gut bezeichnen, aber es läuft. Man wurde ja ins kalte Wasser geschmissen. Ein großer Kritikpunkt ist auch, dass man alleingelassen wird, bei Behördengängen, Schriftverkehr, Anmeldungen, Impfungen oder der Frage: Wer übernimmt die Kosten? Dann gibt es die Sprachbarriere, die Neuankömmlinge bei uns sprechen nur ganz wenig Englisch. Aber: Sie bekommen bei uns jetzt ehrenamtlichen Deutschunterricht.

Auch das Thema Mobilität ist ein großes Problem, weil wir von der Grundversorgung her so gut wie gar nichts im Ort haben. Auch keinen Arzt. Wir haben Familien mit Kindern, und grade bei kleinen Kindern ist ja öfter mal was. Es ist aber ein glücklicher Umstand, dass es Familien sind und keine alleinstehenden Personen.

Angesichts der Kürze der Zeit, die wir jetzt Flüchtlinge betreuen, ist es bei uns noch relativ ruhig. Streit hat es unter den aus Syrien und dem Irak stammenden Leuten noch nie gegeben.

Wenn auch nicht im eigenen Ort, so bekomme ich dennoch etwas von den Hetzereien gegen Asylbewerber mit. Ich entgegne dann: Diese Menschen sind da und müssen untergebracht werden. Menschenwürdig. Selbstverständlich kann Deutschland nicht die Probleme der Welt lösen. Andererseits: Was können diese Leute dafür? Wir können sie doch nicht auf der Straße stehen lassen. Schon gar nicht im Winter. Ich bin eindeutig gegen Hetzerei - dennoch kann ich manche skeptische Stimme in der Bevölkerung zum Teil verstehen.