Schrobenhausen: Wenn Bilder Leben erzählen
In den letzten Vorbereitungen steckt Künstler Rolf-Dieter Wührl derzeit noch. In rund einer Woche eröffnet er seine Sonderausstellung "Querschnitt aus dem Werk" im Pflegschloss mit Werken aus seiner fast 30-jährigen Schaffenszeit. - Foto: Burgstaller
Schrobenhausen

Dabei sind deshalb Werke aus seiner gesamten künstlerischen Schaffenszeit, Bilder, die er vor über 30 Jahren gemalt hat. "Also Probleme, die Räume voll zu bekommen, habe ich nicht", sagt Wührl. Eine Woche vor der Vernissage im Pflegschlossmuseum lehnen die Bilder noch kreuz und quer an den Wänden. Teilweise verhüllt, teilweise ohne Rahmen. Sie zu arrangieren, ist keine leichte Aufgabe. "Ich liebe alle meine Bilder", sagt Wührl. "Die guten und die schlechten." Wobei gut und schlecht, das ist ja immer relativ.

Denn mit Kunst ist das ja immer so eine Sache - was dem einen gefällt, hält ein anderer für Müll. Was an einer Stelle als dynamische Linienführung hochgelobt wird, wird anderswo vielleicht schon wieder als infantiles Gekritzel abgetan. Der seinerzeit belächelte Vincent Van Gogh könnte davon heute ein Lied singen. Und auch Rolf-Dieter Wührl weiß das. Deswegen versucht er erst gar nicht zu gefallen. Seine Kunst ist authentisch, nicht gemacht, um Geld zu verdienen. Sie kommt von Herzen, mehr noch, direkt aus der Seele. "Wenn einer meine Bilder nicht gut findet, interessiert mich das recht wenig. Dann versteht er mich einfach nicht."

Wührl malt abstrakt und surrealistisch. "Mit Abstraktionen hab ich überhaupt nur angefangen, weil ich immer dachte, das ist kinderleicht und überhaupt nur Geschmiere." Und dann habe ihn jemand aufgefordert, "dieses Geschmiere" doch einmal nachzumachen. Schwer könne es Wührls Gerede nach zu urteilen ja nicht sein. "War es aber doch. Man muss auf vieles achten, den Goldenen Schnitt zum Beispiel. Und die Farben. Die dürfen trotz des Durcheinanders nicht zu einem grauen Brei verlaufen." Er erklärt es und deutet auf ein froschgrünes Gemälde, in dessen Mitte leuchtende Farben scheinbar explodiert, bei näherem Hinsehen aber doch strukturiert aufgetragen sind.

Wenn Wührl abstrakt malt, dann nennt er sich Brix. Als Abgrenzung zu dem Rolf-Dieter Wührl, der seine eigentliche Leidenschaft auf die Leinwand bringt: das Surreale. Diese Bilder sind wie Träume. Kleine eigene Welten, gemacht, um sich darin zu verlieren - und wenn es nur für ein paar Minuten ist. "Das sind meine Gefühle, die ich da male", sagt Wührl. Jedes Bild ist ein Fenster zu seiner Seele. "Wer es versteht, kann in mir lesen."

So gesehen gibt Rolf-Dieter Wührl mit jedem verkauften Bild ein Stück seiner Seele her - doch in seinen Augen ist das nicht schlimm. "Weil ich weiß, dass diese Personen das, was ich tue, verstehen und wertschätzen", sagt er. Und wenn er Sehnsucht nach einem Bild habe, dann komme er eben einfach mal zu Besuch vorbei, erklärt er. Für die, die noch nicht so geübt darin sind, im Seelenleben des 64-Jährgen zu lesen, wird er nicht müde, die Geschichten hinter den Bildern zu erzählen. Denn eine Geschichte, die gibt es immer. Wie die eines Paares, das Beziehungsproblemen hat, aber doch nicht voneinander lassen kann. Rolf-Dieter Wührl hat diese Geschichte auf Leinwand mit dem stürmischen Meer, zarten Schmetterlingen und einer Flasche als rettenden Anker nacherzählt.

Immer wieder taucht in seinen Bildern die Glaskugel auf. Die filigranen Kugeln sind zu seinem Markenzeichen geworden. Sie stehen wegen ihrer unendlichen, runden Form für Perfektion, aber durch ihre hauchdünne, zerbrechliche Glaswand auch für die menschliche Verwundbarkeit. "Außerdem male ich gerne Planeten als Zeichen für das Universum", verrät er. "Das Universum fasziniert mich wegen seiner unbegreiflichen Weite. Und weil einem da klar wird, wie klein man eigentlich ist." Da werde einem klar, dass man sich selbst gar nicht so wichtig nehmen braucht.

Lange habe er gebraucht, bis er sich selbst von allen Zwängen frei machen konnte. Von der "Was-denken-anderer-von-mir"-Angst. Doch nun, im Alter von 64 Jahren sei er an einem Punkt angelangt, wo alles kann und nicht muss. Wo das Leben Spaß macht und die Kunst sowieso. Und mit eben jener Leichtigkeit geht er an seine Bilder: ohne groß darüber nachzudenken und völlig unverkrampft. "Ich wünsche den Besuchern meiner Ausstellung Spaß, und dass sie in dieser Zeit bei mir ihren Alltag vergessen", sagt Wührl. Das ist alles, was er sich erwarte.

Wer sich von Rolf-Dieter Wührl in seine Seelentraumwelt entführen lassen will, hat dazu von 24. Januar bis 12. April Zeit. Die Vernissage am 24. Januar beginnt um 14 Uhr. Die Öffnungszeiten an den restlichen Tagen sind jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr.