Schrobenhausen: Studieren, eine Familie und Geld verdienen   wo soll's hingehen?
Was bringt die Zukunft? Als junger Erwachsener ist man oft nicht sicher, in welche Richtung es gehen soll. Familie? Job? Studieren? Gar nicht so einfach zu entscheiden. - Fotos: Nestele, Thinkstock
Schrobenhausen
  • Julian Wagner (21) aus Eiselsried:

"Ich würde gern noch ein paarmal ins Ausland, vor allem nach Australien", sagt Julian Wagner, 21, aus Eiselsried. "Ich war von der Arbeit aus schon in ein paar Ländern und würde gern noch andere sehen." Er habe sogar bereits Geld in Fonds angelegt, "für das kleine bisschen Extra". Auf die Frage, ob er auch auf etwas Großes sparen würde, sagt er: "Hauptsächlich ein neues Auto. Meine Eltern haben einen Hof, den ich einmal übernehmen möchte. Bis dahin vielleicht außerdem eine eigene Wohnung."

Zum Thema Zukunft der Gesellschaft sagte er nach kurzem Grübeln: "Elektroautos. Ich hoffe, die Entwicklung geht schnell weiter, von den eine Million Elektroautos, die wir in Deutschland bis 2020 fahren sollen, hätte ich gern eins. Oder zumindest kurz danach." Kritisch fügt er am Ende hinzu: "Ich wünsche mir, die Gesellschaft würde offener werden, so wie in den Südländern oder China, bei uns wird man ja teilweise komisch angeschaut, wenn man nur Servus sagt."
 

  • Alina Richter (21) aus Neuburg:

"Ich möchte als Pflegewissenschaftlerin etwas bewegen und bei neuen Innovationen helfen, so dass nicht nur meine Generation etwas davon hat, sondern auch alle folgenden", sagt Alina. Die Pflegewissenschaftsstudentin ist sehr engagiert in ihrem Feld und sieht sich auch in zehn Jahren noch in der Pflege, wenn auch eher in einer beratenden Rolle. "Ich hoffe auch auf gravierende Veränderungen im Bereich Berufsausbildungen und Akademisierung, nicht nur in der Pflege, sondern überall. Auch die Personalbesetzung in Pflegeheimen, Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen könnte Überarbeitungen gebrauchen."

Zur Frage, ob sie sich Sorgen über die Zukunft mache, sagt die Neuburgerin: "Jeden Tag bekomme ich von meinen Patienten mit, wie viele nicht mit ihrer Rente auskommen, vor allem im Fall einer Pflegebedürftigkeit." Für sich selbst habe sie deshalb schon mit 20 Jahren angefangen, für das Alter vorzusorgen. Zum Schluss fügt sie noch hinzu: "Meiner Meinung nach ist auch eine Pflegekammer in Bayern dringend notwendig."

 

  • Babette Jurevicius (27) aus Pfaffenhofen:

"Ich mache mir wie jede Mutter vor allem Sorgen um die Zukunft meiner Tochter", sagt sie. Die 27-Jährige beendet gerade die 13. Jahrgangsstufe an der BOS in Scheyern und möchte danach studieren: "Ich möchte an der THI Erneuerbare Energien studieren, ich lege großen Wert auf die Umwelt und insbesondere auf Nachhaltigkeit. Ich möchte dann auch in diesem Bereich arbeiten." Ihre größte Sorge sei die Zukunft ihrer Tochter: "Sie wird ihr Leben selbst leben müssen, wenn es mal so weit ist. Ich kann nur für sie da sein, wenn sie mich braucht und den Weg bereiten."

Wenn Babette an ihre Zukunft denkt, weiß sie jetzt schon, dass für die vor allem eines wichtig sein wird: viel Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. "Jeder sucht natürlich seinen Traumjob, aber der existiert nur in den seltensten Fällen", ist sie sich sicher. "Meiner Meinung nach wird Karriere überschätzt. Es geht zwar nicht ohne Geld, aber ich finde, ein Mittelmaß zwischen Arbeit und Freizeit mit der Familie ist das Beste." Deshalb träumt die Pfaffenhofenerin auch davon, einen Job zu finden, der ihr zwar ein gutes Leben ermöglicht, aber nicht zu viel Raum in ihrem Leben einnimmt. Dass sie mit ihrer Einstellung womöglich keine Führungsposition bekleiden wird, ist für sie in Ordnung. "Hauptsache, die Balance zwischen Arbeit und Leben stimmt."

  • Pascal Schott (21) aus Jetzendorf:

Selbstverwirklichung ist für Pascal das Stichwort. "Die meisten merken erst am Ende ihrer Schullaufbahn, wie viel sie eigentlich von dem ganzen Lernen haben. Ich werde versuchen, so lange ich jung bin, so viel Wissen wie möglich zu erlangen. Danach finde ich hoffentlich einen Job, der mir einigermaßen Spaß macht." Der 21-Jährige, der gerade sein Abi gemacht hat, steht nun vor der Frage, wie es in seinem Leben weitergehen soll: "Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich später mal machen will. Aber ich hab Vertrauen, dass ich im Laufe der nächsten paar Jahre meinen Weg schon noch finden werde."

 

Fazit: Im Gespräch mit den jungen Erwachsenen ist mir eines aufgefallen: Alle machen sich schon jetzt große Gedanken über ihre Zukunft, doch kaum einer hat tatsächlich Angst davor. Bemerkenswert ist, dass für viele die Zufriedenheit mit sich selbst im Vordergrund steht. Arbeiten und dem Geld hinterherrennen? Überstunden schieben und Karriere machen? Nicht um jeden Preis, so mein Eindruck. Für die Generation der Nullerjahre zählen Selbstverwirklichung und das eigene Wohlbefinden mehr als die große Karriere. Erfrischend in Zeiten, in denen Burn-out zur Volkskrankheit geworden ist.