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Elterntaxi nutzen oder selber laufen? Die Antwort, die im Sommer startende gemeinsame Aktion von Polizei, Verkehrswacht und Verkehrsreferentin Martha Schwarzbauer fällt eindeutig aus: Das Elterntaxi ist out. Im Moment hat sich das aber noch nicht überall herumgesprochen, wie ein Blick in die Georg-Leinfelder-Straße zeigt.
M. Schalk
Schrobenhausen

Der Verkehrserzieher der Schrobenhausener Polizeiinspektion setzt bei seinem neuen Versuch, dreimal täglich weniger Autos vor den Schulen in der Georg-Leinfelder-Straße zu zählen, auf ein altes Sprichwort: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr." Sprich: Zwergel will die Eltern verstärkt in die Verantwortung nehmen: "Eltern müssen selber ein gutes Beispiel für Kinder sein."

Auf die konkrete Situation in der vielbefahrenen Straße sieht Zwergel das so: "Wenn die Kinder von Mama im Kindersitz angeschnallt bis vor die Schule gebracht werden und dort auch noch falsch geparkt wird, lernen die Kinder das richtige Verhalten im Straßenverkehr nicht." Denn genau das ist für den Verkehrserzieher in Uniform der Knackpunkt. Bereits im frühen Kinderalter würden die Kleinen die ersten wichtigen Erfahrungen machen. Auch im Straßenverkehr. Da sei es wichtig, dass die Eltern die Wege in den Kindergarten oder die Schule schon früh trainierten. Dazu gehöre es auch, die Kinder jeden Tag ein wenig mehr selbst machen zu lassen. Zwergel: "Kinder müssen selber aktiv am Straßenverkehr teilnehmen."

Darum ist das Ziel für Zwergel auch ganz klar: "Wir müssen das zu Fuß zur Schule kommen wieder mehr stärken." Viele Kinder könnten leicht zu Fuß zur Schule gehen, auch das Fahrrad oder die öffentlichen Verkehrsmittel seien durchaus Alternativen zum elterlichen Chauffeursdienst, ist sich Zwergel sicher.

Und noch ein gutes Argument hat Zwergel ausgemacht, um die Eltern von seinem Vorhaben zu überzeugen. Immer wieder werde sich über zu viel Autoverkehr in Schrobenhausen beschwert, hat Zwergel festgestellt. Dabei würde aber oft übersehen, dass vor allem die Eltern, die sich auch darüber beklagten, zum Anstieg des Verkehrsaufkommens beitrügen, indem sie ihre Kinder selber zur Schule führen. So werde das Verkehrsaufkommen in Schrobenhausen nicht verringert, zeigt sich Zwergel überzeugt.

Es werde ein langer und schwieriger Weg, die Eltern von diesem Vorhaben zu überzeugen, ahnt Zwergel schon heute. Versuchen will er es dennoch und setzt dabei auch auf die Unterstützung aus dem politischen Raum. Zusammen mit Martha Schwarzbauer (SPD), Verkehrsreferentin des Schrobenhausener Stadtrates, möchte Zwergel das Thema angehen.

Für Schwarzbauer liegt ein Grund, warum viele Kinder mit dem Auto in die Schule gebracht werden, in der sogenannten Überbehütung: "Diese Eltern werden auch als Helikoptereltern bezeichnet." Dabei weist Schwarzbauer auch auf Alternativen zum Elterntaxi hin: "In den meisten Fällen würde es auch anders gehen, jedes Grundschulkind hat die Möglichkeit zur Benutzung des Schulbusses, wenn die Wegstrecke zur Schule länger ist als zwei Kilometer." Für Drei Linden gebe es eine Sonderregelung wegen der Gefährlichkeit der Strecke.

Doch für Schwarzbauer überwiegen die Vorteile dessen, was sie und Zwergel vorhaben. "Wer nur mit dem Elterntaxi fährt, weiß im Straßenverkehr nicht Bescheid." Wie Zwergel sieht auch Schwarzbauer, dass Kinder sicheres und bewusstes Verkehrsverhalten trainierten, wenn sie selbstständig zur Schule gingen. Auch das soziale Verhalten werde geübt, Kinder bauten Freundschaften zu anderen Kindern auf. Schwarzbauer: "Zu Fuß oder mit dem Radl zur Schule fördert die Fitness der Kinder." Und der unnötige Autoverkehr mache den Schulweg für andere Kinder gefährlicher als er ohne sei.

Wie Zwergel sieht auch Schwarzbauer Probleme bei der Überzeugungsarbeit: "Trotz dieser positiven Effekte sind die Helikoptereltern schwer für ein anderes Verhalten zu motivieren." Trotzdem will sich Schwarzbauer nicht entmutigen lassen und setzt auf die im Sommer zusammen mit Polizei und Verkehrswacht geplante Aktion, damit die Kinder motiviert werden, nicht mehr das Elterntaxi zu benutzen.