Schrobenhausen: Mit dem Kinder-Kompass Natur erleben
Anita Egle ist am Ziel: Die Übersetzerin legt ihren "Kinder-Kompass" vor, eine begeisternde Einführung in die Natur. - Foto: Mayer
Schrobenhausen

Hinter dem "Kinder-Kompass" steckt eine Umweltinitiative mit 60-jähriger Tradition. Die drei Autorinnen Louise Joachimsson, Karin Källström und Siw Linde haben im Jahre 2002 ihr "Barnens Kompass" vorgelegt, in dem auf nur 40 Seiten mit glänzendem pädagogischen Geschick die Grundlagen des Lebens erklärt werden. Was an dem kleinen Werk mit seinen bunten Zeichnungen besticht, sind zahlreiche Anregungen für Eltern und Erzieher, wie man einen Spaziergang in der Natur mit einfachen Mitteln abwechslungsreich gestalten kann. Komplexe Vorgänge wie "Chlorophyll" oder abstrakte Begriffe wie die Erdanziehung werden anschaulich und kindgerecht erklärt. Nach Anita Egles ersten Erfahrungen "stoßen hier auch Erwachsene wieder auf Vieles, was ihnen nicht mehr geläufig war."

Die Übersetzerin ist in der Öffentlichkeit sehr wohl bekannt. Anita Egle lebt seit 1972 in Schrobenhausen, gab zeitweise Englischkurse in der Volkshochschule, arbeitete aber vornehmlich für die Industrie. Für das Schrobenhausener Ytong-Werk - der Konzern stammt ja aus Schweden - übersetzte sie viele Jahre aus dem Schwedischen ins Deutsche, und in der Bauer AG war sie für Bedienungsanleitungen der Maschinen in englischer Sprache tätig. Ihre Qualifikation erwarb sie mit einem Abitur in Deutsch, mit einem Dolmetscher-Studium an der Universität Graz und weiteren Abschlüssen.

Bei aller Kompetenz - die Übertragung eines Textes von einer Sprache in die andere hat eigene Gesetze, vor allem wenn Fachbegriffe ins Spiel kommen. Eine Wort-für-Wort-Übersetzung kann leicht einmal am Sinn vorbeilaufen. Um es an einem Beispiel zu sagen: Ein schwedischer Begriff, für den sich zuerst das Wort "Haltbarkeit" aufdrängte, wird im Deutschen erst als "Nachhaltigkeit" richtig verstanden. Am Ende geht auch der versierteste Übersetzer noch einmal auf Nummer sicher, Muttersprachler nahmen sich den Text noch einmal vor. "Ich habe Theo Rosendorfer und Georg Riedinger um Prüfung gebeten. Sie haben nicht nur die Sprache kontrolliert, sie brachten auch fachlich noch Hilfreiches ins Spiel."

Für den nun übersetzten "Kinder-Kompass" brachte Anita Egle nicht nur Sprachkenntnisse mit, sondern auch ihre tiefe Liebe zur Natur. Ihr größtes Anliegen ist über das Buch hinaus ein grundlegendes Verständnis in der Sache. "Kinder müssen draußen sein!" fordert sie. Nur dann bekommen sie ein waches Bewusstsein, die Kleinen und Kleinsten müssten selber erfahren, was Erde und Natur bedeuten. Mehrfach veranstaltete Anita Egle - lang bevor die Übersetzung des Buches fertig war - einen Waldgang mit vier- bis siebenjährigen Kindern, erst im Freundeskreis, dann mit Kindergärten.

Die grafische Fassung des "Kinder-Kompass" entspricht dem Original. Anita Egle ist eigens nach Schweden gefahren, um gemeinsam mit einem Mediendesigner den deutschen Text ins Grundlayout einzufügen. Zuvor wurde das Werk schon in Englisch, Japanisch und Russisch veröffentlicht, eine chinesische Ausgabe wird vorbereitet. Anita Egle hat die kleine Startauflage als privates Projekt finanziert. Der "Kinder-Kompass" ist in digitaler Technik hergestellt, sodass jederzeit ein schneller Nachdruck möglich ist. Das Büchlein ist in der Buchhandlung an der Stadtmauer erhältlich und kostet zehn Euro.