Schrobenhausen: Mit Stäbchen essen und schmatzen
So sieht Unterricht in China aus: Stefan Wüst, Elternbeiratsvorsitzender der Schrobenhausener Knabenrealschule, fotografierte die Szene bei einem ersten Besuch in Zhuzhou. - Foto: Stefan Wüst
Schrobenhausen

Vor Rektorin Christine Gradwohl liegt der in englischer Sprache abgefasste Partnerschaftsvertrag, den sie bereits bei einer Kennenlerntour nach China in Zhuzhou (sprich: Tschutscho) unterzeichnet hat. Damit gehört die Schrobenhausener Knabenrealschule laut Gradwohl zu den ersten Schulen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, die eine chinesische Partnerschule haben.

Zustande gekommen sei der Austausch eigentlich durch Zufall, wie Gradwohl erzählt. Das Goethe-Institut in Peking habe bei Schulen nach Interessenten für eine solche Partnerschaft gefragt. Gradwohl sagte zu, drei Lehrer bewarben sich bei ihr für das Austauschprogramm und Veronika Dengler bekam den Zuschlag.

Die Lehrerin ist noch ganz begeistert von ihrem ersten Chinabesuch. "Ich habe gesehen, wie die Schüler dort lernen müssen, welcher Zug dahintersteckt und welche Disziplin", sagt Dengler. Aber sie hat auch gesehen, dass sich das pädagogische Konzept in China deutlich von dem in Deutschland favorisierten unterscheidet. "Die experimentieren dort überhaupt nicht", erinnert sich Dengler. In deutschen Schulen sei das in den Fächern Physik und Chemie undenkbar. Das zu sehen und auch einmal zu erleben, sei bestimmt für deutsche Schüler sehr interessant.

An die denkt auch Elternbeiratsvorsitzender Stefan Wüst. Für ihn ist der angestrebte Austausch mit der Fremdsprachenschule in Zhuzhou etwas, was den heutigen Realschülern in der Zukunft sehr dienlich sein könnte. Schließlich gehöre China schon heute zu den führenden Wirtschaftsmächten in der Welt, sagt Wüst: "Viele deutsche Firmen produzieren schon ausschließlich in China und vertreiben ihre Waren nur noch von Deutschland aus." Auf diese wirtschaftliche Realität könnten sich die Realschüler nicht früh genug einstellen.

Derzeit bereitet Veronika Dengler den anstehenden Schüleraustausch mit Zhuzhou vor. In einer sogenannten China-AG würden die dortigen Sitten und Gebräuche eingeübt: Essen mit Stäbchen ("Sonst verhungert man in China.") oder genüssliches Schmatzen beim Essen ("Das gehört dort zum guten Ton."). Die 14 Schüler aus der achten und neunten Jahrgangsstufe der Schrobenhausener Knabenrealschule werden voraussichtlich im Oktober nach China fliegen. Ein teurer Spaß für die Eltern, denn bis zu 1500 Euro wird die zweiwöchige Reise ins Austauschland kosten.

In Zhuzhou werden die Schrobenhausener Realschüler am Unterricht in der Partnerschule teilnehmen, alte chinesische Traditionen wie Knotenknüpfen und Scherenschnitt kennenlernen. Aber auch für die touristischen und kulturellen Höhepunkte wie die Chinesische Mauer oder die Verbotene Stadt in Peking soll Zeit bleiben. Sogar das Bauer-Werk in Shanghai wollen die Realschüler besuchen.

Zuvor, im Juli, steht der Besuch von 16 chinesischen Schülern nebst zwei Begleitlehrern in Schrobenhausen an. Das Programm soll ähnlich gelagert sein, wie das der deutschen Schüler in Fernost. Selbstverständlich sollen die jungen Chinesen dabei Schloss Neuschwanstein kennenlernen. Gradwohl: "Daran führt kein Weg vorbei."

Alle zwei Jahre soll ein Schüleraustausch zwischen China und Oberbayern stattfinden, schließlich liege Zhuzhou nicht gerade um die Ecke, wie Gradwohl es etwas locker formuliert. Aber sie lässt keinen Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Projekts: "Ich möchte Nachhaltigkeit, solange wir Schüler finden, machen wir das."