Schrobenhausen: Internet im Unterricht
Über die Digitalisierung an Schulen diskutierten André Ponndorf, Dominik Hausner und Frank Puschner (v.l.) mit Dorothee Bär und den Schülerinnen Frederike Suermann, Carina Morscher und Carmen Lehmer. - Foto: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Schrobenhausen

Angefangen hatte alles im Frühjahr des vergangenen Jahres. Zwei Maria-Ward-Schülerinnen initiierten eine Projektwoche zum Thema Handygebrauch. Eine Woche lang zeichnete die "App Menthal" die verwendete Zeit des Smartphones der Schülerinnen sowie die meist genutzten Apps - natürlich anonym - auf. Dorothee Bär fand das Projekt spannend; es wurde auf die gesamte Schule von der sechsten bis zur zehnten Jahrgangsstufe ausgeweitet. "Wenn man sich den reinen Durchschnitt der Handynutzung ansieht, so kommen wir in allen Altersstufen auf etwa drei Stunden pro Tag, die eine Schülerin ihr Smartphone verwendet", berichtete Informatiker und IT-Lehrer Dominik Hausner. Eine Zahl, die mit anderen Forschungsergebnissen wie der JIM-Studie 2016 des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest ziemlich übereinstimme und sicherlich auf zahlreiche andere Schulen übertragbar sei.

"Spannend werden die Daten jedoch, wenn man einzelne Schülerinnen, wie die mit der geringsten und häufigsten Handynutzung vergleicht", so Hausner weiter, "dann haben wir Schülerinnen, die ihr Smartphone maximal 20 Minuten verwenden und welche, bei denen es über zehn Stunden pro Tag sind - und das unter der Woche." Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich diese Werte von den Elf- bis zu den 16-Jährigen kaum verändern. "Es gibt also in allen Altersstufen Jugendliche, die ihr Handy extrem viel verwenden und manche kaum", schlussfolgert Hausner. Ein interessanter Fakt, den gängige Studien kaum beschreiben.

Aber wie nun sinnvoll mit dem Smartphone in der Schule umgehen? "Unser Ziel ist weiterhin, die Entwicklung nicht nur negativ zu sehen, sondern diese aufzugreifen und die Schülerinnen zu einem sinnvollen Umgang mit dem Smartphone zu erziehen", so der stellvertretende Schulleiter Frank Puschner, "und wenn es mittlerweile Apps wie €šPhotoMath €˜ gibt, bei denen man eine Matheaufgabe nur abfotografieren muss und schon erhält man das Ergebnis, dann muss halt ich meinen Mathematikunterricht dementsprechend umstellen."

Aber auch zahlreiche weitere Projekte fanden den Gefallen von Dorothee Bär, mit denen die Maria-Ward-Realschule Schrobenhausen im Bereich der Digitalisierung Pionierarbeit auch für andere Schulen leistet. "Etwas komisch war es schon, Prüfungen und Tests nur noch digital am eigenen Handy zu bearbeiten", erzählte die Schülerin Carmen Lehmer. Die 15-Jährige aus Peutenhausen nahm mit ihrer Klasse 9 a an einem Projekt in Zusammenarbeit der Maria-Ward-Realschule mit der Universität Passau teil, Tests in digitaler Form am eigenen Smartphone abzuhalten. Mittels speziell entwickelter Socrative-Software und Apps können klassische Tests in allen Fächern komplett webbasiert erstellt, abgehalten und auch ein Stück weit automatisiert korrigiert werden. "Es handelt sich um ein wissenschaftliches Experiment", betont Dominik Hausner, "gerade bei offenen Antworten muss jede Prüfung in jedem Fall nochmals einzeln nachkorrigiert werden - rein aus rechtlichen Gründen". Dies fand auch das Interesse von Dorothee Bär, die auch Vorsitzende des CSUnet-Arbeitskreises ist. Denn es gibt momentan keine Rechtssicherheit bei digitalen Prüfungen an bayerischen Schulen. Ein neues Phänomen, das keine Schulordnung bisher thematisiert. "Das bayerische Kultusministerium toleriert diese Entwicklung", erläuterte Hausner, "im Gespräch mit den Ministerialbeauftragten für Realschulen und Gymnasien des Bezirks Niederbayern wurden wir jedoch auch auf die rechtliche Grauzone hingewiesen." Hier bestehe in jedem Fall Handlungsbedarf, um die bayerischen Schulen fit für die digitale Zukunft zu machen. Die drängendste Frage: Kann man bei Tests am Smartphone leichter spicken? "Naja", grinste Carmen, "uns ist da gleich was eingefallen." Der Lehrer habe ja nur die Kontrolle über das Wlan.

Wenn man aber geschickt heimlich Screenshots mache, könne das dem Lehrer nicht so schnell auffallen. "Da arbeiten wir noch dran", lachte Hausner. Carmen Lehmer präsentierte stellvertretend für ihre Klasse aber auch noch ein weiteres Novum der digitalen Schule. Über einen Zeitraum von ein paar Wochen hinweg führte die Französischlehrerin der Klasse den Unterricht experimentell komplett digital durch - per Videokonferenz über Skype.

"Am Beginn jeder Stunde haben wir die Kamera und das Mikrofon vor die Klasse gestellt und Frau Ardelean wurde auf das Smartboard projiziert", erläuterte Carmen der aufmerksamen Staatssekretärin, "auch sämtliche Arbeitsmaterialien wurden digital zur Verfügung gestellt, bearbeitet und korrigiert." Eine echte Lehrkraft kann so natürlich nicht ersetzt werden, betonte Puschner, aber kurzfristig Aushilfen schaffen, könne man so schon. Weiter gab er zu bedenken: "Auch hier war eine strenge rechtliche Absicherung notwendig." So musste zur Aufsicht immer eine weitere Lehrkraft mit im Klassenzimmer sein und eine zusätzliche Französischlehrerin überwachte den individuellen Lernfortschritt der Schülerinnen. "Wir wollen den Mädchen ja etwas Gutes tun und mit eLearning im Schulalltag experimentieren", so Puschner weiter, "in keinem Fall darf der Lernprozess hier vernachlässigt werden."