Dieses Bein tippt: Die getriebenen, schwungvollen und teils staccatoartig gehaltene Spielweise machte vor den Gliedmaßen Swans keinen Halt und ließ sie unentwegt mitsteppen. - Foto: Krause
Schrobenhausen
Dabei geizte Swan nicht mit ihren Reizen: Ihr Bühnenoutfit, eine Mischung aus Winter- und Baskenmütze, dazu schwarz-weiße Hochglanz-Pumps, begleitete den Auftritt in modischer Hinsicht schonmal originell. Großen Trubel ließen die vier Musiker bei ihrem Auftritt nicht aufkommen, das Programm wurde ohne große Einwürfe durchgespielt.

Elf-Songs-Konzert

Astrid Swan, Niko Votkin, Lauri Eloranta und Arvi Hasu spielten eine knappe Stunde lang Songs vom aktuellen Tonträger Swans. "Better than wages" heißt das dritte Album der Finnin, die mit bürgerlichem Namen Joubeno heißt.

Elf Songs schafften es dabei auf die Bühne. Mit "Your Bitches" stieg Swan und ihre Drunk Lovers ein – ohne ein Wort zu sagen betraten sie die Bretter, spielten drauf los. Bis auf "On the road" präsentierten die vier nur Tracks des aktuellen Albums.

Bald sind sich etliche derer, die fünf Euro für die Eintrittskarte investiert haben, einig: "Die Leute wissen nicht was sie verpassen", so wird es getuschelt. Vorne an der Bühne stehen drei oder vier Besucher, tanzen, tippeln mit, im Takt der schwarz-weißen Hochglanz-Pumps, die den abwechslungsreichen Beats, dem markant klaren Gesang Swans und dem mal forcierten, dann rockigen und schrammigen Gitarrensound Elorantas den Takt vorzugeben scheinen.

Das funktioniert auch bei "Status update": Synthie, Gitarre und ein energisches, monotones Schlagzeug setzen gemeinsam ein. Dann ersetzt Swans Stimme den Synthie, sie singt vom Zeitalter multimedialer Kommunikationsmöglichkeiten und Onlinecommunities, die das Leben durch die Offenlegung der Privatsphäre fremdsteuern, eine Art selffulfilling prophecy beherbergen.

Swan und ihre Bandkollegen, die zum Teil ähnlich flippig gekleidet sind (Bassist Arvi Hasus weiß-schwarz-braun gestreifte Hose, Eloranta und Votkin mit Melone) wollen den Gästen einheizen, macht es den Anschein. "You have to dance. Will you" bittet Swan ihr Publikum. "Sure" entgegnen einige und tanzen noch etwas ausgelassener vor der Bühne.

Eine Zugabe

Gegen Ende der knappen Konzertstunde leitet Swan einen Song mal wieder minimalistisch ein: "This is a song about Finland" sagt sie zu "Finland in november". Mit einem langsamen, trägen Schlagzeug und darauf abgestimmtem, gleichmäßigen Pianospiel beginnt der Song – trist. Swan vergleicht einige umliegende europäische Hauptstädte, lässt Klischees poetisch einfließen, zeigt schöne Seiten auf. Doch was sie denkt, haucht sie später gefühlvoll heraus: "Finland in November" – "you scare me, you bore me" und doch ergibt sich eine Ode an die Heimat.

Die gefühlvollen, musikalisch meist ausgereiften und kreativen Songs blieben nicht ohne Wirkung. Am Ende wünschte sich das Publikum eine Zugabe: "Goodbye Goodnigh", namentlich passend. Ein Stück, in dem Gitarre und Piano gemeinsam in einem versöhnlichen Viervierteltakt zum Höhepunkt ansetzen. Als Astrid Swan und The Drunk Lovers ein zweites Mal auf die Bühne geklatscht werden, gibt’s anstelle einer weiteren Zugaben eine Verbeugung. Sie sagt: "This was our best show, the audience is great."