Schrobenhausen: Das soziale Netz vergrößert
Seit fast zwei Jahren leben Asylbewerber in Hohenwart in diesem Haus. - Fotos: M. Schalk; Tamm; Staimer
Schrobenhausen

 

SILVIA STARK

 

Hohenwart: Sehr schön finde ich, dass wir jetzt drei neue Helfer haben. Im Schnitt sind es etwa 27 oder 28 Leute, die in unserem Helferkreis mitmachen. Insgesamt 48 Asylbewerber leben derzeit in Hohenwart, darunter zwei Familien sowie 36 junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Streit gibt es unter ihnen kaum, im Großen und Ganzen vertragen sie sich.

Vor allem unsere Familien sind außerordentlich gut integriert, die Kinder haben Freunde, die sie besuchen, und von denen sie auch mal eingeladen werden. Und auch die Erwachsenen haben bereits Freundschaften geschlossen, sind beispielsweise auch beim Mutter-Kind-Turnen dabei. Die Asylbewerber engagieren sich auch in der Gemeinde, haben zum Beispiel beim Volksfest- oder Pfarrfestaufbau geholfen. Auch beim Ramadama waren fast alle Männer mit dabei. Dass ich als Frau nicht akzeptiert werde, kann ich nicht behaupten. Und wenn aus irgendeinem Grund mal eine Zurechtweisung nötig ist, nehme ich den Bürgermeister mit.

Mittlerweile können einige der Asylbewerber, die bereits seit zwei Jahren in unserer Gemeinde leben, schon recht gut Deutsch sprechen. Die nehme ich dann gern als Übersetzer mit. Von Anfang an läuft bei uns ein Deutschkurs, dreimal pro Woche wird unterrichtet. Allerdings sind wir dringend auf der Suche nach weiteren Deutschlehrern. Auch weitere Arbeitsstellen bräuchten wir. Acht Männer sind derzeit in Arbeit, einer geht zur Berufsschule. Unter unseren neuen Asylbewerbern gibt es einige mit gutem Bildungsstand, studierte Rechtswissenschaftler oder Mathematiklehrer, die sich richtig reinhängen, um unsere Sprache zu erlernen. Allerdings gibt es natürlich auch andere, darunter auch einige Analphabeten, die sich nicht so leicht tun.

Zwar sind viele von uns im Helferkreis schon leicht an der Grenze, trotzdem haben wir noch mehr vor, wollen die Leute zum Beispiel zum Sport bringen. Neben der Unterstützung für Asylbewerber haben wir unsere Hilfe übrigens auch auf andere sozial schwache Bürger ausgedehnt, unser Netz sozusagen vergrößert. So habe ich zum Beispiel Spenden bei der Tafel abgegeben.

 

 

CHRISTA FROSCHMEIR

 

Karlskron: Gut läuft's. Bei uns leben 18 Asylbewerber, darunter auch afghanische und syrische Pärchen sowie vier alleinstehenden Herren. Es passt bei ihnen auch untereinander. Streit gab es noch nie. Wir haben das Glück, dass auch die neunköpfige Familie, die bei uns lebt, sehr offen ist, auch die Eltern. Zum Beispiel machen sie beim Sport mit, beim Boxen etwa, ein Mädel macht Fitness. Und auch bezüglich der Verständigung haben wir Riesenglück, weil der älteste Sohn der Familie sehr gut Englisch spricht, mittlerweile klappt auch schon vieles auf Deutsch.

Trotzdem kommt es manchmal zu Missverständnissen, etwa wenn die Asylbewerber etwas tun, das sie gar nicht böse meinen. Beispielsweise ärgerten sich einmal Leute darüber, dass die Asylbewerber den Hof gewaschen haben. Das sei Wasserverschwendung, sagten sie. Uns im Helferkreis liegt in solchen Fällen sehr daran, frühzeitig gegenzusteuern, dass das alles so normal wie möglich läuft. Von negativer Stimmung im Ort bekomme ich manchmal schon etwas mit. Einiges, das manche Medien negativ darstellen, wird halt einfach nachgeplappert. Wer das alles bezahlen soll, etwa - die üblichen Sprüche eben.

Momentan sind wir im Helferkreis gut aufgestellt, beispielsweise hilft Sieglinde Gschwendtner viel, ist so etwas wie mein Sprachrohr gegenüber der Gemeinde. Wenn noch mehr Flüchtlinge kommen, wird's jedoch schwierig, vor allem, weil jetzt eine wichtige Helferin ausscheidet. Ich engagiere mich, denn, wenn ich in deren Lage wäre, würde ich genauso wie die Flüchtlinge handeln, würde eventuell auch meine Söhne schicken. Man muss den Leuten helfen, das gehört sich einfach. Und wenn das Zusammenleben funktioniert, ist auch der soziale Friede gewährleistet. Auch wenn größere Einheiten leichter zu organisieren sind, beispielsweise weniger Personal erfordern, bin ich nach wie vor der Meinung, dass kleinere Einheiten besser sind. Vor allem menschenwürdiger.