Sie stehen hinter Tamara Marko (vorne), die an Blutbkrebs erkrankt ist und wollen ihr mit einer Typisierungsaktion helfen einen Lebensretter zu finden: (v.l.) Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan, Schwester Tina Marko, Alexander Paulus, Mutter Yvonne Marko und Laura Riedlinger von der DKMS.
Spindler, J�¼rgen, Schrobenhausen
Schrobenhausen

"Ich konnte plötzlich nicht mehr stehen", erinnert sich die heute 20-jährige Tamara Marko an die ersten Anzeichen der heimtückischen Krankheit, die sie seit Anfang 2015 fest in ihrem tödlichen Griff hat. Tamara, damals 17 Jahre alt, lernte gerade den Beruf der zahnmedizinischen Fachgehilfin in einer Schrobenhausener Praxis. Beim Gehen musste sie sich immer irgendwo festhalten. Erst hatte sie an eine Erkältung gedacht, doch als ihre Mutter Yvonne Marko die gelbunterlaufenen Augen von Tamara gesehen hat, war klar, dass es mehr als nur ein Schnupfen sein musste. Im Schrobenhausener Krankenhaus wurde auf das Pfeiffer'sche Drüsenfieber getippt, doch für eine genaue Diagnose wurde Tamara in die Uniklinik in Großhadern überwiesen. Dort wurde schnell deutlich, was wirklich in Tamaras Körper wütete - der Blutkrebs.

Bis dahin hat Tamara liebend gerne Volleyball gespielt. Ist wie viele andere in ihrem Alter gerne ausgegangen, hat sich mit Freunden getroffen. Alles hörte von einem auf den anderen Tag schlagartig auf. Tamara wurde ins Haunersche Kinderspital in München eingewiesen. Und das hat sie bis heute nicht wirklich dauerhaft verlassen. Denn die Hoffnung im Sommer 2015, der Krebs sei besiegt, wurde durch eine Kontrolluntersuchung zunichtegemacht. Wieder musste sie sich Chemotherapien unterziehen. Und im Sommer dieses Jahres ein erneuter Rückschlag: Der Blutkrebs ist nur durch eine Knochenmarkspende zu besiegen.

"Man ist so fassungslos und hilflos und möchte trotzdem irgendwas tun", sagt Tamaras Schwester Tina Marko. Die 25-Jährige hat zusammen mit ihrem Freund Alexander Paulus eine Idee: Sie wollen einen Knochenmarkspender für Tamara finden. Darum organisieren die beiden eine großangelegte Typisierungsaktion, die am Samstag, 4. November, von 12 bis 17 Uhr in der Michael-Sommer-Mittelschule stattfindet. "Das ist das Einzige, was wir für Tamara tun können", sagt Alexander Paulus.

Einen Verbündeten haben sie in Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan gefunden. Er unterstützt die Aktion als Schirmherr, hat versprochen, im Rathaus die Werbetrommel für freiwillige Helfer und Spender zu rühren. Außerdem übernimmt Stephan für jeden 17-Jährigen, der sich am 4. November typisieren lässt, die dafür anfallenden Kosten in Höhe von 35 Euro.

Die bezahlt eigentlich der andere Verbündete, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), wie Laura Riedlinger sagt. Sie betreut für die gemeinnützige DKMS den Fall von Tamara Marko. Die Untersuchung jedes Freiwilligen, der sich typisieren lässt, kostet rund 35 Euro. Die erhält die DKMS über Spender. Wer sich typisieren lässt, darf eine Geldspende abgeben, muss es aber nicht. Viel wichtiger ist der Wangenschleimhautabstrich, der im Labor analysiert wird, um einen genetischen Zwilling für Tamara Marko zu finden. Ihre Geschwister wurden bereits getestet und kommen leider nicht infrage. Wenn, so Riedlinger, der Genzwilling gefunden ist, können ihm relativ problemlos Stammzellen abgenommen werden. Diese Knochenmarkspende bekommt Tamara dann. Und alle um sie herum hoffen, dass die Behandlung endlich Erfolg hat.

Laura Riedlinger ist zuversichtlich. Schließlich finde lediglich jeder siebte Blutkrebspatient keinen passenden Knochenmarkspender. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sechs von sieben Blutkrebserkrankten auf einen passenden Spender hoffen können. Bei der DKMS seien inzwischen rund 7,6 Millionen Typisierte registriert. Alleine 2269 Schrobenhausener sind darunter. Und von denen, so Riedlinger weiter, gaben auch schon 27 Menschen ihre Knochenmarkspende für Blutkrebspatienten. Riedlinger lobt mit Blick auf diese Zahlen die Schrobenhausener: "Das ist ganz ordentlich."

Tamara steht die nächste Chemotherapie bevor und sie setzt ihre Hoffnungen auf die Typisierungsaktion, denn sie will einfach nur in ihr altes Leben als junge Frau zurück. Sie möchte wieder arbeiten gehen: "Die warten dort auf mich." Auch das Volleyball spielen vermisst sie. Und mit ihrem Hund, ihrem geliebten Labradoodle, möchte sie wieder ausgelassen herumtollen können.

EIN WANGENABSTRICH REICHT

Alle Hoffnungen auf ein Überleben von Tamara Marko ruhen auf möglichst vielen Freiwilligen, die sich am Samstag, 4. November, von 12 bis 17 Uhr, in der Schrobenhausener Michael-Sommer-Mittelschule als Knochenmarkspender typisieren lassen. Wer zur Aktion kommt, muss laut Laura Riedlinger von der DKMS, dann eine Einverständniserklärung abgeben. Voraussetzung ist, dass die Spender zwischen 17 und 55 Jahren alt sind, nicht unter 50 Kilogramm wiegen, einen Bodymaßindex von 40 nicht überschreiten und keine chronischen oder Autoimmunkrankheiten aufweisen. Am 4. November wird ein Wangenschleimhautabstrich mit einem Wattestäbchen gemacht, der in einem Speziallabor untersucht wird. Das dauert etwa vier Wochen. Wird so ein Spender für Tamara Marko gefunden, muss der sich einem Eingriff unterziehen, bei dem die Stammzellen entnommen werden. Wer die Typisierungsaktion unterstützen möchte, kann Spenden auf das Konto IBAN DE12 7205 0101 0030 3429 27 unter dem Stichwort Tamara einzahlen. Wer bei der Typisierungsaktion mithelfen möchte, schreibt eine E-Mail an hilfe_fuer_tamara@markoonline.de. | jsp