Eher nicht so, wie eine stichprobenartige Umfrage unter im Stadtrat vertretenen Parteien zeigt. Die Zahl der Zuwächse ist bei der Orts-SPD trotz des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz überschaubar, ein einziges neues Mitglied kam gerade dazu. "Die Dynamik ist auf dem Land deutlich geringer als in den Städten, infolge der Großen Koalition gab es bei uns auch kaum Austritte", berichtet Vorsitzender Robert Huber, der den Schwung durch Martin Schulz aber sehr wohlwollend wahrnimmt. "Das Grinsen von einem Ohr bis zum anderen will gar nicht mehr aufhören", sagt er angesichts des Wahlergebnisses vom Sonntag, immer noch verblüfft und begeistert kopfschüttelnd.

"Es gibt immer wieder Fluktuationen, aber die Entwicklung ist vergleichbar mit den letzten Jahren", beschreibt zum Beispiel Peter Banzhaf, der neue Ortsvorsitzende der CSU in Schrobenhausen, die Situation, sprich: alles wie immer. Mit zurzeit 160 Mitgliedern ist der Ortsverband der Christlich Sozialen Union mit Abstand die stärkste politische Vereinigung der Stadt. Sie besitzt damit fast doppelt so viele Mitglieder wie die Stadt-SPD, die Freien Wähler haben zurzeit rund 30 aktive Anhänger.

Ist es eigentlich schwierig, Parteimitglied zu werden? "Ein Eintrittsverfahren bei einer Partei läuft bei jeder Partei ziemlich ähnlich ab", sagt Robert Huber, der Vorsitzende der örtlichen SPD. Grundsätzlich könne man entweder über einen örtlichen Kontakt oder ganz einfach über einen Antrag im Internet eintreten.

"Die CSU versucht, durch eine sehr moderne Website, gerade um junge Menschen zu werben", berichtet Banzhaf. Er wolle in seiner Eigenschaft als Vorsitzender auch versuchen, die Junge Union in Schrobenhausen wiederzubeleben, und mögliche Interessenten gebe es bereits.

Bei den Freien Wählern in Schrobenhausen ist es sogar umgekehrt: Da gab es zuletzt sogar einige Austritte, wie der Vorsitzende, Harald Reisner, nüchtern feststellt. Die Freien Wähler beschränken sich auf die klassischen Parteiwerbemethoden, um an neue Mitglieder zu kommen, vor allem den persönlichen Kontakt. Die Freien Wähler haben zwar bundesweit inzwischen den Status einer Kleinpartei, in Schrobenhausen sind sie nach wie vor eine Wählergemeinschaft.

Bei der SPD versucht man, auch durch Veranstaltungen mit interessanten Gästen Einblicke in die Parteiarbeit zu ermöglichen. Und: "Mitgliederbefragungen sind gerade in der deutschen Sozialdemokratie ein wichtiger Bestandteil", betont Robert Huber. Ein aktuelles Beispiel hat er auch: Bei der Wahl des bayerischen Landesvorsitzenden können erstmals alle Mitglieder mitreden. Solche Angebote seien unverzichtbar, um ein aktives Parteileben weiterhin zu garantieren, findet Huber. "Auch die CSU unterstützt innerparteiliche Demokratie", setzt Peter Banzhaf dem entgegen. Und auch die Freien Wähler versuchen, die Leute einzubinden, betont Reisner.

Welche Rolle spielt denn der Ortsvorsitzende in dem Gefüge? Da sind sich die drei relativ einig: Er ist eine Art Moderator, der das vorhandene Wissen in der Partei zu bündeln hat und alles organisiert. Aber auch bei der Frage, wie die Partei im Wahlkampf auftritt, hat der Vorsitzende natürlich ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Vorbereitungen für die Bundestagswahl, bei der heuer ja auch die Freien Wähler wieder antreten, laufen bereits an.

Beim Schulz-Effekt geht es aber nicht nur darum, dass sich wieder mehr Menschen für Politik interessieren, es geht auch um Werte und Überzeugungen. "Die Grundwerte der CSU sind in den drei Buchstaben beschrieben", sagt Peter Banzhaf, der sich da sehr leicht tut: "nämlich christlich und sozial." Das Christliche beziehe sich dabei nicht nur auf den Glauben, sondern betone den Willen zur Gemeinsamkeit. "Wir Freien Wähler stehen konservativ neben der CSU", definiert Harald Reisner die Ausrichtung seiner Gruppierung, und bei der Formulierung ist schon ein Augenzwinkern dabei. Wo die SPD steht, muss Robert Huber nicht näher definieren. Was er zurzeit als sehr positiv wahrnimmt, ist die Stimmung der Repolitisierung in Deutschland. Und er ist sicher, dass die Dynamik gerade in seiner Partei auf alle Fälle bis zur Wahl im September anhält.

Peter Banzhaf beurteilt das so: "Wie weit die Stärkung der SPD geht, ist abzuwarten." Die Menschen in Bayern würden schon wissen, welche Partei das Land in der Vergangenheit jahrzehntelang positiv geprägt habe.