Schrobenhausen: Internationaler Fußballspaß
Foto: Klaus Toll
Schrobenhausen

Leidenschaftlich geht es am Samstag auf dem Schrobenhausener Sportgelände zu. Und weil sich irgendwann bei vielen Teams der Ehrgeiz durchsetzt, auch manchmal ein bisschen hitzig. Nicht aber in einem solchen Ausmaß, dass sich die Dinge am Ende nicht doch durch ein Handshake oder im persönlichen Gespräch klären lassen. Das Fazit der Veranstalter fällt somit auch nach der zweiten Auflage der Veranstaltung positiv aus: "In Summe haben wir wieder genau das erreicht, was wir wollten: dass die verschiedenen Leute aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen, um locker Fußball zu spielen und sich auch darüber hinaus anzunähern", sagt Joachim Siegl vom Verein Offene Türen.

Doch der Reihe nach: Denn die Nacht vor dem Turnier haben Siegl und seine Kollegen zunächst noch damit verbracht, den Spielplan zu ändern. Nicht weil - wie bei anderen Freizeitturnieren so häufig der Fall - Teams kurzfristig abgesagt hätten, sondern weil sich das Teilnehmerfeld einen Tag vor dem Turnier sogar von 16 auf 18 Mannschaften erhöht. Knapp 150 Fußballer (und Fußballerinnen) aus mehr als zehn Nationen kämpfen somit am Samstag um den von Richard Ripley gestalteten Pokal. Insgesamt tummeln sich den ganzen Tag über mehr als 200 Menschen auf dem Schrobenhausener Sportgelände.

Darunter auch Karlheinz Stephan, der das Team Stadtrat in diesem Jahr höchstpersönlich aufs Feld führt. "Man glaubt gar nicht, wie lange acht Minuten sein können", schnauft der Bürgermeister nach dem Abpfiff, gibt aber schon in der nächsten Partie wieder eine engagierte und souveräne Figur ab. Fast wäre Stephan im zweiten Spiel sogar das entscheidende 1:0 gelungen. "Ich möchte betonen, dass der Herr Bürgermeister gegen mich kein Tor erzielt hat", lacht Reinhold Hautmann, der im Kasten des Offene-Türen-Teams steht. Gegen die Jungspunde von der SPD schaffen Karlheinz Stephan, Günther Schalk, Harry Reisner, Josef Plöckl und Co. dagegen einen 2:0-Erfolg. Keine leichte Aufgabe für Toni Bayerstorfer, sich bei dieser Konstellation für ein Team zu entscheiden. Später bilden er, Martha Schwarzbauer und Jakob Mahl gemeinsam den Fanclub des Stadtrats. "Schön, dass sich ein paar Vertreter der Stadt Zeit genommen und sogar aktiv mitgewirkt haben", sagt Franz Stoß vom Jugendzentrum. Im Viertelfinale ist dann aber dennoch Schluss. Die SPD dagegen kommt sogar noch eine Runde weiter.

Anderen kreativen Mannschaften - wie Rat Pack St. Pauli, De Wirtsleid, Balkan Mix, Team Afghan oder FC Ay Yildiz - bleibt dieser Erfolg verwehrt. Doch es hätte den Sinn des Turniers verfehlt, wenn sie sich länger und vor allem ernsthaft darüber ärgern würden. Es geht schließlich vor allem um das Miteinander, um den bunten Mix aus Kulturen und Sprachen, der das Schrobenhausener Sportgelände am Samstag bereichert.

Ehrgeiziger sind die Mannschaften, die weiter kommen. Und ja, neben einigen Kickern, die in Sachen Fitness und Technik noch ein wenig Nachholbedarf haben, gibt es vor allem in dieser Turnierphase einige vielversprechende Talente zu bestaunen. Zum Beispiel im Team der Außenwohngruppe Neuburg, der AWS Stars, das sich nach sehenswerten Auftritten und einem 1:0-Finalerfolg den Turniersieg holt. Die ambitionierten Wanderers - eine Mischung aus Vereinsspielern aus dem Schrobenhausener Raum - müssen damit ihren Pokal abgeben. Sie sind am Ende faire Verlierer und müssen außerdem schon am Nachmittag - wie alle Anwesenden - einen Schockmoment verkraften: Im Zweikampf verletzt sich einer ihrer Spieler so schwer am Bein, dass er sogar vom Notarzt abtransportiert werden musste.

"Natürlich sind solche Szenen, das Letzte, was man sehen möchte. Leider passieren sie gerade bei Freizeitturnieren immer wieder", sagt Franz Stoß ein bisschen traurig. Es ist nicht wegzuleugnen, dass der Zwischenfall am Samstagnachmittag ein bisschen die Stimmung trübt. Am guten Grundgedanken kann aber auch das nichts ändern: Kulturaustausch durch Fußball, mitten im bunten Schrobenhausen, möge bitteschön auch im nächsten Jahr wieder in dieser Form stattfinden.