Video: Kennen Sie Ruppertszell

Der Ort, an den uns unsere heutige Reise führt, ist vielleicht nicht jedem unserer Leser bekannt, gerade, wenn er nicht tief im Süden des Altlandkreises Schrobenhausen lebt: Ruppertszell. Gut versteckt liegt das Dorf im sogenannten Holzland, das - außer bei Wanderern - ebenfalls keinen überregionalen Bekanntheitsgrad haben dürfte. Ruppertszell musste 1972 aufgrund der Gebietsreform von Oberbayern nach Schwaben wechseln, was einige bis heute nicht akzeptieren wollen. Eine Zuordnung zum Landkreis Pfaffenhofen, also nach Gerolsbach, wäre einigen sicherlich lieber gewesen. Doch bereits 1971 war Ruppertszell nach Schiltberg eingemeindet worden.
 

Eigentlich: Kennen Sie . . . Ruppertszell?
Hans Kröninger zeigt Besuchern in Ruppertszell gerne (Fotos ganz oben, v. l.) das alte Pfarrhaus, die Kirche und die schönen Bauernhäuser. - Fotos: Fuhrmann
Ruppertszell

Zufahrten gibt es über das Gerolsbacher Gemeindegebiet bei Junkenhofen oder eben über Weilach und Schiltberg. Schon bei der Anfahrt merkt man, dass es hier recht hügelig ist. Deshalb ist Ruppertszell auch außerhalb des Landkreises Aichach-Friedberg als Wandergebiet bekannt. Nicht nur am traditionellen Wandertag des heimischen Vereines, der alljährlich am zweiten Juniwochenende stattfindet, sondern ganzjährig können Natur- und Fitnessfreunde hier einen anspruchsvollen Rundkurs einschlagen - reichlich Höhenmeter inklusive. "Die Leute kommen von weit her, sogar aus Augsburg oder auch mal aus München", erklärt uns unser heutiger Begleiter Hans Kröninger. Im Internet finden sich auf Wanderportalen, die sich sonst eher mit dem Voralpenland oder dem Allgäu befassen, detaillierte Routenbeschreibungen, sogar Hinweise auf ein alpines Flair.

Das Streifen durch die dichten Wälder dürfte heutzutage wohl den wenigstens einen Schrecken einjagen. Früher dagegen waren die "Holzlanden" geradezu sagenumwoben und man vermied es vor allem zur Allerheiligenzeit, sich hier in der Dämmerung noch aufzuhalten.

Aber man sollte natürlich nicht nur um Ruppertszell herumwandern, sondern sich in aller Ruhe diesen wunderschönen Ort anschauen. Fangen wir mit der nun fertig renovierten Pfarrkirche Sankt Michael an. Bereits im zwölften Jahrhundert wurde diese erstmals erwähnt, wobei vom damaligen Gotteshaus heute wohl nur noch der Kern besteht. Auf dem Kirchturm prangt seit vielen Jahrhunderten golden das Scheyrer Kreuz.

Ist die Kirche von außen eher schlicht anzusehen, so ändert sich das Bild beim Betreten des Gebäudes. Der opulente Marienaltar und ein bemerkenswertes Lesepult sind keineswegs alltäglich. Wöchentlich gibt es hier Gottesdienste.

Rechts neben der Kirchenmauer befindet sich ein ebenfalls erst vor Kurzem renoviertes und unter Denkmalschutz stehendes Kriegerdenkmal. Ganz sind hier die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, der Vorplatz des Denkmals sieht noch etwas provisorisch aus. Aber auch das soll sich bald ändern.

Links neben der Kirche findet sich ein weiteres Highlight des Ortes: Ein hübsches und sehr gepflegtes Bauernhaus rundet das Gesamtbild des Kirchplatzes ab. "Der jetzige Besitzer verbringt viel Zeit damit, das Haus in Schuss zu halten", verrät uns unser Gastgeber. Gleich hinter dem Haus gibt es übrigens die ersten Hinweisschilder auf den heimischen Wanderweg.

Doch wir bleiben im Ort, denn wer das Pfarrhaus nicht gesehen hat, der hat auch Ruppertszell nicht gesehen. Wer den alten Verbindungsweg zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus nicht einschlagen will, kann auch zurück zur Hauptstraße und dann ein Stück nach rechts laufen. Märchenhaft steht das Haus, umgeben von Obstbäumen, Sträuchern und einem von Frühjahr bis Herbst reichlich gefüllten Gemüse- und Kräutergarten, an der Birglbacher Straße. Selbst am Haus ranken sich Obstspaliere empor, an denen sich die Hausherren quasi vom Fenster aus reife Früchte pflücken können. Beim weiteren Spaziergang entdeckt man noch einige weitere hübsche Anwesen.

Auf die Frage nach der Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz antwortet Kröninger schmunzelnd: "Wir können nicht klagen. Wer kann schon von seinem Dorf behaupten, dass es eine Direktverbindung nach Augsburg und München gibt? Alles ohne Umsteigen, versteht sich!" Tatsächlich bringt ein Bus täglich zahlreiche Ruppertszeller in die Landeshauptstadt und in die Bezirkshauptstadt. Kröninger hat selbst jahrelang den Weg nach München eingeschlagen. Als Fluggerätemechaniker pendelte er täglich. "Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe", sagt der rüstige Ruheständler. "Jetzt bleibt einfach mehr Zeit für Radfahren, Joggen oder auch Wandern." Und auch der Garten will gepflegt sein, denn das Haus der Kröningers soll natürlich ebenfalls seinen Beitrag zum Erscheinungsbild von Ruppertszell beitragen. Und es bleibt auch noch genug Zeit, die Vereinskultur zu pflegen. Denn mit dem Trachtenverein, der freiwilligen Feuerwehr, dem Wanderverein und dem immer noch aktiven Stopselverein hat der Ort so einiges zu bieten.

 

Mit dieser Folge beschließen wir das Jahr 2017 und machen eine kurze Pause. Aber auch im nächsten Jahr gilt es natürlich wieder, interessante Ortschaften zu entdecken.