Pöttmes: Gespräch belebt Glauben
Ein Teil des Organisationsteams: Kaplan Helmut Epp (von links), Lorena Schmuttermeier, Helmut Specht, Ulrike Steger und Pfarrer Thomas Rein. Nicht auf dem Bild sind die Mitorganisatoren Cilli Reichart und Matthias Heinrich. - Foto: Specht
Pöttmes

Die Idee ist jung, wie ihre Zielgruppe. Das Institut für Neuevangelisierung des Bistums Augsburg ist ihr Urheber und versteht sich als die Antwort auf die zuletzt von Papst Franziskus geforderte "Neuevangelisierung" Europas - die Anpassung des christlichen Selbstverständnisses an die Anforderungen einer modernen, globalisierten Welt. Mit Hilfe der sogenannten "missionarischen Wochen" soll genau das bewerkstelligt werden. Und zwar von jungen Menschen. Einmal im Jahr findet eine dieser Wochen im Bistum Augsburg statt, heuer zum vierten Mal.

Augsburgs Weihbischof Florian Wörner definiert die missionarischen Wochen als Möglichkeit, den "Grundwasserspiegel des Glaubens" in den Pfarreien "wieder ansteigen" zu lassen. Jungen Menschen soll sie die christliche Lebensgestaltung und Spiritualität näher bringen. In diesem Jahr findet die missionarische Woche in der Pfarreiengemeinschaft Pöttmes statt.

In allen acht Pfarreien der Gemeinschaft werden rund 40 junge Gläubige in Gastfamilien wohnen. Sie kommen aus dem ganzen Bistum, aber auch aus Pöttmes. "Heuer ist sogar eine Französin dabei", erzählen Pfarrer Thomas Rein und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Specht. Ab Samstag, 17. Februar, werden die jungen Missionare von Haus zu Haus ziehen. Dort suchen sie in Zweiergruppen das persönliche Gespräch. "Mit der missionarischen Woche haben wir einen neuen Weg eingeschlagen, wie man auf den Glauben aufmerksam machen kann", meint Thomas Rein. Helmut Specht stimmt ihm zu: "Jeder Mensch ist, trotz der beruflichen und gesellschaftlichen Belastung von heute, genauso harmoniebedürftig wie eh und je", meint er.

Diese Harmonie herzustellen ist das Ziel der 40 Missionare. "Die Leute wollen allerdings weder Geld sammeln noch irgendjemanden von ihrem Glauben überzeugen", wirft Thomas Rein ein. Wichtig sei die Begegnung, die Zeit, die man sich für seine Mitmenschen nimmt.

Wer diese Mitmenschen hinter den für viele Missionare fremden Türen der Pfarreiengemeinschaft sind, wissen sie freilich nicht. Da gibt es diejenigen, die sich zu Hause einsam fühlen und über ein Gespräch freuen genauso wie jene, die kein Interesse an einem Gespräch haben oder Menschen anderen Glaubens.

"Hier ist auch ein interreligiöser Dialog möglich", meint Thomas Rein. Dass besonders junge Leute sich dafür interessieren, gefällt den beiden. Die jungen Gläubigen, die in der Woche durch Pöttmes und die umliegenden Ortsteile laufen, sind etwa zwischen 18 und 25 Jahre alt. "Unter ihnen sind Studenten, Seminaristen oder Leute, die ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren", erklärt Rein. Den Löwenanteil machen allerdings die "Basicals" aus. Das Basical ist ein christliches Orientierungsjahr, in dessen Verlauf die Teilnehmer dem Glauben näher kommen und Zeit für sich und ihre persönliche Entfaltung haben sollen. Dafür sollen theologische und anthropologische Studien genauso wie ein Aufenthalt in Jerusalem und diverse Projekte und Praktika sorgen. Und eben auch die Teilnahme an der missionarischen Woche, die nicht nur aus Hausbesuchen besteht. Auch ein breites Rahmenprogramm erwartet die Teilnehmer und alle Interessierten aus Pöttmes und Umgebung.

Der Londoner Musiker Edwin Fawcett wird die ganze Woche anwesend sein, und in offenen Chorproben im Pöttmeser Trachtenstüberl einen Projektchor leiten. Am Dienstag, 20. Februar, tritt er in der Pizzeria "Da Vinci" in Pöttmes zum "Music and Talk"-Abend auf. Ein Pfarrfamilienabend am Freitag, 23. Februar, sowie ein Jugendabend unter dem Motto "Reinheitsgebot mit Freibier" am Montag, 19. Februar, vervollständigen das Programm, das insbesondere durch die Podiumsdiskussion mit fünf Fachreferenten zum Thema "Kirche und Sex" am Mittwoch, 21. Februar, im Pöttmeser Kultursaal moderne Fragen der Vereinbarkeit von Kirche und Gesellschaft thematisieren soll.

Besonders gespannt blicken Thomas Rein und Helmut Specht allerdings dem Abend der Versöhnung am Samstag, 24. Februar, in St. Peter und Paul entgegen. "Das ist keine Messe", erklärt Pfarrer Thomas Rein. Viel mehr solle der Abend die Möglichkeit bieten, ungezwungen in der Pöttmeser Pfarrkirche zu verweilen. "Man kann zehn Minuten vorbeischauen oder zwei Stunden, Musik lauschen oder still andächtig sein", ergänzt Helmut Specht. An diesem Abend wie auch am Sonntag, dem letzten Tag der Woche, wird auch Weihbischof Florian Wörner zu Gast sein.