Seine Kritik richte sich, wie Postel bei der Hauptversammlung des Kreisverbandes in Wolnzach betonte, nicht an die Adresse des Pflegepersonals und der Ärzte, die ihren Dienst „unter widrigsten Voraussetzungen“ meistern würden. Im Visier hatte er vor allem die Klinikleitung.

Postel sprach von einer „Pseudokinderabteilung“ an der Ilmtalklinik, die der Öffentlichkeit vorgegaukelt werde, obgleich es sie nicht gebe und es sich um eingemietete Kinderärzte handle. Dass es in Pfaffenhofen weitere zwei Kinderärzte gebe, falle in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unter den Tisch. Kopfschütteln bei den FDP-Mitgliedern löst das andauernde Hickhack um die geplante Kinderstation aus. Die derzeit im Raum stehende Fünf-Betten-Lösung bezeichnete Postel als „funktionsunfähig“, zumal man noch nicht einmal einen „normalen“ Radiologen in der Klinik angestellt habe, geschweige denn einen dann notwendigen Kinderradiologen. Nach Ansicht Postels wären bis zu 25 Leute an Fachpersonal notwendig, und man müsste dafür schon eine halbe Million Euro in die Hand nehmen. Die „große Lösung“ mit 30 Betten koste ebenfalls Geld und wäre bei komplexen Krankheiten wieder nur ein „Zwischenlager“ für die Kinder, bevor sie in andere Kliniken verlegt würden, glaubt der FDP-Chef: „So eine Lösung ist nicht nachvollziehbar und mir versorgungstechnisch und finanziell ein zu großes Abenteuer“, sagte Postel. Eine Realisierungschance sehe er nur, wenn man sich „politisch für diese Abteilung“ ausspreche – egal, was es dann koste.

Keinen Glauben schenken die Liberalen dem von der Ilmtalklinik veröffentlichten Zufriedenheitswert von 99 Prozent. Bei der Versammlung war die Rede von „sozialistischen“ Ergebnissen, die der tatsächlichen Wahrnehmung widersprächen.

In die Schusslinie des FDP-Kreisvorsitzenden geriet immer wieder die Klinikleitung, unter anderem auch wegen des häufigen Personalwechsels. So fragte sich Postel, warum in Mainburg zwei Chefärzte und alleine im vergangenen Jahr fünf Assistenzärzte die Ilmtalklinik „fast fluchtartig“ verlassen hätten. „Wenn so viel Fluktuation im Personal ist, ist etwas falsch in der Führung“, mutmaßte der FDP-Kreischef.

Postel monierte, dass in den Nachtstunden ein Radiologe an der Klinik fehle und warf die Frage auf, wie es sich ein Basiskrankenhaus leisten könne, keine hundertprozentige Erstversorgung zu bieten – denn die Röntgenbilder würden im Notfall erst zur Ferndiagnose nach München geschickt. Mittlerweile sei es sogar schon so weit, dass Ärzte aus dem Landkreis ihre Patienten nicht mehr nach Pfaffenhofen schickten, weil die Zahl der Fehldiagnosen zu hoch sei, sagte Postel.

Ein Dorn im Auge ist dem FDP-Kreisvorsitzenden auch der Leerstand einer ganzen Abteilung seit einem Jahr: „Dem Traumprojekt Kinderklinik musste die Abteilung Kurzzeitpflege weichen.“ Die Klinikleitung habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt, bedauerte Postel.

Einstimmig beschlossen wurde von den Versammlungsteilnehmern im Zusammenhang mit der Ilmtalklinik ein zwölf Punkte umfassender Forderungskatalog an die Adresse des Kreistages. Unter anderem heißt es darin, dass die Klinik wieder ihre Aufgabe als Basis- und Erstversorgungskrankenhaus erfüllen müsse – und erst, wenn die angestammten Leistungen wieder in vollem Umfang erbracht würden, könne über eine Kinderabteilung nachgedacht werden.

Der FDP-Kreisverband fordert weiter, dass die Klinik wieder über eine eigene Radiologie verfügen müsse, die auch in den Nachtstunden mit einem Facharzt besetzt sei. Bei der Einbeziehung von Facharztpraxen in grundlegende Tätigkeiten der Klinik müssten diese Praxen in das Qualitätsmanagement des Krankenhauses eingebunden werden. Auf der Zwölf-Punkte-Liste der FDP steht unter anderem auch die Forderung nach einem unabhängigen Qualitätsmanagement und einer unabhängigen externen Patientenbefragung. Eine Verstärkung für das Personal sei ebenso notwendig wie eine Verbesserung der Parkplatzsituation, die kostenlose Bereitstellung von WLAN in allen Abteilungen und die Einführung eines Shuttledienstes für die Angehörigen von Patienten, die im Klinikum Ingolstadt behandelt werden müssen. Die Eingangshalle sollte laut FDP wieder die Funktion eines repräsentativen Empfangsraumes erfüllen – und dafür müsse speziell ausgebildetes Personal eingestellt werden.