Freitag, 12.03.2010 |

 

20.11.2009 19:48 Uhr | 35x gelesen
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Partei mit Höhen und Tiefen


Bild: Partei mit Höhen und Tiefen .  Schrobenhausen (oh) Die SPD Schrobenhausen wird 90. Die Partei erlebte Höhen und Tiefen. In der Nachkriegszeit war Schrobenhausen jahrzehntelang rot regiert, unter den Bürgermeistern Stocker und Schnell.

Schrobenhausen (oh) Die SPD Schrobenhausen wird 90. Die Partei erlebte Höhen und Tiefen. In der Nachkriegszeit war Schrobenhausen jahrzehntelang rot regiert, unter den Bürgermeistern Stocker und Schnell.



Bild: Bürgermeister Fritz Stocker wurde von den Amerikanern zum Bürgermeister ernannt, bevor er von den Schrobenhausenern dazu gewählt wurde.
Die Geschichte des SPD-Ortsvereins Schrobenhausen lässt sich nur mit Schwierigkeiten rekonstruieren. Schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit vor 1920 sind verloren gegangen. Der SPD-Stadtrat Andreas Pletschacher, der bereits 1920 dem SPD-Ortsverein Schrobenhausen beigetreten war, konnte sich erinnern, dass es schon 1912 Sozialdemokraten in Schrobenhausen gegeben hat.

Bei den Landtagswahlen vom 12. Januar 1919 war die SPD in Schrobenhausen und Mühlried die stärkste, in Steingriff die zweitstärkste Partei hinter der BVP geworden. Am 25. Januar 1919 erschien im Schrobenhausener Wochenblatt eine Anzeige über eine SPD-Mitgliederversammlung. Eine Erklärung zum Arbeiter- und Bauernrat ("Ortsgruppe Schrobenhausen") wurde am 3. April 1919 veröffentlicht – dies ist erste zurzeit bekannte Erwähnung einer SPD-Ortsgruppe in Schrobenhausen, und damit der Stichtag für eine Geburtstagsfeier.

In den folgenden Jahren schlief der "Sozialdemokratische Verein Schrobenhausen" allerdings erst einmal wieder ein. Die verheerende Inflation, die es der reinen Arbeiterpartei unmöglich machte, weiterhin die Mitgliedsbeiträge zu erheben, trug wohl dazu bei, aber auch politische Wirren.

Erst nach der Einführung der Rentenmark und dem Wahlerfolg der SPD in Schrobenhausen bei den Gemeindewahlen vom 7. Dezember 1924 ging es wieder aufwärts. Die Arbeiterpartei bekam 736, der Wahlvorschlag "Leinfelder" 756 Stimmen. Für die SPD zogen August Vogl, Hans Groß, Josef Kneißl, Lorenz Kramer, Georg Schlund und Ludwig Danner in den Gemeinderat ein.

Die Arbeit der Partei bestand damals im Wesentlichen darin, durch Referate und Volksversammlungen die Bürger politisch zu aktivieren. Volksversammlungen waren in einer Zeit, in der Massenmedien noch nicht die Bedeutung hatten wie heute, oft die einzige Möglichkeit, die Bevölkerung zu erreichen. Deshalb waren sie auch meistens außerordentlich gut besucht. Nach einem Referat von Stadtrat Gasteiger aus München im März 1926 traten zum Beispiel 27 neue Mitglieder der Partei bei.

"Herzog Max"

Zusätzlich zu den regelmäßigen Parteiversammlungen im Vereinslokal "Herzog-Max" wurden vor allem in engster Zusammenarbeit mit den freien Gewerkschaften Großveranstaltungen und Maifeiern organisiert. Die Zusammenarbeit von Gewerkschaft und SPD war schon wegen der oft identischen Funktionärsschicht ausgezeichnet. So war der Vorsitzende des Gewerkschaftskartells Vogl zunächst auch der von der SPD gestellte zweite Bürgermeister.

Ende 1927 hatte der Ortsverein schon 60 Mitglieder. Danach brachte im Herbst 1929 die von Amerika ausgehende Weltwirtschaftskrise auch die deutsche Wirtschaft ins Wanken. Die Arbeitslosenzahlen stiegen bedenklich. Die Lage der arbeitenden Bevölkerung und somit auch die der Sozialdemokraten verschlechterte sich zusehends. Versammlungen wurden zunehmend auch in Schrobenhausen von Nationalsozialisten oder Kommunisten gestört, Teile der Mitgliedschaft, auch aus der Funktionärsschicht, wanderten zu den Nationalsozialisten ab.

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl vom 3. August 1932 führte auch in Schrobenhausen zu einem Anschwellen des Stimmenanteils für die NSDAP. Nach der BVP mit 822, der NSDAP mit 522 wurde die SPD mit 401 Stimmen in Schrobenhausen die drittstärkste Partei. Am 30. Oktober 1932 fand wieder eine Reichstagswahl statt. Das Ergebnis in Schrobenhausen lautete 742 für die BVP, 465 für die NSDAP, 393 für die SPD, 343 Stimmen für die KPD.

Am 27. Februar 1933 wurde der Reichstag in Berlin vermutlich von Nationalsozialisten angezündet, das Verbrechen den Kommunisten angelastet. Gleich am nächsten Tag wurde die "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat" erlassen, die die Grundrechte außer Kraft setzte. Gleichzeitig setzte eine Verhaftungswelle ein, der neben Mitglieder der KPD auch zahlreiche Sozialdemokraten zum Opfer fielen. Bei den kurz darauf folgenden Reichstagswahlen erreichte die NSDAP 288 Mandate und bildete mit den Deutschnationalen eine Regierung. Am 23. März 1933 nahm der Reichstag gegen die 120 sozialdemokratischen Stimmen das "Ermächtigungsgesetz" an, das der Regierung Hitlers schrankenlose Gesetzgebungsmöglichkeiten einräumte. Das Parlament hatte sich somit selbst ausgeschaltet, der Weg für Hitler stand offen.

Der SPD-Parteivorstand mit dem Vorsitzenden Otto Wels, der als einziger eine aufsehenerregende Rede gegen das Ermächtigungsgesetz gehalten hatte, ging Ende Mai in Exil. Viele Abgeordnete wurden ins KZ verschleppt, begingen Selbstmord oder wurden ermordet. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD durch die NSDAP verboten, ihr Vermögen beschlagnahmt und eingezogen.

Ehrenamt untersagt

Am 23. März 1933 erhielten die sozialdemokratischen Stadträte in Schrobenhausen (Georg Schlund, Friedrich Stocker, Johann Wanner, Johann Götz) ein Schreiben von Bürgermeister Geßner, das ihnen die Ausübung ihres Ehrenamtes als Stadtrat untersagte. Im April 1933 wurden Fritz Stocker, Hans Götz, Hans Gloner, Joseph Bayerl und weitere Sozialdemokraten verhaftet. Die Geschichte nahm ihren Lauf, das Tausendjährige Reich wurde aufgebaut und nach knapp zwölf Jahren besiegt – nach einem Weltkrieg und vielen Millionen Toten.

Am 17. Dezember 1945 versammelten sich "nach zwölfjähriger Naziherrschaft und Unterdrückung im Stieglbräu mehrere Männer mit unserem altbewährten Genossen Stocker und derzeitigen Bürgermeister, um die hiesige Sektion wieder neu zu gründen", wie ein alten Akten nachzulesen ist. Bereits wenige Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner Ende April 1945 war der damalige Fabrikarbeiter Fritz Stocker von seinem Arbeitsplatz in der Donaumühle zum Bürgermeister der Stadt und kommissarischen Landrat berufen worden.

Die Gemeindewahlen vom 27. Januar 1946 brachten zunächst – zumindest in Schrobenhausen – den Sieg für die SPD, denn wie nach dem Ersten Weltkrieg scharten sich die Wähler um die Sozialdemokratie. Die SPD hatte 1459 Stimmen (sieben Sitze), die CSU 933 Stimmen (fünf Sitze) und die KPD 167 Stimmen (keinen Sitz). In den Stadtrat zogen für die SPD ein: Hans Freundl jun., Andreas Pletschacher, Benno Preß, Johann Merthan und Joseph Vottner. Fritz Stocker wurde zum ersten Bürgermeister gewählt.

Die Arbeit der SPD in den folgenden Jahren war von den Fragen der Wohnungsnot, des Flüchtlingsproblems und anfänglich auch des Schwarzhandels geprägt. Sozialdemokraten haben tatkräftig geholfen, die soziale Notlage zu lindern und zu beheben. Beispielhaft dafür ist Käthe Wieselsberger, die am 2. März 1947 anregte, in Schrobenhausen eine Arbeiterwohlfahrt einzuführen und die die nächsten 30 Jahre in ihrem Dienst stand.

Stockers Wirken

Bürgermeister Stocker machte sich besonders die Lösung der Wohnungsnot zur Lebensaufgabe. Die Stadt sorgte für den Ankauf von Grundstücken, die sie an Bauwillige preisgünstig weitergab. In den Jahren 1950 bis 1954 übernahm sie die Bauträgerschaft für den ersten bis fünften Bauabschnitt der Siedlung "Auf der Platte" mit einem Gesamtkostenaufwand von 817 000 Mark.

1956 sprach sich Karl Sedlmeir, der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende, außerdem für die zügige Verwirklichung eines neuen Kanalisationssystems, den Bau eines Schwimmbades, die Beseitigung der Schulraumnot und die Modernisierung der alten Schulen sowie für die Anlage und Befestigung der Straßen und Wege in den Außenvierteln der Stadt aus.

Schließlich setzten sich die Sozialdemokraten 1956 für die Modernisierung der Straßenbeleuchtung, die Errichtung eines zweckmäßigen Feuerwehrhauses, den Ausbau der Spiel- und Sportplätze, die Sicherung der Wasserversorgung und die Regulierung der Paar ein. 1956 wurde die SPD erneut stärkste Fraktion. Einen überwältigenden Vertrauensbeweis konnte erster Bürgermeister Fritz Stock für sich buchen: Mit 4267 von 4675 Stimmen wurde er in seinem Amt bestätigt.

1961 löste Andreas Riedelsheimer Benno Preß als ersten Vorsitzenden ab. Auch 1966 genoss Stocker das Vertrauen der Schrobenhausener. Er wurde mit 93,43 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Dagegen verlor die SPD ihre Mehrheit im Stadtrat. Sie verfügte nun über sechs, die CSU über sieben Sitze. Am 31. Mai 1967 trat Stocker aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt zurück; er starb am 15. August 1967 im Alter von 73 Jahren.

Um das Bürgermeisteramt bewarben sich nun für die SPD Stadtrat Albert Schnell, für die CSU (zusammen mit der Gesamtdeutschen Partei/BHE) Stadtrat Hans Heisele. Schnell gewann die Wahl am 20. August 1967 mit 58,26 Prozent der Stimmen.

Gebietsreform

Nach der Eingemeindung von Steingriff und Mühlried Ende der Siebzigerjahre gingen deren Ortsvereine in die Schrobenhausener SPD auf. Die Kommunalwahlen im Jahr 1972 stärkten erneut die CSU-Fraktion. Die SPD musste sich mit neun Mandaten begnügen, die CSU konnte ihre Mehrheit auf 13 Sitze ausbauen. Bei den Bürgermeisterwahlen im Jahre 1973 wurde trotz des Mehrheitswechsels im Stadtrat Albert Schnell bestätigt. Unter Schnell wurde 1974 ein neues Hauptschulgebäude eingeweiht, die Kanalisation der Stadt machte weiterhin Fortschritte.

Am 6. Januar 1974 stellte sich der Vorsitzende Andreas Riedelsheimer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Nachfolger wurde Walter Krug, der sein Amt kurz darauf aus beruflichen Gründen niederlegen musste. Als Nachfolger wurde Günther Rief 1975 gewählt, der zehn Jahre später von Ulrike Manz, der ersten Vorsitzenden der Schrobenhausener SPD, abgelöst wurde. Sie war auch 1990 die erste Frau, die sich in Schrobenhausen für das Amt des Bürgermeisters bewarb, aber schaffte es nicht. Die SPD gewann mit nunmehr sieben Mandaten einen Sitz hinzu. Helmut Eikam wurde zweiter Bürgermeister und blieb es bis 1996.

1995 wurde Ulrike Manz von Toni Müller als Vorsitzendem abgelöst. 2001 wurde wiederum eine Frau zur Vorsitzenden gewählt, und zwar Anne De Wachter. Bei den Wahlen 2002 und 2008 verliert die Stadtratsfraktion jeweils einen Sitz.

2007 löste Godehard Herzberger Anne De Wachter ab, wiederum zwei Jahre später folgte ihm Robert Huber.

Von der DK-Redaktion


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