Neuburg: Sternstunden in Sicht
Biréli Lagréne tritt am Freitag im Birdland auf - Foto: Anthony Anex
Neuburg

n Freitag: Die Kombination Biréli Lagrêne und Jermaine Landsberger zeichnete im Hofapothekenkeller bereits für eine Reihe von Sternstunden verantwortlich. Seit gut 15 Jahren realisieren die beiden virtuosen Instrumentalisten in unterschiedlichsten Kontexten ihre musikalischen Visionen zwischen Modern Jazz, Funkiness, lyrischen Balladen, energiegeladenem Blues, Eigenkompositionen und Songs des großen Django Reinhardt. Lagrêne, dieser wieselflinke Elsässer an der Gitarre, hat längst seinen Wunderkindstatus abgelegt und trachtet nicht mehr danach, um jeden Preis neue Techniken, andere, bislang ungespielte Grifffolgen erfinden zu müssen. "Zwar ist er nach wie vor ein unglaublich fingerfertiger Derwisch, aber nie einer, der sich zum billigen Jakob an der Klampfe degradiert", schreiben die Organisatoren. Das genetisch bedingte, unnachahmliche Gipsy-Feeling lässt den erwachsenen Biréli Lagrêne heute jeden Seiltanz der Extreme absolut gefahrlos überstehen. In Landsberger hat er längst einen ebenbürtigen Partner gefunden. Beide suchen sich und bugsieren einander in einem Wirbel voller Licks, Zitate und hinreißender Alleingänge unentwegt in andere Richtungen. Im Verein mit dem Bassisten Joel Locher und dem Schlagzeuger Andreas Neubauer entsteht ein atemberaubendes, berauschendes Notenelixier, dem sich niemand entziehen kann.

n Samstag: Er zählt zu den interessantesten deutschen Jazzpianisten. Sein Spiel wechselt zwischen freier Improvisation, Neuer Musik und europäischer Klassik, lehnt sich stark an Herbie Nichols an und passt schlichtweg in keine Kategorie. Nicht zuletzt deshalb bekam Achim Kaufmann in diesem Jahr den Albert-Mangelsdorff-Preis verliehen, der angesehenste und höchstdotierte deutsche Jazzpreis. Wenn der 53-jährige, in Berlin lebende Pianist die Klaviatur bedient, dann geschieht dies auf eine ganz und gar unerwartete Weise: Er lässt die Melodien anmutig tanzen, auf Zehenspitzen. Es sind die minimalen Verschiebungen, die den großen Unterschied zu anderen Kollegen ausmachen. Kaufmann nimmt sich eine Freiheit, die mit Free Jazz nichts zu tun hat, die er sich aber vielleicht gerade im Free Jazz erwarb. Der naheliegenden Phrase aus dem Weg zu gehen, jede Akkordfolge zu hinterfragen, jede Note fernab aller Regeln erst einmal atmen zu lassen. Der Rhythmus des Atems schließlich bestimmt die Musik, die er mit einer schlagzeuglosen Band, bestehend aus lauter Vertrauten, wie dem abenteuerlustigen Gitarristen Andreas Willers und dem Saxofonisten/Klarinettisten Frank Gratkowski, dem Trompeter Axel Dörner und dem Bassisten Wilbert de Joode nun auch im Hofapothekenkeller präsentiert. Ein spannendes Hörbuch ohne Worte.

Karten kann man sich telefonisch unter der Nummer (0 84 31) 4 12 33, per Fax (0 84 31) 4 63 87, per E-Mail an reservierung@birdland.de oder ab 19.30 Uhr an der Abendkasse sichern.