Karlshuld: Die Spendensammlerin im Rollstuhl
Ein Herz und eine Seele: Lisa und Wolfgang Ultes teilen die Begeisterung für den FCI. Die geht bei Lisa so weit, dass sie sich nur Trikots der Ingolstädter Spieler schenken lässt – andere müssen damit rechnen, bei ihr abzublitzen - Foto: Hammerl
Karlshuld

Heute machen sich die beiden wieder auf den Weg mit dem FCI-Fanclub „Schanzer Rollis“. Es geht nach Fürth, das erhöht das Spendenkonto nicht so stark wie zum Beispiel eine Auswärtsfahrt nach Braunschweig. Denn die Sponsoren zahlen pro Kilometer, den Lisa im Fanclub-Bus zurücklegt, einen Euro. Damit soll eine Fahrt zum letzten Auswärtsspiel des FCI in Kaiserslautern finanziert werden. Eine Busfahrt für junge Menschen mit Handicap.

Für junge Menschen wie Lisa, die aufgrund eines Geburtsfehlers schwer pflegebedürftig ist. Was ihrer Unternehmungslust aber keinen Abbruch tut. Während Wolfgang Ultes von den Erlebnissen während ihrer bisherigen Touren berichtet, leuchten ihre Augen. Meistens jedenfalls, denn ab und an funkeln sie auch unwillig auf, wenn sie nicht ganz mit dem einverstanden ist, was ihr Vater da so von sich gibt. Dann hebt die 19-Jährige auch ihren Arm und Mutter Karin schlägt vor, Lisa solle doch ihren Talker benutzen und sich am Gespräch beteiligen. Das tut sie mit Engagement, als die Rede auf ihre Lieblingsspieler kommt. „Mein Lukas“, sagt sie stolz. Für Torjäger Lukas Hinterseer schwärmt Lisa besonders. Doch nicht nur er, die meisten Spieler des FCI sind gute Freunde von Lisa, wovon die zahlreichen Trikots zeugen, die sie als treuer Fan geschenkt bekommen hat.

Seit 2010 sind die junge Karlshulderin und ihr Vater Mitglied des Fanclubs und seitdem begeisterte Stadiongänger. Dauerkarten für die Heimspiele sind selbstverständlich. „Früher war ich gar kein Stadiongänger“, sagt Wolfgang Ultes. Einmal wollte er sich mit Lisa zusammen ein FC-Bayern-Testspiel anschauen, doch dann hatte sie kurzfristig keine Lust mehr. Das ist längst anders geworden. Mit den Schanzer Rollis begleiten die beiden ihre Mannschaft nun auch zu Auswärtsspielen. Sieben von neun haben sie in der Hinrunde gesehen, nur nach Hamburg zum FC St. Pauli und nach Düsseldorf war es Vater und Tochter zu weit. „350 Kilometer traue ich dir zu“, sagt Ultes. Fünf bis sechs Auswärtsspiele und entsprechende Kilometer sollen noch hinzukommen bis zum Abschlussspiel. Das Ziel sind 5700 Kilometer. Ein Busunternehmen aus Greding hat sich auf einen Eintrag in einem sozialen Netzwerk hin bereits spontan bei der Familie Ultes gemeldet und angekündigt, kostenlos einen Bus für die Fahrt nach Kaiserslautern am Sonntag, 24. Mai, bereitzustellen.

Nur einen Wermutstropfen gibt es: Inzwischen hat der Initiator erfahren, dass er im Fritz-Walter-Stadion auf dem legendären Betzenberg nur zehn Plätze für Rollstuhlfahrer bekommen wird – mehr seien nicht verfügbar. Das erschwert die Vergabe natürlich. Mitfahren sollen Kinder der Ingolstädter Johann-Nepomuk-von-Kurz-Schule für Körperbehinderte und vom Caritaszentrum St. Vinzenz, das auch Lisa besucht – noch. Nach der Schule wäre eine Ausbildung in einem Büro der Traum für die junge Frau und ihre Eltern. Leicht wird das nicht, denn Lisa ist an den Rollstuhl gefesselt. Dank Computer aber kann sie kommunizieren, und das tut sie eifrig auch in sozialen Netzwerken.

Der 150 Kilogramm schwere Rollstuhl muss immer mit, auch auf die Busfahrten. Wenn der große Tag gekommen ist, wird den Teilnehmern neben Fahrt und Eintritt auch eine Brotzeit unterwegs geboten. Lisa strahlt, und ihre Mutter verrät, dass sie „mindestens drei bis vier Wiener verdrücken wird“. Neben den Jugendlichen aus den genannten Einrichtungen werden auch Familien aus dem persönlichen Bekanntenkreis mitfahren, freut sich Wolfgang Ultes, der seit vier Jahren Vorsitzender des Fanclubs ist.

Auf die Idee, mit seiner Lisa Sponsorengelder zu sammeln, war der Karlshulder gekommen, als er von einem Mann aus Aue im Erzgebirge hörte, der nach einer ähnlichen Aktion mit fünf Rollstuhlfahrern zum FC St. Pauli gefahren war. Nun hofft er, seine ungleich größere Aktion erfolgreich abschließen zu können. „Wir haben schon einige Sponsoren, darunter auch viele Privatspender“, erzählt er. Dass die Pfarrgemeinde aus Karlshuld ihm beim Neujahrsempfang 720 Euro überreichte, hat ihn sehr gerührt. „Wenn es so weiter geht, schaffen wir es“, ist er zuversichtlich, wenn auch noch ein paar Sponsoren nötig sind. Wer Interesse hat, kann sich gerne melden. Spendenquittungen gibt es über den Förderverein Rollstuhlfahrer Ingolstadt, Kontakt über E-Mail wu@schanzer-rollis.de.