Aug in Aug mit einem großen Beutegreifer: Die Exponate, die Emil und Jona hier mit Hans-Dieter Schuster betrachten, sind nicht immer in der Ausstellung zu sehen, sondern werden bei Führungen aufgebaut.
Aug in Aug mit einem großen Beutegreifer: Die Exponate, die Emil und Jona hier mit Hans-Dieter Schuster betrachten, sind nicht immer in der Ausstellung zu sehen, sondern werden bei Führungen aufgebaut.
Fotos: Hammerl
Kleinhohenried
Über den Umgang mit Bär, Wolf und Luchs informiert die interaktive Wanderausstellung.
Ergänzt werden die 14 informativen - natürlich überarbeiteten - Tafeln von einigen Stationen, an denen der vierte große Beutegreifer, der Mensch nämlich, diverse Knöpfchen drücken kann. Beim Luchsspiel zum Beispiel, in dem es gilt, einen männlichen Luchs auf seinem abenteuerlichen Weg zum Weibchen zu begleiten. Dabei muss er etliche Abenteuer bestehen, die ihm vor allem die zersiedelte Kulturlandschaft mit dem allgegenwärtigen Verkehr stellt. Nicht zu vergessen so kuriose Dinge wie eine Begegnung mit Pilzsuchern mitten in seinem Revier.

Während der Luchs als ungefährlich für den Menschen eingestuft wird, ist Bär Bruno noch in lebhafter Erinnerung. Mit Bären, insbesondere mit Jungtier führenden Bärinnen, sei nicht zu spaßen, warnt eine Infotafel und gibt Verhaltenstipps. Wobei aktuell keine Bären in Bayern unterwegs seien, was allerdings nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit und der Zeit sei, sagte Diplombiologe Manfred Wölfl vom Landesamt für Umweltschutz (LfU) in seinem Fachvortrag "Wildtiermanagement großer Beutegreifer". Sobald sich Bären im sogenannten Räthischen Dreieck aufhielten, schlügen in Deutschland bereits Alarmglocken an. Mittlerweile gingen die Italiener jedoch wesentlich aufmerksamer mit der Bärenpopulation um.

"Je wilder, desto ungefährlicher, je zahmer, desto gefährlicher", seien die Beutegreifer, erläutert eine Infotafel. Andere informieren über Lebensgewohnheiten von sowie Mythen und Märchen über Meister Petz, den Unberechenbaren, der eigentlich Pflanzenfresser ist, dennoch mitunter Schafe reißt, über Isegrim, den wilden Jäger, und Pinselohr, den heimlichen Leisetreter.

Der Wolf, mittlerweile mit 60 Rudeln wieder in Deutschland heimisch und aufgrund seiner Lebensweise im Familienverbund sehr erfolgreich in der Welpenaufzucht, erfreut sich steigender Population. Allerdings gebe es wie beim Luchs immer wieder Fälle von "illegaler Nachstellung", wie das widerrechtliche Töten der streng geschützten Wildtierarten im Fachjargon genannt wird. "Wir werden entscheiden, wo der Wolf in Zukunft sein wird und wo nicht", sagte Wölfl.

Große Beutegreifer wieder in ihren früheren Lebensräumen zuzulassen, sei "nicht im Alleingang" lösbar. Pauschallösungen gebe es nicht, sondern nur individuelle Einzellösungen. Beim Herdenschutz könnten Zäune, Hirten oder Schutzhunde helfen. "Versuchen Sie, die Extreme außen vor zu lassen", riet er: "Nicht zündeln, sondern konstruktive Lösungen suchen." Der große Wert der Ausstellung liege darin, "dass jedes Wort zwischen den verschiedenen Interessengruppen abgewogen wurde". Was im Falle des Wolfes momentan extrem schwierig sei.

Das hatte Leihgeber Hans-Dieter Schuster vom Bayerischen Umweltministerium bereits zur Ausstellungseröffnung gesagt. Die geplante 15. Infotafel zur aktuellen Situation fehle, weil die weitere Entwicklung erst abgewartet werden müsse. "Ich hoffe auf einen besseren Umgang mit dem Wolf als mit dem Biber", sagte Landrat Roland Weigert, der vorsorglich Wolfberater installiert hat. Den Biber griff Wölfl später nochmal auf - in Weißrussland ernährten sich Jungwölfe zu 80 Prozent von Biberfleisch...



Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 3. Juni, im Haus im Moos zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen. Nähere Informationen unter Telefon (08454) 95205.