Hilpoltstein: Die Kohlmeise liegt vorn
Kampf um die Rangfolge: Nach der Zwischenbilanz der LBV-Aktion "Stunde der Wintervögel" ist die Kohlmeise mit hauchdünnem Vorsprung vor Haussperling und Feldsperling in den kalten Monaten die häufigste Vogelart in Bayern. - Foto: Ralph Sturm/LBV
Hilpoltstein

"Nach dem Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen zeichnet sich eine hohe Gesamtbeteiligung ab", meldet der Landesbund für Vogelschutz. So hatten dem LBV bis zuletzt schon über 7000 Bayern über 200 000 Vögel gemeldet.

Besonders auffällig ist 2016 ein starker Einflug von Erlenzeisigen. "Ein Drittel der Bayern konnte durchschnittlich acht Erlenzeisige beobachten", erklärt LBV-Biologe Alf Pille.

Mit über 11 000 Individuen wurden bereits zur Zwischenbilanz doppelt so viele der kleinen gelbgrün-gestreiften Finken gezählt, wie jeweils in den vergangenen beiden Jahren insgesamt. "Den Erlenzeisigen ermöglichte der heiße Sommer eine zweite Brut und eine erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen. So ist ihr Bestand in den nördlichen Brutgebieten stark gestiegen und deshalb musste ein Teil der Vögel zu uns nach Süden ausweichen", sagt Pille.

Erlenzeisige treten vor allem in Schwärmen auf und sind vom größeren Grünfink auch durch den deutlich spitzeren Schnabel und den pinzettenförmigen Schwanz zu unterscheiden. Die Zeisige sind ebenfalls gut zu hören, da sie im Schwarm durch ihre auffälligen "tüli"- und "zäi"-Rufe ständig Kontakt halten.

Der heiße Sommer 2015 hat auch zahlreichen heimischen Vögeln viel Nachwuchs beschert und einen großen Erfolg bei der Aufzucht ermöglicht. "Meisen und Feldsperlinge brüteten teilweise wohl bis zu viermal und hatten gute Bruterfolge", so Pille. Dies lässt sich auch an der durchschnittlich beobachteten Anzahl der Vögel erkennen, die mit 41 pro Garten über dem Schnitt der beiden letzten Jahre liegt. Im Rennen um den Spitzenplatz liefern sich Kohlmeise, Feldsperling und Haussperling (Spatz) ein spannendes Duell. Dabei liegt Deutschlands größte Meisenart derzeit knapp in Führung. "Doch noch ist nichts entschieden, wie das Vorjahr zeigt, als zur Zwischenbilanz der Feldsperling führte, am Ende aber die Kohlmeise ganz oben stand", so Pille.

Für eine weitere Überraschung sorgt der Vogel des Jahres. Normalerweise gerade noch unter den 20 häufigsten Arten zu finden, liegt der Stieglitz aktuell auf Rang 13. An einen Promi-Bonus glaubt Pille nicht, da der bunte Fink ja schon immer sehr auffällig ist. "Der Vogel des Jahres gibt uns mit seinem guten Abschneiden derzeit ein Rätsel auf, das wir uns noch nicht erklären können", sagt er.

Noch bis zum Montag können Naturfreunde dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende schriftlich auf dem Teilnahmebogen oder online unter www.stunde-der-wintervoegel.de melden.