Pascale, Ute de, Schrobenhausen
Habertshausen

Die Szenerie hat etwas Unwirkliches: Wild gestikulierend steht ein Münchner Fotograf – Egbert Krupp – inmitten hüfthoher Kartoffelpflanzen auf einem Acker irgendwo in der bayerischen Provinz, dirigiert sein Model – eine nicht gerade üppig bekleidete junge Dame in Stöckelschuhen und mit Krönchen auf dem Kopf – an eine bestimmte Stelle im saftigen Grün. Der riesige, knallrote – wie Krupp stolz verkündet „jungfräuliche“, weil noch nie benutzte – Kartoffelvollernter: nichts als schmückendes Beiwerk. „Das Ganze erinnert mich an 'Irgendwie und sowieso'?“, sagt Anton Blöckl, der Vater der jungen Dame, der das Spektakel gemeinsam mit Sohn Anton jun. vom angrenzenden Feldweg aus interessiert verfolgt. Und recht hat er. Genauso wirkt das Ganze. Wie eine Szene aus „Irgendwie und sowieso“. Irgendwie abstrus. Sowieso aber auch absolut ernst gemeint.

Denn professionell aufgezogen ist das Shooting durchaus: Stylist, Assistent und Visagistin tummeln sich um die Protagonisten, stöckeln mal zum Aufhellen des Bildes mit aufs Feld oder reichen der hübschen jungen Dame ihr Zepter. Schließlich steht da nicht irgendwer Model, sondern niemand Geringeres als Jacqueline I., ihres Zeichens amtierende Kartoffelkönigin der Erzeugergemeinschaft Qualitätskartoffeln Neuburg-Schrobenhausen und Umgebung. Hatte das erste der beiden Shootings tags zuvor in Niedermotzing bei Straubing stattgefunden, trifft man sich heute bei den Blöckls in Habertshausen.

„Das Ganze erinnert mich an 'Irgendwie und sowieso'!“

Anton Blöckl, Landwirt

 

Vielleicht liegt es am Heimvorteil, sicher aber auch an Jacquelines von Haus aus offenem Wesen: Fotograf und Model verstehen sich prächtig. „Du schaust so gut aus!“, frohlockt Egbert Krupp, als sich Jacqueline I. wieder mal in eine besonders fotogene Pose wirft. „Jetzt hätte ich gern nochmal den Tädää!“, gibt der Fotograf die weitere Marschrichtung vor. Zack! Schon schmeißt Jacqueline fröhlich „Tädää“ rufend die Arme gen strahlend blauen Himmel. „Du bist klasse, Jacky!“, jubelt Krupp. Ein Problem damit, dass sich seine Tochter derart minimalistisch bekleidet – obenrum nur mit BH, manchmal sogar mit noch weniger Stoff – auf und zwischen seinen Feldfrüchten räkelt, hat Anton Blöckl nicht. „So offen haben wir unsere Kinder schon erzogen“, versichert der Landwirt. Und schließlich sei das ja eine lustige Geschichte.

Pascale, Ute de, Schrobenhausen
Habertshausen

Johann Graf vom Bayerischen Bauernverband ist der gleichen Meinung: Auch wenn am Ende dieses Acts ein durchaus ernst gemeintes Werbemittel herauskommt, stehe der Spaß im Vordergrund.

Den scheint auch Fotograf Egbert Krupp zu haben. Rund 5000 Bilder wird er von den beiden Shootings mit nach Hause nehmen. Die Persönlichkeiten seiner Models rüberzubringen, ist ihm wichtig. So wie bei Moritz Bleibtreu, Sönke Wortmann, Nina Hagen, Volker Schlöndorff, Hans-Dietrich Genscher oder Brian Ferry, die sich allesamt auf seinem Portfolio tummeln; und auf der Referenzliste tauchen Begriffe wie „Vogue“, „L’Oréal“ oder „Wella“ auf. Über 30 Jahre macht Krupp den Job bereits, sagt: „Ich hasse Bildnachbearbeitung“, und tituliert sich selbst als „kreativen Dienstleister“.

Pascale, Ute de, Schrobenhausen
Habertshausen

Wer ihm bei der Arbeit über die Schulter spitzelt, kapiert, was er damit meint: Der Mann sprudelt vor Ideen. Ein alter Kartoffelsack? Immer her damit! Und schwupp wickelt sich Krupp das Teil gleich selbst um die Hüften. „Qualität aus Bayern“ steht drauf. Passt. Noch bevor der Stylist den Kartoffelsack in Haute Couture verwandelt, ist Krupp schon wieder auf dem Sprung zum nächsten Set. „Are you ready to rumble?“, ruft er dem Rest der Truppe zu. Logisch sind sie das. Schließlich steht ja jetzt das Wassershooting an – nicht die schlechteste Idee an einem schwülheißen Augusttag wie diesem. Und wieder hat Krupp ein – wenn auch ehemaliges – gekröntes Haupt vor der Linse: die einstige Schrobenhausener Spargelkönigin Martina Reichhold. Je sieben mehr, meist aber weniger bekleidete Damen und Herren aus Ober- und Niederbayern, dem Münchner Raum, der Oberpfalz und Schwaben stehen für den Kalender Model, alle mit persönlichem Bezug zur Kartoffelerzeugung.

15 Euro wird der Kalender kosten, wenn er voraussichtlich im Oktober auf den Markt kommt. Zurück geht die Idee auf die „Bayerische Kartoffel“, eine Initiative der bayerischen Kartoffelanbauern mit ihren Vermarktern. Übrigens hat sich das Kalenderprojekt längst über die Grenzen Bayerns hinaus herumgesprochen. Da bekommt Johann Graf dann gern mal Sätze wie diesen zu hören: „Ihr seid doch die mit dem verrückten Kalender.“