Noch können Patienten aus dem Schrobenhausener Land auch nach Feierabend und an Wochenenden auf die Bereitschaftsdienste der örtlichen Hausärzte zurückgreifen, ab März nicht mehr. Die Art und Weise wie die Reform umgesetzt wird, bringt Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan auf die Palme.
Noch können Patienten aus dem Schrobenhausener Land auch nach Feierabend und an Wochenenden auf die Bereitschaftsdienste der örtlichen Hausärzte zurückgreifen, ab März nicht mehr. Die Art und Weise wie die Reform umgesetzt wird, bringt Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan auf die Palme.
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Schrobenhausen

Auf Einladung des bayerischen Facharztverbandes (BFAV) war Stephan nach Deggendorf zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Ärzte für die Region - Bereitschaftsdienstreform in Bayern" gefahren. Er berichtet: "Nach der Veranstaltung kam ein Arzt auf mich zu und sagte mir: ,Wundern Sie sich nicht, dass so wenige Hausärzte hier waren. Die haben alle Angst vor möglichen Repressalien seitens der KVB.' Ich bin empört, in welcher Form die KVB hier vorgeht, das ist nicht länger hinnehmbar!"

Worum geht es? Die KVB will 2018 den hausärztlichen Bereitschaftsdienst bayernweit neu regeln. Der Freistaat wird dann in 110 Bereitschaftsbezirke aufgeteilt, mit der Vorgabe, dass die Fahrtstrecke zum nächsten Bereitschaftsarzt 25 Kilometer nicht übersteigt. Dabei wird beispielsweise Schrobenhausen dem Bezirk Ingolstadt-Eichstätt zugeteilt. Örtliche Bereitschaftsdienste von Hausärzten in den Nachtstunden sowie an Wochenend- und Feiertagen wird es dann in Schrobenhausen und auch in vielen anderen bayerischen Städten nicht mehr geben.

Bürgermeister Stephan erfuhr von dieser Umstrukturierung vor einigen Monaten aus unserer Zeitung und informierte seinen Stadtrat. Der bat um ein Gespräch mit KVB-Chef Wolfgang Krombholz, der lehnte dankend ab, traf sich dann immerhin Wochen später mit dem Bürgermeister auf Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer (CSU) - ohne Ergebnis.

Inzwischen hat sich Stephan vertieft in die Thematik eingearbeitet. Seine Schlussfolgerung klingt so: "Diese Reform ist höchst umstritten. Ärzte und Bürgermeister befürchten eine Verschlechterung der Situation, wogegen die KVB argumentiert, dass die Aufrechterhaltung des Versorgungsauftrags vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der auch bei den diensthabenden Ärzten spürbar ist, nur durch diese Reform möglich ist." Bei der Tagung in Deggendorf erfuhr Stephan, dass sich 82 Prozent der Bereitschaftsmediziner in Bayern gegen diese Reform ausgesprochen hätten. "Die Kassenärztliche Vereinigung stellt das gerne anders dar. In allen Veröffentlichungen, die ich bisher in den Fachjournalen gelesen habe, wird das neue System in den höchsten Tönen angepriesen. Kritische Töne findet man nicht", berichtet Stephan.

Den Schrobenhausener Bürgermeister ärgert allein schon die Informationspolitik der KVB. In Deggendorf erfuhr er, dass für den Raum Ostbayern eine Informationsveranstaltung am Freitagabend des 29. September in Straubing stattfand, zu der gerademal zwei Tage davor eingeladen worden sei. Und an jenem Wochenende sei eine Bürgermeisterdienstfahrt anberaumt gewesen. Folge: Seine Kollegen waren außen vor.

Hinter vorgehaltener Hand wurde Karlheinz Stephan inzwischen gesteckt, dass es eine weitere zentrale Veranstaltung in München am Freitag, 15. Dezember, um 17 Uhr geben soll. Allein die Wahl des Termins ärgert ihn schon, um diese Zeit so kurz vor Weihnachten - und auch dies: "Ich bin gespannt, wann die offizielle Einladung dafür kommt. Jedenfalls habe ich mir diesen Termin schon einmal vorgemerkt und ich werde mit einem ganzen Fragenkatalog angereist kommen."

Kanzlerin Angela Merkel im Youtube-Interview (Screenshot: Richter)
Richter Horst
Schrobenhausen

Post von der Kanzlerin

Das Thema Gesundheitspolitik treibt Bürgermeister Karlheinz Stephan mehr und mehr um. Vor vier Wochen hatte er sich mit einem Brandbrief an die Verhandlungspartner der womöglich künftigen Jamaika-Koalition gewandt, mit der Bitte, die Versorgung der Menschen auf dem Land bei der Ausrichtung der künftigen Gesundheitspolitik stärker in den Fokus zu rücken (wir berichteten). Immerhin einer der vier Adressaten hat jetzt geantwortet: CDU-Chefin Angela Merkel. Die anderen Parteien haben bisher nicht auf seine Post reagiert.

Die Kanzlerin schreibt dem Bürgermeister: "Zu Recht betonen Sie die Sicherung einer ausreichenden ärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen und insbesondere die Versorgung mit Angeboten der Geburtshilfe und mit Hebammen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat in der vergangenen Legislaturperiode intensiv dafür gearbeitet, die Lage der freiberuflichen Hebammen zu verbessern. Uns ist bewusst, dass noch viel zu tun ist. Die Sicherung einer ausreichenden Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum bleibt eine ganz wichtige Zukunftsaufgabe. Ihre Hinweise und Anregungen nehme ich auf und setze mich dafür i Rahmen der laufenden Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung ein.