Geschickte Beleuchtung verlieh der Maria-Ward-Turnhalle auch heuer wieder einiges an Glamour. Mehr als 200 Gäste sind erschienen, darunter ein gutes Dutzend Stadträte..
Geschickte Beleuchtung verlieh der Maria-Ward-Turnhalle auch heuer wieder einiges an Glamour. Mehr als 200 Gäste sind erschienen, darunter ein gutes Dutzend Stadträte.
De Pascale, Ute
Schrobenhausen

Der obligatorische Rückblick auf das vergangene Jahr, in dessen Verlauf sich Karlheinz Stephan auch "den Geschehnissen in einer charmanten oberbayerischen Kleinstadt" zuwendet, verläuft verhältnismäßig zackig. Seinen vorbereiteten Ausblick auf 2018 wirft der Schrobenhausener Bürgermeister dann komplett über den Haufen. Es ist das eine große Thema, das im Fokus des Neujahrsempfangs 2018 steht: Gesundheit. "Ich finde, es ist allerhöchste Zeit, den Finger in die Wunde zu legen", sagt Stephan, denn "das Gesundheitswesen im ländlichen Raum krankt selbst". Unter anderem deshalb: "In wenigen Wochen wird es keinen Bereitschaftsdienst vor Ort mehr geben."

Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeichnet sich dagegen bei der Geburtshilfe ab: Der Samen der von ihm geschmiedeten Bürgermeisterallianz sei aufgegangen. Nach Bekanntwerden des Förderprogramms zur Geburtshilfe habe er gebeten, ein "Neustartszenario" zu berechnen, dessen Ergebnis "nächste Woche präsentiert wird", so Stephan. Auch im Landratsamt wie auch im Kreistag werde das Projekt "Neuausrichtung des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen" angegangen, sagt Alois Rauscher, der für den krankheitsbedingt verhinderten Landrat Roland Weigert einspringt. Rauscher versichert: "Der Landkreis steht hinter seinem Kreiskrankenhaus." Von den Ergebnissen der Potenzialanalyse, mit der eine Unternehmensberatung im Gesundheitswesen beauftragt worden war, berichtet Rauscher: "Es besteht Handlungsbedarf, insbesondere in ökonomischer Hinsicht." Ferner bescheinige die Analyse "eine sehr motivierte Ärzteschaft" und ebensolches Personal. Zwei der sieben Entwicklungsszenarien für eine Neuausrichtung würden nun näher beleuchtet, so Rauscher.

De Pascale, Ute
Schrobenhausen

Vom stationären zum ambulanten Bereich leitet Karlheinz Stephan über, indem er mit Werner Schlingmann den Sprecher der niedergelassenen Hausärzte und Verbindungsmann zur Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sowie ein "Schrobenhausener Urgestein" begrüßt. Zwar genieße der Arztberuf hohes Ansehen und biete hervorragende berufliche Perspektiven, sagt Schlingmann, nachdem er die Situation der Hausärzte im Schrobenhausener Land skizziert hat - Umfragen bei Medizinstudenten hätten jedoch ergeben, dass es vor allem drei Gründe seien, die ihrer Meinung nach gegen den hausärztlichen Dienst sprechen: mangelnde Honorarsicherheit, Regressschutz und Angst vor zu vielen Bereitschaftsdiensten. Im Detail erläutert Schlingmann dann die KVB-Reform, deren bayernweite Umsetzung mit großen Bereitschaftsdienstregionen nun ansteht. Neben der Belastung für die Bevölkerung könnte sie sich auch negativ auf die Belegung des Krankenhauses auswirken, "da aus ambulanten Fällen auch stationäre werden". Und Schlingmann sagt: Wenn "einerseits Krankenhäuser Millionendefizite schreiben müssen und andererseits im Gesundheitsfonds Milliardenüberschüsse erwirtschaftet werden, stellt sich mir die Frage, ob es nicht auch an den Rahmenbedingungen liegt, dass der ländliche Raum abgehängt wird." Doch er gibt auch zu bedenken: Wenn der Bereitschaftsdienst einer der Faktoren sei, dass junge Ärzte den hausärztlichen Sektor meiden, "muss man die Reform sicher auch für gut befinden" - auch wenn man in Schrobenhausen einen Wermutstropfen schlucken müsse. "Bleibt zu hoffen, dass die positiven Erfahrungen der Pilotbereiche nicht nur politisch motivierte Statements sind", sagt Schlingmann.

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Schrobenhausen

Was wiederum Karlheinz Stephan dazu veranlasst, seine Kritik an der KVB zu erneuern. "Auch wenn die KVB nicht müde wird, den Erfolg in den Pilotregionen anzupreisen - die nachweisbar auch vorhandenen Proteste aus der Ärzteschaft werden konsequent unter den Teppich gekehrt." Und wie die KVB mit dem Infobedürfnis von Kommunalpolitikern umgehe, "das geht nun gar nicht".

Pascale, Ute de, Schrobenhausen
Schrobenhausen

Neben dem wachsenden wirtschaftlichen Druck auf das Schrobenhausener Krankenhaus sei auch zu erwarten, dass auf Notärzte erhöhte Anforderungen zukämen, befürchtet der Bürgermeister. Deren Situation erläutert schließlich Shahram Tabrizi, jener laut Stephan "mit einem ganz besonderen Helfergenom ausgestattete" Oberarzt. "Seit Jahren gab es keinen einzigen nicht besetzten Dienst in Schrobenhausen", berichtet Tabrizi. "Mit 16 aktiven Notärzten haben wir es geschafft, den Standort durchgehend besetzt zu halten. Knapp 80 Prozent der Dienste würden von Notärzten geleistet, die am Kreiskrankenhaus tätig sind, teilweise sogar während der Arbeitszeit. Unterstützung gebe es vom Notarztverein. Auch weiterhin werde man versuchen, den Standort besetzt zu halten. Augenzwinkernd versichert er: "Sie können also beruhigt einen Notfall erleiden."

DRUCKFRISCH AUS BERLIN

Von "erst im Lauf der vergangenen Nacht in sehr zähen Verhandlungen” geschmiedeten Kompromissen bei den Sondierungsgesprächen von CDU, CSU und SPD in Berlin erzählt Erich Irlstorfer, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Gesundheitsausschuss, beim Neujahrsempfang. Eine Basis, "auf der wir auch in Schrobenhausen Verbesserungen für die Menschen bei der Versorgung erzielen können.” Sichergestellt werde, dass alle auch zukünftig eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Beginn bis Ende ihres Lebens erhalten, unabhängig von Einkommen und Wohnort.” Für Umstrukturierungen, neue Technologien und Digitalisierung seien "deutlich erhöhte Investitionen” notwendig. Auch sollten die Beiträge zur Krankenversicherung "wieder in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten geleistet werden”, sagt Irlstorfer. Arbeitsbedingungen und Bezahlung in Alten- und Krankenpflege wolle man "sofort und spürbar verbessern”, mit besserer Personalausstattung. Auf 400 Millionen Euro und 15 000 Stellen habe man sich geeinigt. Im Krankenhausbereich werde eine vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen angestrebt, "verbunden mit der Nachweispflicht, dass dies auch tatsächlich bei den Beschäftigten ankommt." Applaus gibt es, als Irlstorfer von Nachtschwestern erzählt, "die nicht wissen, wem sie zuerst helfen sollen. Das muss abgeschafft werden!” Auch Ausbildungsoffensive und Weiterqualifizierung von Pflegekräften umfasse das Programm. Und: "Auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern soll künftig erst ab einem Einkommen in Höhe von 100 000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden." Diskussionen zur Geburtsstation würden geführt, "sobald es zu einer Regierungsbildung kommt", verspricht Irlstorfer. Auch das Thema Portalpraxen "müssen wir noch mal aufmachen", so Irlstorfer. "Ich sehe keinen Mehrwert, wenn ein Arzt aus Schrobenhausen einen Patienten aus Schrobenhausen in Ingolstadt behandelt." | udp