Mehr als 3000 Unterstützer gefunden: Renate Bahlmann (l.) übergibt die gesammelten Unterschriften zum Erhalt der Geburtsstation am Schrobenhausener Kreiskrankenhaus an Bürgermeister Karlheinz Stephan (r.).
Mehr als 3000 Unterstützer gefunden: Renate Bahlmann (l.) übergibt die gesammelten Unterschriften zum Erhalt der Geburtsstation am Schrobenhausener Kreiskrankenhaus an Bürgermeister Karlheinz Stephan (r.).
Spindler
Schrobenhausen

In einem Punkt sind sich Renate Bahlmann und Karlheinz Stephan absolut einig: Nichts tun ist nicht. Die beiden Steingriffer nervt es, dass die Geburtenstation am Schrobenhausener Kreiskrankenhaus geschlossen ist. Und das soll sich nach der einhelligen Meinung beider möglichst bald wieder ändern.

Bahlmann hat im Sommer ihren Kampf um die Geburtsstation begonnen (wir berichteten). Sie hat im Juli auf der Onlineplattform Change.org eine Petition unter dem Titel "Babys, unsere Zukunft" gestartet. "Querbeet aus der ganzen Bundesrepublik" haben sich laut Bahlmann an der Onlinepetition Menschen beteiligt. Das größte Echo sei natürlich aus dem süddeutschen Raum gekommen, aber auch positive Zuschriften aus Berlin oder Hamburg seien unter den inzwischen 1036 Unterzeichnern dabei gewesen.

Dass ihre Onlinepetition noch eine weitere Initiative in Schrobenhausen auslösen würde, hatte Bahlmann im Sommer nicht bedacht und wurde davon überrascht. "Da habe ich was angestoßen", sagt sie heute. Etliche Menschen aus Schrobenhausen und dem Umland wollten nicht im Internet ihre Zustimmung zur Geburtsstation bekunden, sondern lieber eine Liste auf Papier unterschreiben. Gesagt - getan, dachten sich 1218 Menschen und unterschrieben. Etliche Listen zum Erhalt der Geburtenstation wurden in Geschäften und in Arztpraxen ausgelegt, wie Bahlmann berichtet. "Das hat sich verselbstständigt."

Naja, ganz so einfach war es dann doch nicht. "Man muss etwas tun und es muss die Menschen bewegen", sagt Bahlmann. Beides trifft auf ihre Initiative wohl zu. Seit sie die Petition im Internet angestoßen hatte, habe sie so viel telefoniert wie selten zuvor. "Ich habe viele positive Gespräche geführt", sagt Bahlmann. Und dabei habe sie auch festgestellt, dass Schrobenhausen nicht alleine ist mit der geschlossenen Geburtsstation.

Parallel zu ihrer Onlinepetition hatten sich bei Change.org noch weitere Initiativen gegründet. Eine in Erding, die 2036 Unterstützer fand, wie Bahlmann berichtet. Und eine junge Hebamme in Bad Bentheim ging den gleichen Weg wie Bahlmann, allerdings mit dem Erfolg, dass sie mehr als 100 000 Unterstützer in kürzester Zeit zusammenbrachte. "Sie durfte ihre Unterschriften Frau Merkel übergeben", sagt Bahlmann.

Nicht der Bundeskanzlerin, sondern Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan drückt Bahlmann die Ergebnisse ihrer Arbeit in die Hand. Stephan ist beeindruckt von dem Ergebnis. Er fühlt sich dadurch gestärkt, seinen Kampf um die Geburtsstation weiter zu forcieren: "Ich bin der Renate sehr dankbar für die Initiative."

Für Stephan ist glasklar, dass sich die Rahmenbedingungen für die kleinen Krankenhäuser auf Landes- und Bundesebene ändern müssen. Ändere sich nichts, so Stephan, könne ein kleines Krankenhaus mit etwa 300 Geburten im Jahr - wie in Schrobenhausen der Fall - seine Geburtsstation nicht mehr wirtschaftlich führen. Stephan: "Was da passiert auf Bundes- und Landesebene, ist nicht richtig." Die Politik müsse erkennen, dass der Trend zur Zentralisierung falsch sei, meint Stephan.

Seine Hoffnungen setzt Stephan auf die Koalitionsverhandlungen des Jamaika-Bündnisses in Berlin. Wenn der Erhalt der kleinen Geburtsstationen darin verankert werde, hofft Stephan, dann könne der nächste Schritt getan werden: "Dann werden wir unsere Kadetten wie Erich Irlstorfer in Marsch setzen." Der CSU-Bundestagsabgeordnete müsse dann die parlamentarische Initiative ergreifen und entsprechende Anträge im Bundestag stellen.

Und weil sich auf Landesebene auch etwas ändern müsse, will Stephan das Bahlmann-Paket noch Horst Seehofer schicken. Er sei Ministerpräsident in Bayern, gleichzeitig der Heimatabgeordnete im Landtag für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und gleichzeitig Parteichef der CSU. Und mit letzterer Funktion habe er die Mittel, auf Bundesebene etwas zu bewegen, ist sich Stephan sicher.

Auch auf lokaler Ebene will Stephan nochmals das Thema voranbringen. Das vom Landratsamt mit einer Potenzialanalyse des Kreiskrankenhauses beauftragte Institut solle auch prüfen, unter welchen Rahmenbedingungen die Geburtsstation wieder in Betrieb genommen werden könnte. "Dann hätten wir noch mehr Fleisch am Knochen", sagt Stephan, was auch die Argumentation in der großen Politik erleichtern könnte.