Natürlich waren sie auch am Dienstagabend wieder dabei, als ihre Lieblinge das Starensemble von Paris Saint-Germain in die Knie zwangen. Nicht irgendwo vor einem Fernsehgerät - sondern live im Stadion, mitten in der Allianz-Arena. "Wir sind vielleicht nicht der größte Fanclub des FC Bayern, und auch nicht der bekannteste - aber bei den aktivsten wollen wir sehr wohl dabei sein", sagt Michael Lederer, der Chef vom Bierstüberl Karlshuld.

Seit dem Jahr 1994 gibt's den Fanclub aus dem Donaumoos nun schon. Zugegeben, der Name wirkt auf dem ersten Blick gewöhnungsbedürftig - "aber wir haben uns damals eben in einer Gaststätte gegründet, die genau so hieß, also nannten wir uns gleich so", erklärt Lederer. Wirklich fantasievoll war das vielleicht nicht, räumt er lächelnd ein: "Aber eine Namensänderung ist für uns trotzdem noch nie ein Thema gewesen. Beziehungsweise wird es auch nicht sein."

Es gebe schließlich Wichtigeres. Zum Beispiel die stetigen Fahrten zu den FCB-Partien zu organisieren. Bei allen Heimspielen in der Allianz-Arena sind die Karlshulder sowieso in großer Zahl vor Ort - aber es findet auch kaum ein Auswärtsmatch des Deutschen-Fußball-Rekordmeisters ohne sie statt. Selbst im Rahmen der Champions-League nicht - was hauptsächlich an Andreas Meier liegt. Sein Amt beim Bierstüberl Karlshuld? Nach langem Überlegen wird es von den restlichen Vorstandskollegen offiziell als Cheforganisator bezeichnet. In der Tat ist Meier ein kleines Genie, wenn es nötig ist, möglichst günstige Flug- beziehungsweise Bahnrouten von A nach B zu finden. So sind beispielsweise Trips wie zuletzt über Manchester nach Glasgow überhaupt kein Problem, die FCB-Profis bekommen also (fast) überall auch lautstarke Unterstützung aus dem Donaumoos. Das wird an der Säbener Straße natürlich sehr gerne gesehen. Dementsprechend regelmäßig und ausreichend werden die Karlshulder Kartenwünsche vom Münchner Nobelklub erfüllt. Pro Heimspiel etwa sind's an die 45 Tickets für die Allianz-Arena. Ein Umstand, von dem viele andere Fanclubs nur träumen können.

Exakt 466 Mitglieder besitzt Bierstüberl aktuell - berichtet jedenfalls Schriftführer Stefan Kneißl: "382 davon sind Männer, 84 sind Frauen." Und nach nur wenigen Klicks auf seinem Mobiltelefon gibt's weitere Infos von ihm: "Gerade nach der WM 2006 im eigenen Land setzte ein regelrechter Run bei uns ein. So hatten wir im Jahr 2001 erst 100 Mitglieder zu verzeichnen, das Zweihundertste durften wir erst 2006 begrüßen."

Lag der Boom vielleicht auch an der Eröffnung der Allianz-Arena? Egal. Die Karlshulder freuen sich über jeden Neuzugang - egal, ob nun aus ihrer eigenen Gemeinde, ob aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen oder von sonst woher. "Wir haben nicht in unserer Satzung stehen, dass wir irgendjemanden nicht aufnehmen", berichtet Lederer.

Dass er schon seit der Vereinsgründung als Vorsitzender fungiert, dies führt übrigens zu keinerlei Ärger mit der Ehefrau - denn Gattin Bianca arbeitet ebenfalls schon seit 1994 im Vorstand mit, wie auch Kassier Thomas Artner. Und Lederer ist eben nicht nur Funktionär - sondern auch leidenschaftlicher Fußballfan durch und durch, bis in die Haarspitzen. Er könnte es sich absolut leisten, sich einen guten Platz auf der Haupttribüne zu sichern. "Aber kein Interesse! Ich bin ein echter ,Steher'. Ich muss in die Südkurve", betont der Unternehmer aus Karlshuld - das Ganze mit leuchtenden Augen.

Von dort aus hat er auch Franck Ribéry schon unzählige Male beobachtet. Ihn angefeuert, ihm die Daumen gedrückt. Zuletzt eben am Dienstagabend, beim bereits erwähnten 3:1 gegen Paris Saint-Germain. 67 Minuten lang wirkte der Publikumsliebling in Münchner Diensten hierbei mit, begeisterte die Massen im Allgemeinen - und den Fanclubchef aus dem Donaumoos im Speziellen. "Franck ist für mich der Inbegriff des geilen Fußballs. Er ist für mich der Spieler der vergangenen zehn Jahre beim FC Bayern München", so Lederer.

Dass er diesem nun am Sonntag höchstpersönlich die Hände schütteln darf, dass Ribéry zu Gast beim Bierstüberl Karlshuld ist - für den Klubboss wird ein kleiner Traum wahr. "Wir haben uns heuer erst das zweite Mal beim FC Bayern darum beworben, einen Profi für die Weihnachtsfeier zu bekommen", erzählt Lederer. Und dann gibt's gleich so einen Superstar. "Vielleicht will der FCB würdigen, dass wir so aktiv sind", vermutet der Fanclubchef. Dass die Karlshulder ihrem vierseitigen Schreiben an die Säbener Straße auch ein vernünftiges Programm für den 10. Dezember beifügten - inklusive eines Sicherheitskonzepts - dürfte sich wohl ebenso für sie ausgezahlt haben.

Fakt jedenfalls ist: Gegen 13 Uhr soll Ribéry hier sein - im Gasthaus Greppmair, in dem sich dann auch 370 Fanclubmitglieder befinden. "Andere Interessierte müssen leider draußen bleiben, weil wir schlichtweg keinen Platz mehr für sie haben", bittet Lederer schon im Voraus um Verständnis. Security-Mitarbeiter werden nach dem Rechten schauen - Parkmöglichkeiten gibt es am Volksfestplatz.

"Franck bleibt wohl an die zwei Stunden bei uns", erzählt Lederer. Ein Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde stehe hierbei definitiv auf dem Programm, ebenso eine Fragerunde mit den Fans - und selbstverständlich sollen auch möglichst viele Autogramm- beziehungsweise Fotowünsche durch den Star von der Säbener Straße erfüllt werden. "Keine Frage, das wird der absolute Höhepunkt unserer bisherigen Fanclubgeschichte", sagt Lederer stolz.

Zum Essen gibt's übrigens auch etwas - allerdings keine zünftige bayerische Brotzeit, wie ursprünglich geplant. Ribéry ist ja bekennender Moslem - und aus Rücksicht hier-auf entschlossen sich die Karlshulder kurzerhand dazu, einen Ochsen zu grillen.