Und er hat damit einen formvollendeten Volltreffer gelandet. Denn ein in Schrobenhausen tätiger Geheimbund, dem offenbar auch einige Stadträte angehören, arbeitet weiter und mit erstaunlichem Erfolg am weiteren Ausbau des Europäischen Bausünden-Freilichtmuseums, das nicht mehr viele Exponate benötigt, um als überregional wirkender Anziehungspunkt potenzielle Besucher aus der ganzen Welt nach Schrobenhausen zu locken. Denn es gibt es für einschlägig interessierte Besucher eine ganze Menge zu sehen: Im Herzen der Stadt thront ein Bau, den der ehrfürchtige Bewunderer sofort als Feuerwehrgerätehaus von allerdings stattlichen Ausmaßen erkennt. Der Hinweis, dass es sich dabei um das kommunale Rathaus handelt, stößt mitunter auf ungläubiges Staunen und manches Raunen unter den Besuchergruppen.

Weiter geht es zum nächsten Ausstellungsobjekt von international anerkannter Hässlichkeit: der Stadthalle. Jahrzehntelang ein Gebäude ohne jeden Erwähnungswert, welches das Auge weder erfreute noch beleidigte, wurde ihr vor Jahren ein millionenteueres Etwas aufgedrückt, der dem Bau ein Aussehen gibt, als hätten einige der gefürchteten Flusspiraten mit einem surrealen Kahn auf der unmittelbar benachbarten Paar Schiffbruch erlitten. Der Bug ragt seither - den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung - noch heute schrill in die Höhe.

Der Weg führt weiter durch das schöne Städtchen hin zum Pflegschloss, freilich auf der anderen, der Eingangsseite. Hier wurde dem Bau nach einer an sich weitgehend geglückten Renovierung ein unsäglicher fertiggaragenhafter Vorbau ins Gesicht gedrückt, bei dem jeder halbwegs architektursensible Betrachter nicht mehr an ein Versehen glauben mag, sondernden bereits erwähnten Geheimbund am Werke sieht. Auf der Rückseite des Pflegschlosses wurde nunmehr ein potthässlicher Klotz zu weiterer Mehrung des Ruhmes unserer Stadt aufgerichtet, vor dem man zusammen mit allen Kreisheimatpflegern schreiend davonlaufen möchte.

In seiner unregelmäßig erscheinenden Kolumne "Recht salopp" greift der Schrobenhausener Jurist Christian Grimm Themen von juritsischer Relevanz auf - gern mit dem Blick durch die Satirebrille. .