Angeklagt sind unter anderem Konkursverschleppung, betrügerischer Bankrott, Subventionsbetrug und Steuerhinterziehung.

Wie die Staatsanwaltschaft jetzt mitteilte, soll der 55-jährige Weigl als teilweise nur formal, in vielen Fällen jedoch auch als „tatsächlich Verantwortlicher“ eines Firmengeflechts in den neuen Bundesländern die Zahlungsunfähigkeit seiner Weigl Group erst im April 2011 offiziell angezeigt haben – deutlich zu spät für die völlig überschuldete Holding und damit strafbar als sogenannte Insolvenzverschleppung. Darüber hinaus wirft die Anklagebehörde dem Ex-Unternehmer vor, aus der Insolvenzmasse „Vermögensverschiebungen zum Nachteil der Gläubiger“ vorgenommen zu haben. So habe er beispielsweise die 31 Millionen Euro, die er für den Verkauf eines schwedischen Werks im November 2011 erhalten hatte, an der Insolvenzmasse vorbeigeschleust.

Dabei handelte es sich um die Maschinen eines ehemaligen Werks von General Motors, das Weigl praktisch zum Nulltarif erworben, zerstückelt und sehr gewinnbringend weiterveräußert hatte. Nach Informationen der Aichacher Zeitung war an dieser Transaktion der Weigl Transmission Plant, Göteborg, vor allem auch sein Sohn beteiligt, der die Millionen über verschiedene Briefkastenfirmen auf Weigl-Konten in Hongkong geschleust haben soll. Zudem soll Weigl bereits Ende 2009 widerrechtlich 2,38 Millionen von einem Firmen- auf Privatkonten transferiert haben, um die Familie abzusichern und zudem weitere 2,4 Millionen mithilfe des Pöttmeser Geschäftsmannes Rudi Eitelhuber zulasten der Insolvenzmasse verschoben haben. Dies hatte Eitelhuber allerdings schon vor seiner Festnahme im Juli 2013 in Gesprächen mit unserer Zeitung stets bestritten.

Ebenfalls angeklagt wurden Weigl, sein Sohn sowie Eitelhuber, den Insolvenzverwalter über den Wert einer zur Insolvenzmasse gehörenden Beteiligung getäuscht zu haben, wodurch sie den Verkaufserlös für ein Firmengelände (500 000 Euro) erlangten. Schließlich soll Weigl auch Subventionen, die für Maschinen von staatlicher Seite geflossen waren, zu Unrecht kassiert haben, obwohl die Fördervoraussetzungen nicht mehr vorlagen. Rund 2,75 Millionen Schaden seien dabei entstanden. Dadurch seien auch Steuern hinterzogen worden.

Der Strafrahmen für die verschiedenen Delikte bewegt sich zwischen sechs Monaten und zehn Jahren, im Falle der Beihilfe zwischen einem Monat und siebeneinhalb Jahren oder einer Geldstrafe. Angesichts der Fülle der Anklagepunkte wird allgemein damit gerechnet, dass die Weigl-Verteidigung eine Vereinbarung anstreben wird. Ein solcher Deal kann vor Beginn des Verfahrens mit Staatsanwaltschaft und Gericht besprochen werden, um – ein Geständnis des Angeklagten vorausgesetzt – das Verfahren zu verkürzen und im Gegenzug eine geringere Haftdauer zu erreichen. Im Fall Weigl gehen Insider davon aus, dass gegen den 55-Jährigen eine Haftstrafe im Bereich von acht bis zehn Jahren beantragt und verhängt werden könnte.

Franz-Josef und Dominik Weigl wurden genau wie Rita Weigl und Rudi Eitelhuber im Juli 2013 festgenommen. Die Haftbefehle gegen die beiden Letztgenannten wurden im August und September dann außer Vollzug gesetzt, die beiden ebenfalls angeklagten Hamburger Rechtsanwälte bleiben bis zur Verhandlung auf freiem Fuß. Abgesehen von seinen verschiedenen Firmenpleiten hatte Weigl 2012 auch Privatinsolvenz angemeldet. Er soll persönlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag in der Kreide stehen.