Noch in diesem Jahr sollen nun wirklich die ersten Antennen montiert werden – das verheißt zumindest der Zeitplan, den Benedetta Ciardi, Projektleiterin am Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA), jetzt bekannt gab.

Die für den Bau des Teleskops notwendigen Arbeiten sind eher unspektakulär, wie auch die ganze Anlage eher unscheinbar sein wird – und rein optisch ziemlich enttäuschend für jeden, der an ein massives Radioteleskop wie das bei Effelsberg in der Eiffel denkt, an die riesige Anlage von Arecibo (Puerto Rico) – oder auch an die Schüsseln von Raisting südlich des Ammersees, die allerdings einem anderen Zweck, nämlich für Telekommunikationsverbindungen, dienen. In Aresing werden, vereinfacht gesagt, in diesem Jahr 96 mannshohe, aber unscheinbare Metallstöcke in den Boden gesteckt, die mit jeweils vier Spanndrähten zusätzlich verankert werden. Das sind die so genannten Low Band Antennas (LBA), die Signale in einem Frequenzbereich von 30 bis 80 Megahertz registrieren. Die Positionen der Antennen sind im hinteren Teil des Weilenbacher Felds bereits seit einigen Tagen mit bunten Stöcken markiert.

Heute sollen, wenn alles nach Plan verläuft, die Antennenteile und die Verkabelung angeliefert werden. Ab kommender Woche werden die Kabel im Boden verlegt – diese Arbeiten sollen in etwa acht Werktagen abgeschlossen sein. Noch vor Weihnachten sollen die LBA-Antennen selbst aufgestellt werden und irgendwann im Januar ihren Betrieb aufnehmen.

Im vorderen Teilbereich des Weilenbacher Felds sollen ebenfalls 96 High Band Antennas (HBA) aufgestellt werden. Diese haben eine völlig andere Form, erinnern in etwa an Christbaumständer und sind für den Frequenzbereich von 120 bis 240 Megahertz zuständig. Mitte Dezember sollen die elektronischen Teile und die Verkabelung dafür angeliefert werden, im Frühjahr dann die Antennen selbst. Mit der Inbetriebnahme des HBA-Abschnitts ist das Aresinger Antennenfeld fertig.

Dann können die Weltraumforscher tief ins Universum blicken – und damit in die Vergangenheit. Unter anderem neue Erkenntnisse zum Urknall, mit dem nach dem derzeitigen Stand der Forschung unser Universum vor rund 13,7 Millionen Jahren entstanden ist, wollen die Astrophysiker damit gewinnen. Dabei ist die Aresinger Anlage nur eine in einem europaweiten Verbund weiterer Antennenfelder, die im Rahmen des Lofar-Projekts (kurz für: Low Frequency Array) zusammengeschlossen werden. Alle Daten werden in einem Zentralrechner in den Niederlanden gesammelt und zusammengefügt. Die einzelnen Antennenfelder kombinieren sich damit im Computer zu einem Teleskop mit bisher unerreichter Größe. An der Auswertung der Daten beteiligt sind neben dem Garchinger MPA viele weitere Forschungseinrichtungen. Weil vom Weilenbacher Feld riesige Datenmengen übertragen werden müssen, ließ das MPA bereits ein eigenes Glasfaserkabel bis zum Knotenpunkt bei Wollomoos verlegen.