Riedenburg: Weiß-blauer Pragmatiker
Bodenständig und bürgernah gab sich Fritz Zirngibl (Mitte) bei der Vorstellung seines Wahlprogramms in Riedenburg. Der Kandidat der Bayernpartei würde als Kelheimer Kreischef vieles anders machen als sein Vorgänger. - Foto: Schmied
Riedenburg

Es ist das perfekte Ambiente für einen Landratskandidaten der Bayernpartei: weiß-blaue Wände, weiß-blaue Möbel, ein Stammtischschild auf dem Tisch und ein Gemälde von König Ludwig II. im Hintergrund. Zünftig-gemütlich wollte er es an diesem Abend haben. "So fühle ich mich am wohlsten", erklärt Fritz Zirngibl den sechs Besuchern seiner Wahlkampfveranstaltung in Riedenburg, als er mit ihnen noch in lockerer Runde im Biergarten zusammensaß. Zur Vorstellung seines Programms versammelt der Teugner Gemeinde- und Kreisrat die Anwesenden dann um einen großen Tisch in der Wirtsstube. Um die Idee von runden Tischen und einen Austausch auf Augenhöhe geht es dann auch, als der 61-Jährige über die Themen spricht, die er angehen will, sollte er am 18. September zum Kelheimer Landrat gewählt werden.

Seine Ausführungen untermauert Zirngibl, der sich seit sechs Jahren aktiv politisch engagiert, mit Beispielen aus eigener Erfahrung. Gerade, wenn es um den Umgang mit Finanzen geht, könne er das Thema als gelernter Bankkaufmann und selbstständiger Immobilienmakler mit dem nötigen Pragmatismus betrachten. "Wenn man kein Geld hat, kann man es auch nicht ausgeben", erläutert er mit Blick auf die Schulden des Landkreises Kelheim, der mit 30 Millionen Euro in den Miesen sei. Er sei von Anfang an ein Gegner eines Neubaus des Landratsamtes gewesen, das - wie sich bereits jetzt herausgestellt habe - ohnehin zu klein geraten sei. "Außerdem wurde hier der Bürgerwille mit Füßen getreten", wirft er dem noch amtierenden Kreischef Hubert Faltermeier (FW) vor. Dieser habe einen Bürgerentscheid zum Thema schlicht und ergreifend ignoriert, die Sache ausgesessen - und letztlich doch ein neues Gebäude gebaut. "Mit mir als Landrat wird es so etwas nicht geben. Ich stehe für eine bürgernahe Politik, ich verstehe einen Landrat als Diener der Menschen, die im Kreis leben", stellt Zirngibl klar.

Dazu gehört seiner Auffassung nach auch, unbequeme Themen nicht unter den Teppich zu kehren, sondern anzusprechen. "Wenn man nicht mehr sagen darf, was man denkt, hat ein politisches Gremium keinen Sinn." Als einen Missstand in der Region bezeichnet der Teugner die zunehmende Massentierhaltung. Kleinere bäuerliche Familienbetriebe hätten da keine Chance mehr, zu überleben. Hier würde er vieles anders machen - gerade, was die Milchpreisproblematik angehe. Er plädiert für eine Landkreismilch. "Warum sollte Kelheim keine eigene Molkerei haben? Damit wäre den Bauern geholfen, die Bürger wüssten, wo die Milch herkommt und auch den Tourismus könnte man so positiv beeinflussen", erklärt Zirngibl. Denn wo Kühe auf den Wiesen weiden, kommen auch die Menschen gerne hin.

Überhaupt berge der Tourismus im Landkreis ungenutztes Potenzial. Keltische Siedlungen in Teugn und Langquaid, der Teufelsfelsen bei Alkofen oder die Felsenkeller in Bad Abbach: All das ist laut dem 61-Jährigen touristisch nicht erschlossen. "Dabei liegen gerade hier viele Möglichkeiten, das Angebot an Sehenswürdigkeiten zu erweitern. Andernorts klappt das ja auch", meint Zirngibl und nennt als Beispiel die Region Schwandorf mit ihrem Felsenkeller-Labyrinth. Das Gute müsse man nicht suchen, es liege vor der Haustür.

Zu seiner liberalen Grundeinstellung gehöre auch eine gesunde Asylpolitik. "Ein anderer Mensch ist nicht besser oder schlechter als ich, er ist einfach nur anders", erklärt Zirngibl. Wichtig sei mit Blick auf Asylbewerber, dass bei diesen die Bereitschaft besteht, sich in die Gesellschaft integrieren zu wollen. "Wer das verweigert, für den sollte es Sanktionen geben", stellt der Politiker klar. Auch hier plädiert der Kandidat der Bayernpartei für einen offenen Umgang mit der derzeitigen Situation im Kreis.

Angst davor, anzuecken, hat Zirngibl nicht. "Ich glaube, dass ich als politischer Neuling eher etwas verändern kann, als Politiker, die schon jahrelang im selben Fahrwasser schwimmen." Wie er sich seine Chancen ausrechnet? "Wir werden sehen", sagt er schlicht.