Riedenburg: Süßes und Saures
Doppelter Landratskandidat: FW-Bewerber Fritz Mathes stellte am Dienstagabend in Riedenburg sein Wahlkampfprogramm vor. Dabei sparte der 51-Jährige nicht mit Kritik an der politischen Konkurrenz. - Foto: Janda
Riedenburg

Die Kandidatenrolle scheint Fritz Mathes zu liegen. Mit sichtlichem Elan präsentierte der Bewerber der Freien Wähler in der Dreiburgenstadt sein Programm - und das, obwohl er mittlerweile seit Wochen auf Rundreise durch den Landkreis ist und einen Termin nach dem anderen absolviert. Insgesamt sind es 45 Auftritte. "Mehr sind zeitlich leider nicht machbar", bedauerte Mathes. Doch das große Ziel, am 18. September beziehungsweise bei der Stichwahl am 2. Oktober den Chefsessel im Landratsamt zu erobern, lohnen aus seiner Sicht all die Mühen. "Dieser Landkreis ist es wert, als Landrat zu kandidieren", versicherte er den Zuhörern. Dass gerade mal acht Bürger, darunter einige frühere FW-Stadträte, seine Ideen und Vorstellungen hören wollten, fand Mathes schade. "Doch das ist keine optimale Wahlkampfzeit", wusste er.

Nichtsdestotrotz stürzt sich der zweifache Familienvater und frühere Kelheimer Bürgermeister ebenso wie seine sechs Mitbewerber in die anstehenden Wochen bis zum Urnengang. Nach Riedenburg kehrt er gerne zurück; immerhin hatte seine berufliche Anfangszeit den Sparkassenbetriebswirt bereits in die Dreiburgenstadt geführt. Und auch heute kommt der passionierte Rennradfahrer, der auch beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim unterwegs war, immer wieder mal durch Riedenburg und dessen Ortsteile.

Politisch ist das Programm des FW-Kandidaten breit gefächert. Besonders am Herzen liegt ihm allerdings eine intensivere Wirtschaftsförderung, die sich aus seiner Sicht positiv auf viele Bereiche des Landkreises auswirken würde. "Bisher haben wir auf diesem Gebiet zu viele Einzelkämpfer, die nicht zusammensitzen", erklärte er und kündigte an, als Landrat "einige Stellschrauben nachzujustieren". Der Tourismus kann seinen Worten zufolge ebenso von solchen Schritten profitieren wie die Arbeitnehmer. "Denn wir können weitere Unternehmen bei uns ansiedeln", betonte er. Voraussetzung dafür sei die Zusammenarbeit aller zuständigen Verbände und Behörden.

Ein klares Bekenntnis legte Mathes zum Erhalt der beiden Kliniken in Kelheim und Mainburg ab - trotz der hohen Defizite. Dabei geht es für ihn nicht allein um die Gesundheitsvorsorge. "Die Kliniken sind auch Standortfaktoren für Firmen", erinnerte er. Eine Absage erteilt Mathes, der auch Kreisvorsitzender der Freien Wähler ist, hingegen den vom Bund forcierten Stromtrassen. "Solange kein Gutachten die Notwendigkeit belegt, sage ich Nein", stellte er unmissverständlich klar. Und auch die Entscheidung für einen Neubau des Landratsamts, der im Herbst fertig werden soll, wurmt den Kelheimer noch immer. "Ihr Wille ist damals missachtet und mit Füßen getreten worden", erinnerte er an den Bürgerentscheid für eine Sanierung des Landratsamts. Kritik übte er dafür an der CSU, die seinen Worten zufolge die Frist des Entscheids einfach ausgesessen hat.

Überhaupt sind die Christsozialen und deren Kandidat Martin Neumeyer eines seiner Lieblingsthemen. Den Abensberger würde Mathes auch in den nächsten Jahren weiterhin am liebsten im Landtag sehen. "Denn diese Position ist wichtig für den Landkreis." Dass Neumeyer nun Landrat werden will, konnte der FW-Kandidat hingegen nicht nachvollziehen. "Denn er ist uneins mit sich selbst." Ein Beispiel: Noch im April habe der CSU-Bewerber eine Bestandsgarantie für beide Kliniken abgelehnt, zitierte Mathes aus Zeitungsartikeln. "Doch wenig später gab es von ihm und der CSU ein klares Bekenntnis für beide Krankenhäuser." Gleichzeitig wirft er seinem Konkurrenten vor, mit einem geplanten Blaulichtempfang im Gerätehaus in Neustadt erreicht zu haben, dass kommunale Gebäude nun für Wahlkampfveranstaltungen tabu sind. "Der Zeitpunkt war dafür der falsche", so Mathes.

Dass er selbst nach der verlorenen Bürgermeisterwahl in Kelheim vor zwei Jahren gegen den Sozialdemokraten Horst Hartmann oft als Wahlverlierer bezeichnet wird, wollte Mathes ebenfalls nicht auf sich sitzen lassen. "Denn Martin Neumeyer hat zwei Landratswahlen verloren."