Riedenburg: Mehr Mut und weniger Zweifel
Seine Richtung ist klar: Martin Neumeyer, Landratskandidat der Christsozialen, will Kelheim nach vorne bringen. Seine Ideen stellte der Landtagsabgeordnete jetzt in Riedenburg vor. - Foto: Janda
Riedenburg

Martin Neumeyer hat übrigens auch Ideen für den Landkreis Kelheim. Nur geriet das bei der Wahlveranstaltung in der Dreiburgenstadt zumindest zeitweise etwas in Vergessenheit. Denn die 17 Zuhörer wollten den CSU-Kandidaten zwischenzeitlich lieber in seiner Funktion als Integrationsbeauftragter der Staatsregierung hören - das Stichwort ist die Flüchtlingskrise, die in den Köpfen noch immer düstere Szenarien auslöst.

Doch wie erwähnt: Neumeyer hat weitaus mehr zu sagen, als der politische Alltag in München vermuten lässt. Knapp eine Stunde lang zeichnete er im Wirtshaussaal seine Vision von einem zukunftsfähigen Landkreis Kelheim, für den er sich in nahezu allen Bereichen einfach ein bisschen mehr vorstellt. Dass es dem Landtagsabgeordneten, der seit zwei Jahren auch stellvertretender Landrat ist, trotz seiner mittlerweile 61 Jahren nicht an frischen Ideen und Elan mangelt, merkten die Zuhörer schnell. Von einer kleinen Landesgartenschau über die Förderung für Start-up-Unternehmen und die Einführung bedarfsorientierter Lösungen im Personennahverkehr bis hin zu einem Seniorenparlament - die Einfälle sprudelten nur so aus dem Kandidaten heraus. "Wir müssen uns trauen und diesen starken Landkreis noch stärker machen", forderte er.

Dass einige seiner Vorschläge alles andere als neu sind, sieht Neumeyer nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil: Zum Amüsement der Besucher holte der Christsoziale seinen Prospekt aus dem Wahlkampf im Jahr 1998 hervor, der in Teilen noch erstaunlich aktuell ist. Unter anderem sein Vorschlag, im Landkreis Anrufsammeltaxis oder Rufbusse einzuführen, dürfte mit dem neuen Nahverkehrsplan 18 Jahre später Realität werden. "Wir brauchen solche Angebote, weil wir alle älter werden und weil wir trotzdem aktiv bleiben wollen", forderte er. Auch kabelloses Internet in den Bussen hält Neumeyer für unverzichtbar. Das brauche sicher nicht jeder, gab er zu. "Aber unsere vielen Touristen wollen das haben."

Dass er nach 1998 und 2010 nun schon zum dritten Mal als Landrat kandidiert, sieht der CSU-Bewerber keineswegs als Nachteil. "Der Vorteil ist doch, dass ich mittlerweile jedes Wirtshaus im Landkreis kenne", warf er scherzhaft in den Raum, um aber gleich wieder ernst zu werden. Seine enorme politische Erfahrung aus 32 Jahren im Abensberger Stadtrat und im Kreistag sowie 13 Jahren im Landtag und zuvor fünf im Bezirkstag wertet er als beste Wahlempfehlung. "Ich habe den Zugang zur Landespolitik und weiß, wie ein Ministerium funktioniert", erinnerte der Parlamentarier, der seit 2009 der erste Integrationsbeauftragte der Staatsregierung ist. Hürden in München kenne er kaum, "für den Landkreis ist das doch keine schlechte Sache".

Solche Barrieren will Neumeyer auch in Kelheim einreißen. "Bisher waren neue Ideen oft ohne Chance", erinnerte er an die Blockadehaltung in vielen Köpfen. "Doch wir dürfen trotzdem nicht aufhören, uns zu verbessern." Ansetzen will er unter anderem bei den Schulen, in denen in den vergangenen Jahren aus seiner Sicht viel passiert ist. Dazu setzt er sich als Ziel, neue Berufsfelder im Landkreis zu erschließen und diesen dadurch dauerhaft attraktiv für junge Leute zu machen. Ein Baustein in diesem Plan sind auch die beiden Kliniken in Kelheim und Mainburg, zu denen Neumeyer trotz der Defizite deutlich ja sagt. "Doch wir brauchen dort mehr Geduld", forderte er die nötige Zeit für langfristige Verbesserungen.

Und dann geht es natürlich auch um die Flüchtlingskrise, die den Landkreis nach wie vor betrifft. "Es werden sicher wieder mehr Asylbewerber kommen", prophezeite Neumeyer. Einen Masterplan für die hiesigen Gemeinden und damit auch für die Situation in Riedenburg hat der Abensberger allerdings nicht. "Die Leute sind da und wir müssen sie unterbringen", stellte er nüchtern fest, verschwieg aber nicht die aus seiner Sicht mangelhafte Solidarität unter den europäischen Ländern.