Mein: "Ich will hören, was die Leute wollen"
Er fordert Offenheit und Transparenz: Stephan Schweiger will für die SPD den Posten des Kelheimer Landrats erobern. Der 43 Jahre alte Metallbaumeister aus Stausacker ist unter anderem stellvertretender Kreisvorsitzender seiner Partei. - Foto: Janda
Mein

Der 43-Jährige sitzt am heimischen Esstisch. Der Ort, den er sich ganz bewusst für das Gespräch mit unserer Zeitung ausgesucht hat. "Hier ist die Atmosphäre am lockersten", sagt er über den hellen Raum. Während draußen in der Sommerhitze Mückenschwärme herumschwirren, geht es drinnen um die große Kreispolitik und Schweigers Ziele für die nächsten Jahre. Ein Kontrast, mit dem es der SPD-Kandidat derzeit öfter zu tun bekommt. Denn während er sich als Ortssprecher von Stausacker unter anderem mit der Mückenplage in dem 100-Einwohner-Dorf bei Kelheim beschäftigen muss, tourt der zweifache Vater, der mit seiner Lebensgefährtin Claudia in dem kleinen Ort an der Donau wohnt, für den Wahlkampf bereits durch den gesamten Landkreis. Dass er mitunter massiven Nachholbedarf hat, weiß der Metallbaumeister, der bei einer Kelheimer Firma arbeitet, nur zu gut. Denn trotz seiner Arbeit als stellvertretender Kreisvorsitzender der Sozialdemokraten ist Schweiger vielerorts noch recht unbekannt. Ein Umstand, den er rasch ändern will.

Ganz anders im Landkreis: Riesigen Reformbedarf sieht der SPD-Bewerber dort momentan nicht. "Wir stehen wirtschaftlich und touristisch doch nicht schlecht da", findet er und weiß: "Der Landkreis boomt." Die hohe Verschuldung von rund 30 Millionen Euro sieht er daher keineswegs als unlösbare Aufgabe. Mit einer Drosselung der Ausgaben und einer Steigerung der Einnahmen sei der Berg an Verbindlichkeiten nach und nach abzubauen. Auf keinen Fall will Schweiger hingegen die Kommunen über eine Erhöhung der Kreisumlage schröpfen. "Egal ob Kelheim, Mainburg oder Riedenburg: Die Gemeinden haben schon genug Aufgaben", stellt er unmissverständlich klar.

Schweiger kennt die Sorgen und Nöte der Kommunen aus seiner Arbeit als Ortssprecher. Seit acht Jahren gehört er dem Kelheimer Stadtrat in dieser Funktion an. Und obwohl er erst damals der SPD beitrat, fühlt er sich heute als Genosse durch und durch. "Mittlerweile ist die Politik mein größtes Hobby", meint der frühere Fußballer der SpVgg Weltenburg. Durch die Arbeit im Kreisvorstand der Sozialdemokraten hat sich Schweiger zudem in komplexere Themenbereiche eingearbeitet. Die Bewältigung der Asylkrise ("Hier haben sich einige Kommunen zuletzt zu sehr gesträubt") zählt für ihn ebenso zu den Aufgaben der Zukunft wie die Sicherheit im Landkreis ("Die zunehmende Zahl der Einbrüche ist bedenklich") und die Förderung des Ehrenamts - als Vorsitzender der Feuerwehr Stausacker weiß Schweiger um die Sorgen der Hilfsorganisationen.

Ein klares Ja gibt es vom Bewerber der SPD zu den beiden Krankenhäusern. Obwohl die Kliniken in Kelheim und Mainburg seit Jahren nur dank satter Zuschüsse aus dem Kreisetat überleben, hält er sie für unverzichtbar. "Und zwar in öffentlicher Hand." Einzig die Wertschätzung und letztlich auch die finanzielle Unterstützung der großen Politik muss aus seiner Sicht zunehmen.

Doch wo sieht Stephan Schweiger die Aufgaben der Zukunft? "Da kann ich nur sagen: Eine Aufgabe ist genauso wichtig wie die andere." Freilich sieht er einzelne Baustellen, etwa den maroden B-Bau der Goldberg-Klinik oder eine Turnhalle für die FOS/BOS. Das Rad neu erfinden will er allerdings nicht. Schon jetzt gebe es im Landkreis zahlreiche Konzepte, "da stehen gute Sachen drin, die sich umsetzen lassen". Die von Berlin geforderte Zunahme der Elektromobilität ist so ein Thema, das er anpacken will. Oder das seit Langem diskutierte Gymnasium für Neustadt. "Sollte sich zeigen, dass diese Schule notwendig ist, werde ich dafür kämpfen", verspricht er.

So positiv sein Blick auf die Amtszeit des scheidenden Landrats Hubert Faltermeier auch ausfällt - und hier meint Schweiger ausdrücklich die Person des Kreischefs -, ein Haar in der Suppe gibt es aus seiner Sicht trotzdem. Für zu intransparent hält er viele der politischen Vorgänge im Kelheimer Land, zu wenig Informationen darüber kämen an die Öffentlichkeit. Aus diesem Grund will er nicht nur seine Einkünfte als Landrat offenlegen und den Menschen möglichst viel Information bieten. "Ich will auch ein Landrat auf Augenhöhe sein - nicht nur für die Bürger, sondern auch im Umgang mit den Kreisräten", betont er. "Ich will hören, was die Leute wollen." Dass er als SPD-Politiker ohne Mehrheit im Kreistag auskommen muss, schreckt Schweiger nicht ab. Ein Landrat sei ohnehin eher überparteilich zu sehen.

An Selbstbewusstsein für die kommenden Aufgaben mangelt es dem 43-Jährigen jedenfalls nicht. Auch nicht bei der Prognose zum Wahlausgang. "Ich gehe nicht davon aus, dass das eine eindeutige Sache wird", sagt er und erwartet eine Stichwahl. Mit wem? Er zuckt mit den Schultern. "Außer mir? Das weiß ich nicht."