Der Landkreis Kelheim bekommt einen neuen Landrat. Am nächsten Sonntag haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl zwischen sieben Kandidaten – und damit so vielen wie noch nie. Sechs Männer und eine Frau konkurrieren um das höchste politische Amt zwischen Altmühltal und Hallertau. Allein schon wegen der Anzahl der Bewerber dürfte alles andere als eine Stichwahl eine Überraschung darstellen. Wahlberechtigt sind gut 93 000 Menschen.
 


Die Favoritenrolle unter den sieben Kandidaten nimmt dabei zweifellos Martin Neumeyer ein. Der 61 Jahre alte Landtagsabgeordnete von der CSU zählt als Integrationsbeauftragter der Staatsregierung zu den politischen Schwergewichten im Freistaat. Wer dem Abensberger die größten Probleme bereiten wird, zählt zu den spannendsten Fragen des Wahltags. Der frühere Kelheimer Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wähler) und der ehemalige Vize-Landrat Alois Schweiger (Stadt-Land- Union) dürfen sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf den Chefsessel im Landratsamt machen. Und auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Stephan Schweiger könnte am Wahlabend für eine Überraschung gut sein. Allenfalls Außenseiterchancen dürften unterdessen Birgit Wack (ÖDP), Heinz Kroiss (FDP) und Fritz Zirngibl (Bayernpartei) haben.
 
Gleichzeitig ist mit der Wahl des neuen Kreischefs die Ära Hubert Faltermeier so gut wie vorbei. Anfang November wird der Politiker aus den Reihen der Freien Wähler nach insgesamt 24 Jahren im Amt sein Büro im Landratsamt an seinen Nachfolger übergeben. Faltermeier, dessen Vater Rudolf für die SPD zwischen 1967 und 1978 den Ton im Landkreis angab, hatte sich im September 1992 in der Stichwahl gegen den heutigen CSU-Fraktionschef im Kreistag, Wolfgang Gural, durchgesetzt. Nun verlässt mit dem gebürtigen Weltenburger und promovierten Juristen der Landrat mit der längsten Amtszeit in Kelheim die politische Bühne.
 
An Aufgaben mangelt es seinem Nachfolger allerdings nicht. Massive Investitionen in die Bildung haben einen millionenschweren Schuldenberg anwachsen lassen, die Krankenhäuser zählen zu den Sorgenkindern, die Integration von Flüchtlingen ist ein Dauerbrenner. Wer sich diesen Problemen stellen muss, entscheidet nun der Wähler.