Seine: "Ich will ein überparteilicher Landrat sein"
Sein Blick geht nach vorne: Fritz Mathes sieht sich nach zwölf Jahren als Kelheimer Bürgermeister bestens für die Aufgabe als Landrat gerüstet. Der Kandidat der Freien Wähler setzt dabei vor allem auf ein Miteinander aller Beteiligten. - Foto: Janda
Kelheim

Sein Blick schweift über die Dächer, die hinter dem dichten Grün hervorlugen. Als Gesprächsort hat sich der FW-Kreisvorsitzende Mathes die heimische Terrasse am Kelheimer Südhang ausgesucht. "Wir haben eine wunderschöne Landschaft, deshalb bin ich in meiner Freizeit am liebsten draußen", erklärt der leidenschaftliche Hobbysportler, der mit seinem Rennrad mittlerweile sämtliche Ecken des Kreisgebiets erkundet hat. Aus diesem Grund will er als Landrat auch die Wertschätzung für die Menschen erhöhen, die sich um die Natur kümmern. "Das wird leider oftmals vergessen."

Obwohl seine Zeit als Bürgermeister eine wesentliche Rolle für seine Kandidatur spielt, blickt Fritz Mathes nicht gerne zurück. "Ich will nach vorne schauen", sagt er und meint damit die Zukunft des Landkreises, die er in den nächsten Jahren an vorderster Stelle gestalten will. Dass er sein Amt als Bürgermeister nach der Wahlniederlage gegen den Sozialdemokraten Horst Hartmann vor gut zwei Jahren abgeben musste, ist für ihn längst nur noch eine Randnotiz. Bei seinem Blick nach vorne richtet sich der Fokus des zweifachen Familienvaters auch auf die Fülle an Aufgaben im Landkreis. Dazu zählt er etwa die Wirtschaftsförderung, die seiner Meinung nach gut läuft, aber auf zu viele Stellen verteilt ist. Den Ausbau der B 16 zwischen Bad Abbach und Abensberg hält Mathes ebenfalls für erforderlich - zumal er bereits als Bürgermeister dafür plädiert hatte. Eine Absage erteilt er hingegen leeren Wahlkampfversprechen. Das gilt etwa für die Forderung nach einem Gymnasium in Neustadt. "Wenn die Prognosen die Schule rechtfertigen, bin ich dafür", sagt er. Aber erst dann.

Ein Thema, das längst abgeschlossen ist, Mathes aber noch immer gewaltig wurmt, ist der Neubau des Landratsamts im Kelheimer Donaupark. Nicht etwa, weil er nicht liebend gerne in das neue Gebäude einziehen würde. Vielmehr stört ihn, dass die Mehrheit im Kreistag den eindeutigen Bürgerentscheid für eine Sanierung mit zusätzlichem Anbau ignoriert und damit auch die Chance auf satte Fördermittel vertan hat. "Die CSU hat das doch einfach ausgesessen und dann den Antrag auf Neubau gestellt." Er selbst stimmte deshalb vor mittlerweile mehr als vier Jahren mit Nein. Und dazu stehe er noch heute, sagt der Kandidat der Freien Wähler.

Als Landrat will Mathes aber nicht auf den Vorgängen von damals herumreiten. "Im Kreistag soll eine Stimmung des Miteinanders herrschen", betont er und nennt das gleiche Ziel für den Umgang mit den Kommunen. "Wir sind doch 24 Gemeinden und ein Landkreis - und wir sitzen alle in einem Boot." Mit den Freien Wählern im Kreistag in der Minderheit zu sein, fürchtet er daher nicht. "Ich will ein überparteilicher Landrat sein." Denn in der Kommunalpolitik hat parteipolitisches Konkurrenzdenken aus seiner Sicht nichts zu suchen. Ein Vorbild ist da für ihn Amtsinhaber Hubert Faltermeier. "Er hat 24 Jahre lang eine sehr gute Arbeit geleistet." Dass sein Parteifreund nun die Aufgabe des Wahlleiters übernommen hat, vor dem Urnengang also zu absoluter Neutralität verpflichtet ist und deshalb als Helfer im Wahlkampf ausfällt, stört Mathes indes nicht. Ganz im Gegenteil: "Uns kann niemand etwas nachsagen", erklärt er und gewinnt Faltermeiers Entscheidung etwas Positives ab: "Ich bin nicht der Nachfolger, der schon vorher positioniert wird."

Dass der Amtsinhaber dem neuen Landrat einen Berg an Verbindlichkeiten von rund 28 Millionen Euro hinterlässt, sieht Mathes auch nicht als Problem. "Die Schulden sind nicht niedrig, gehen aber auch nicht über alle Grenzen hinaus", findet er und erinnert an seine Zeit als Bürgermeister, in der er die Schulden der Kreisstadt ebenfalls deutlich herunterfuhr. Natürlich weiß er aus dieser Zeit, wie unpopulär eine Erhöhung der Kreisumlage in den Rathäusern ist. Doch eine Absage erteilt er diesem Schritt dennoch nicht. "Das muss sich nach der Haushaltslage richten und entscheidet sich von Jahr zu Jahr." Eine Rolle spielen dabei auch die beiden Krankenhäuser, die Mathes als Standortfaktoren sieht und auf jeden Fall erhalten will. Doch wo liegt die Schmerzgrenze bei den kränkelnden Kliniken? "Das ist abhängig von der Leistungsfähigkeit des Landkreises - und noch ist er leistungsfähig."

Bei der Wahl am 18. September erwartet Mathes noch keinen klaren Sieger. "Wenn das einer ohne Stichwahl schafft, dann Hut ab", findet er, ohne allerdings groß auf seine sechs Mitbewerber einzugehen. Nur zu einem sagt er etwas mehr: "Martin Neumeyer ist als Landtagsabgeordneter gewählt, das macht er gut." Mathes macht eine kurze Pause. "Und das soll er auch bleiben."