Kelheim: Martin Neumeyer soll Landrat werden
Vom Maximilianeum ins Kelheimer Landratsamt? Der Landtagsabgeordnete Martin Neumeyer soll für die CSU das höchste politische Amt im Kreis erobern.
Kelheim

Was wurde nicht alles spekuliert in den vergangenen Wochen und Monaten. Zahlreiche Namen kamen bei den Christsozialen zur Sprache. Doch wer für die mächtige CSU das Landratsamt nach fast einem Vierteljahrhundert von den Freien Wählern zurückerobern soll, schien auch nach der Klausur in Riedenburg völlig offen. Jetzt dürfte es wohl doch auf den Vorsitzenden zulaufen. Martin Neumeyer wollte sich gestern auf Nachfrage zwar nicht äußern, doch hinter den Kulissen sind die Weichen längst gestellt.

Der Abensberger hat lange mit sich gerungen, ob er wirklich antreten soll. Seit Monaten ist der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung einer der gefragtesten Politiker im Freistaat und darüber hinaus. Er gilt in den Tagen der Flüchtlingskrise als einer der Experten in Fragen der Integration. Ministerpräsident Horst Seehofer kann sich auf seinen Fachmann verlassen. Doch da gibt es noch den anderen Martin Neumeyer, der in der Kommunalpolitik zu Hause ist. Seit 1984 sitzt er im Stadtrat seiner Heimatstadt und im Kelheimer Kreistag. Sein erstes politisches Amt war von 1998 bis 2003 das eines Bezirksrats von Niederbayern. Zweimal nahm der Vorsitzende des CSU-Kreisverbands Anlauf, um das Landratsamt zu erobern. 1998 und 2010 scheiterte er jeweils deutlich an Amtsinhaber Hubert Faltermeier (FW).

Nun also ein dritter Versuch? Lange sah es so aus, als ob sich der mächtige CSU-Boss diesmal heraushalten will. Schließlich nehmen ihn inzwischen Aufgaben auf höherer politischer Ebene in Beschlag. Erst vor wenigen Monaten bezog er in seiner Funktion als Integrationsbeauftragter sein neues Büro in der Münchner Prinzregentenstraße. Von dort sind es keine zehn Minuten zu Fuß bis zur Staatskanzlei und damit zum Ministerpräsidenten. Und doch blieb Neumeyer immer tief verwurzelt in seiner Heimat. Auch jenseits der Politik übernahm er Verantwortung. So ist er zum Beispiel Vorsitzender der Abensberger Spargelerzeugergemeinschaft, obwohl er selbst kein Feld besitzt.

An pfiffigen Ideen mangelte es dem politischen Tausendsassa nie. So organisiert er seit vielen Jahren ein Benefizkochen, bei dem jährlich zwei Teams aus dem Landkreis gegeneinander antreten. Der Erlös geht an einen guten Zweck. Erst vor wenigen Tagen war der 61-Jährige, der nichts von seinem jugendlichen Schalk eingebüßt hat, Gastgeber beim Prinzenpaarfrühstück im Kursaal von Bad Gögging. Als CSU-Kreisvorsitzender organisiert er jedes Jahr den Politischen Donnerstag nach dem Aschermittwoch, bei dem er grundsätzlich nur Frauen ans Mikrofon lässt. Beim Politischen Gillamoos gelingt es ihm regelmäßig, die "ganz großen Tiere" bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Aventinusstadt zu locken.

Angesichts seiner vielfältigen Aufgaben in der Heimat und auch in der großen Politik hatte Neumeyer das Amt des Landrats, für das er vor einigen Jahren noch so sehr brannte, ein wenig aus den Augen verloren. Im Mai 2014 wurde er zum Vize-Landrat gewählt. Auch das war eine Überraschung. Daher wunderte es nicht, dass sich der 61-Jährige lange Zeit zierte, am 18. September noch einmal anzutreten. Ihren Kandidaten wollte die CSU eigentlich nach einer Klausurtagung der Parteispitze und der Kreistagsfraktion am 23. Januar im Riedenburger Ortsteil Buch präsentieren. Doch der Termin platzte. Vielleicht auch deshalb, weil mit dem mächtigen Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gural ein wichtiger Mann bei diesem Treffen urlaubsbedingt fehlte. Die CSU werde einen Kandidaten präsentieren, hieß es da aus dem Mund des Parteichefs.

Wer oder was Martin Neumeyer am Ende umgestimmt hat, bleibt zunächst im Dunkeln. Auf Nachfrage wollte er sich gestern nicht definitiv äußern. In den entscheidenden Parteigremien sind dem Vernehmen nach die Würfel schon gefallen. Alles andere als eine Kandidatur von Martin Neumeyer wäre eine Überraschung. Heute Abend wird der CSU-Chef seine Entscheidung beim Politischen Donnerstag in Abensberg offiziell bekannt geben.