Riedenburg: Wolfgang Gural ist neuer Vize-Landrat
Landrat Martin Neumeyer (l.) nahm seinem neuen Stellvertreter Wolfgang Gural den Amtseid ab.
Janda
Kelheim
Die Wahl bot gleich mehrere Kuriositäten. Dazu zählt nicht nur die Tatsache, dass im entscheidenden Wahlgang sieben Stimmen ungültig waren. Auch die Art und Weise, mit der Andreas Fischer von der Stadt-Land-Union aus dem Rennen um den Vizeposten ausschied - nämlich per Losentscheid -, ist alles andere als alltäglich. Nachdem der ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete und Josef Egger im ersten Wahlgang beide auf 15 Stimmen gekommen waren, musste der Zufall entscheiden. Das Los, das Monica Brandl aus dem Mitarbeiterstab des Landratsamts zog, fiel schließlich auf den früheren Mainburger Bürgermeister.

Eine Stimme im ersten Durchgang der geheimen und schriftlichen Wahl war auf den Langquaider Rathauschef Herbert Blaschek (CSU) entfallen. Bereits 25 Kreisräte hatten für Wolfgang Gural gestimmt.

Zuvor hatten die Fraktionen ihre Kandidaten in Stellung gebracht. Nachdem CSU und Freie Wähler bereits in der Vorwoche ihre Bewerber präsentiert hatten, war der Vorschlag der Stadt-Land-Union ein wohl gehütetes Geheimnis geblieben. Bis Fraktionssprecher Josef Reiser den Abensberger Fischer ins Rennen schickte. Der Kreisrat, der erst seit einigen Monaten Mitglied der SLU ist, war zehn Jahre lang Abteilungsleiter im Landratsamt, fünf Jahre im Landtag und ist jetzt Richter am Verwaltungsgericht. "Durch diesen juristischen Sachverstand wäre er ein guter Ratgeber", betonte Reiser. Politische Erfahrung bescheinigte die stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Petra Högl auch dem Kandidaten ihrer Partei. "Wolfgang Gural ist seit 1990 im Kreistag und seit 25 Jahren Fraktionssprecher." Diese Erfahrung und Kontinuität zeichnet den Abensberger Unternehmer ihren Worten zufolge ebenso aus "wie sein Wille zu überparteilicher Zusammenarbeit".

Kelheim: Wolfgang Gural ist neuer Vize-Landrat
Der Kelheimer CSU-Stadtrat Raimund Fries wurde als Kreisrat vereidigt. Er rückt für den neuen Landrat Martin Neumeyer (CSU) nach.
Stefan Janda
Kelheim

Jörg Nowy erinnerte als Fraktionssprecher der Freien Wähler an die bisherige politische Tätigkeit von Josef Egger. Dieser arbeite nicht nur seit Jahren als Dritter Landrat, zuvor war er zudem mehrere Perioden lang Bürgermeister von Mainburg. "Er bringt die nötige Erfahrung für dieses repräsentative Amt mit." Gleichzeitig erinnerte der Essinger Rathauschef an die vom Wähler bestimmte Sitzverteilung im Kreistag. "Dass bei fünf Landräten drei aus einer Fraktion kommen, spiegelt das Verhältnis nicht wider", betonte er. Bisher sei es Usus im Kreis Kelheim gewesen, dass aus der stärksten Fraktion, die nicht den Landrat stellt, der erste Stellvertreter kommt. "Wir haben das in der Vergangenheit unterstützt", erinnerte er auch an das Jahr 2014, als Martin Neumeyer Vize-Landrat wurde. Nach dessen Wahl an die Kreisspitze würde der Posten daher den Freien Wählern zustehen.

Doch das sahen neben den zehn FW-Vertretern lediglich zwölf weitere Kreisräte so. Selbst mit den sieben ungültigen Stimmen hätte Josef Egger nicht den Sieg davongetragen, sondern lediglich eine erneute Pattsituation herbeigeführt - und damit einen weiteren Losentscheid. Nachdem mit Uwe Brandl und Rupert Treitinger von der CSU sowie dem parteilosen Reinhard Listl drei Kreisräte fehlten, wäre das theoretisch möglich gewesen.

Offen bleibt unterdessen, ob zu den sieben ungültigen Wahlzetteln auch die Stimmen der sechs SLU-Räte gezählt haben. Und ob diese den zweiten Wahlgang nach dem unglücklichen Aus für ihren Kandidaten Andreas Fischer auf diese Weise boykottiert haben.