Kelheim: Wer wird die neue Nummer zwei?
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Kelheim

Die Ambitionen der Christsozialen sind längst kein Geheimnis mehr. Die mit 21 Mitgliedern größte Fraktion im Kelheimer Kreistag besteht nach dem Aufstieg von Martin Neumeyer weiterhin darauf, den stellvertretenden Landrat zu stellen. Dabei könnte dem Vernehmen nach ein erfahrener CSU-Politiker das Rennen machen, genauer gesagt ein Bürgermeister. Öffentlich bestätigen will das zwar niemand, hinter vorgehaltener Hand macht diese Lösung allerdings die Runde. Den Kreis der Aspiranten würde das natürlich einschränken. Aussichtsreiche Kandidaten: der Langquaider Rathauschef Josef Blascheck, den viele bereits für das Amt des Landrats gefordert hatten, und der Abensberger Bürgermeister und Gemeindetagspräsident Uwe Brandl - beide erfahrene Kreisräte. Das Riedenburger Gemeindeoberhaupt Siegfried Lösch dürfte nach zwei Jahren im Gremium allenfalls Außenseiterchancen haben.

Der designierte Kreischef hält die Diskussionen indes für verfrüht. "Es ist überhaupt keine Eile geboten", meint Martin Neumeyer. "Wir haben bis zur Kreistagssitzung am 7. November noch genügend Zeit." Wen er selbst für seine Nachfolge als Nummer zwei im Landkreis bevorzugen würde, lässt Neumeyer offen. "Die 60 Namen der Kreistagsmitglieder sind ja bekannt", sagt der CSU-Politiker aus Abensberg nur.

Eine zentrale Rolle bei der Suche nach seinem ersten Stellvertreter spielt zwangsläufig der Sprecher der größten Fraktion, Wolfgang Gural. Doch außer ein paar Zahlenspielen hat er derzeit nicht viel anzubieten. Nach eigener Aussage gab es noch keine Gespräche über die Personalie. "Zusammen mit den drei Kreisräten der Jungen Liste und dem Landrat kommen wir auf 25 Stimmen", so Gurals Rechnung. Daher wird er sich mit mindestens einer der beiden weiteren großen Fraktionen, also Freie Wähler (zehn Mandate) oder SPD (neun) an einen Tisch setzen müssen.

Der CSU-Fraktionschef verweist allerdings auf Absprachen vom Beginn der Wahlperiode, als man sich mit den beiden anderen Fraktionen darauf verständigt hatte, dass der größten Fraktion auch der erste Stellvertreter zustehe. "Ich hoffe, daran erinnert man sich noch", so Gural in Richtung der damaligen Partner. Bekanntlich stellte die CSU mit Martin Neumeyer den ersten Vize, die Freien Wähler mit dem Mainburger Josef Egger die Nummer zwei und die Sozialdemokraten mit dem Kelheimer Heinz Reiche die Nummer drei. Dazu kam noch die Mainburger CSU-Bezirksrätin Hannelore Langwieser als Frau in diesem Quartett.

Ob diese Absprache heute noch gilt, ist jedoch nicht ausgemacht. Josef Egger, bisher zweiter Stellvertreter des Landrats, verweist auf die nach der Wahl Neumeyers völlig veränderte Konstellation an der Spitze des Landkreises. "Das ist ein Denkfehler. Bisher stellten die Freien Wähler den Landrat, jetzt die CSU, das ist schon eine ganz andere Ausgangsposition", sagt der ehemalige Mainburger Bürgermeister, betont allerdings, dass das seine persönliche Meinung ist.

Heinz Reiche winkt hingegen frühzeitig ab. "Ich bin schon gefragt worden", sagt der dritte Stellvertreter des Landrats. Doch einen Aufstieg strebt der frühere Bürgermeister von Kelheim nicht an. "Meine jetzige Aufgabe genügt mir vollkommen", sagt er, "das würde ich daher gerne weitermachen."

Hannelore Langwieser, der bereits zu Beginn der Wahlperiode Ambitionen auf den ersten Stellvertreterposten nachgesagt wurden, gibt sich unterdessen zugeknöpft. "Das sollen Martin Neumeyer und die gesamte Fraktion entscheiden", so die Mainburger Vize-Bürgermeisterin. "Ich werde auf gar keinen Fall hier den Kopf rausstrecken." Die stellvertretende CSU-Kreischefin sieht aber keinen Grund, warum der Vize-Posten nun nicht mehr ihrer Partei zustehen sollte.

Bei den beiden größten Fraktionen nach den Christsozialen wird die Stellvertreterfrage kommende Woche auf der Agenda landen, wie die Sprecher Jörg Nowy (FW) und Willi Dürr (SPD) gegenüber unserer Zeitung bestätigen. "Möglich wäre viel", sagt der Essinger Bürgermeister Nowy zu den Wünschen seiner Gruppierung. Details dazu werden jedoch erst die weiteren Gespräche zeigen - auch die mit den anderen Fraktionen. Die Ambitionen der CSU auf den Vize-Posten sind Nowy unterdessen bekannt. Sowohl er als auch Dürr halten allerdings auch eine Rückkehr zu drei Stellvertretern für denkbar - so wie bis vor zwei Jahren üblich. "Das wäre zumindest zu überlegen", findet der SPD-Sprecher, der damit aber nicht den internen Beratungen vorgreifen will.

Nach der herben Niederlage ihres Landratskandidaten Alois Schweiger hält sich die Stadt-Land-Union aus der Diskussion völlig heraus. "Wir wurden schon 2010 nicht mehr berücksichtigt, also mischen wir auch diesmal nicht mit", sagt Fraktionssprecher Josef Reiser, der seinen Blick nach vorne richten will. "Wir schauen optimistisch in die Zukunft. Wir sind mit unserem neuen Fraktionsmitglied Andreas Fischer sehr gut aufgestellt für die nächste Kommunalwahl und sollten uns darauf konzentrieren."

Wenig Mitspracherecht erwarten auch die Grünen und Vertreter der ÖDP. "Das machen wohl die größeren Fraktionen unter sich aus", sagt Grünen-Sprecher Richard Zieglmeier. Seine Fraktion werde sich Ende Oktober bei der Klausur des Kreisverbands Gedanken über diese Personalie machen. Bei der ÖDP haben die Beratungen laut Peter-Michael Schmalz unterdessen schon begonnen - auch die mit anderen Parteien. "Wir haben uns mit einigen Gruppierungen unterhalten", sagt der Fraktionssprecher, ohne jedoch Details zu verraten. Auf die Frage nach einer erneuten Kandidatur seiner Parteifreundin Annette Setzensack, die vor zwei Jahren gegen Martin Neumeyer angetreten war, schweigt Schmalz. "Uns geht es um eine gute Zusammenarbeit", sagt er schlicht. Alles andere sei eine Sache von Mehrheiten.