Kelheim: Überraschender Triumph und herbe Niederlagen
Ein Schluck auf den neuen Landrat: Martin Neumeyer (2.v.r.) stieß am Sonntagabend mit Amtsinhaber Hubert Faltermeier (von links), FW-Kandidat Fritz Mathes, Alois Schweiger von der SLU und dem Bayernpartei-Bewerber Fritz Zirngibl an. - Foto: Schmied
Kelheim

Die Überraschung ist selbst einen Tag nach dem Wahlerfolg des Abensbergers noch nicht endgültig verdaut. "Ich hätte eine Stichwahl erwartet", sagt der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende und Riedenburger Bürgermeister Siegfried Lösch. Dass es für Neumeyer mit 51,3 Prozent letztlich im ersten Wahlgang geklappt hat, sei aber umso erfreulicher - zumal es insgesamt sieben Kandidaten waren. Lösch sieht die Wahl daher auch ein bisschen als Würdigung von Neumeyers Lebensleistung. Immerhin sei der CSU-Politiker bereits seit Jahrzehnten für seine Heimat tätig.

Als "eindeutige Sache" wertet Fritz Mathes sein Ergebnis vom Sonntag. Der Landratskandidat und Kreisvorsitzende der Freien Wähler gibt dabei allerdings auch die niedrige Wahlbeteiligung von gerade mal gut 42 Prozent zu bedenken. "Entschieden haben diese Wahl vor allem die Nichtwähler", erklärt der Kelheimer, der 16,2 Prozent der Stimmen bekam. Erfreulich ist aus seiner Sicht jedoch das Ergebnis aus der Kreisstadt, wo Mathes fast ein Drittel der Stimmen holte. Gleichzeitig kündigt der frühere Kelheimer Bürgermeister an, dass die FW-Vertreter im Kreistag ihre Arbeit nun unbeirrt fortsetzen werden. "Wir sind nach wie vor zweitstärkste Fraktion und werden natürlich weitermachen." Zu persönlichen Konsequenzen will sich Mathes unterdessen nicht äußern. "Dafür ist es jetzt noch zu früh", sagt er. "Wir werden die Wahl jetzt erst mal sacken lassen und anschließend intern analysieren."

"Natürlich kämpft man, um einen Sieg zu erreichen", sagt die SPD-Kreisvorsitzende Johanna Werner-Muggendorfer, die ihre Enttäuschung über das Wahlergebnis nicht verbergen kann. Zumindest eine Stichwahl hätte sich die Landtagsabgeordnete aus Neustadt bei immerhin sieben Kandidaten erhofft. "Denn dann wäre es richtig interessant geworden", weiß die erfahrene Wahlkämpferin. Das Ergebnis von SPD-Kandidat Stephan Schweiger mit 10,1 Prozent der Stimmen ist aus ihrer Sicht trotzdem beachtlich - zumal der Stausackerer kaum bekannt war und als letzter Bewerber in den Wahlkampf eingestiegen ist. "Auf dieses Ergebnis kann man daher stolz sein", erklärt Werner-Muggendorfer und sagt dem neuen Landrat bereits jetzt ihre Unterstützung zu. Denn nach Neumeyers Ausscheiden aus dem Landtag wird sie in München vorerst die einzige Abgeordnete aus dem Kreis Kelheim sein.

Etwas enttäuscht äußert sich der SLU-Kreisvorsitzende Thomas Zachmayer zum Ausgang der Wahl. Der Kandidat der Gruppierung, Alois Schweiger, kam am Sonntag nur auf 5,7 Prozent und blieb damit hinter dem Ergebnis der SLU bei der jüngsten Kreistagswahl, wie Zachmayer feststellt. Der Biburger Bürgermeister begründet diesen Umstand unter anderem mit der niedrigen Wahlbeteiligung. Dass es jedoch nicht zu einer Stichwahl kommt, ist für den SLU-Vorsitzenden überraschend. "Eine Erklärung dafür ist sich der Bekanntheitsgrad von Martin Neumeyer", sagt Zachmayer. Gleichzeitig fordert er, dass der Kelheimer Kreistag bei der Wahl des neuen Vize-Landrats alle Regionen des Landkreises berücksichtigt.

Als großen Erfolg wertet die ÖDP das Abschneiden ihrer Kandidatin Birgit Wack. "Platz vier ist ein tolles Ergebnis", findet der Kreisvorsitzende Peter-Michael Schmalz, der selbst schon zweimal zum Sprung ins Landratsamt ansetzte. Dass die Mühlhausenerin trotz ihrer geringen Bekanntheit 7,4 Prozent der Stimmen holte, liegt aus seiner Sicht auch am Verzicht der Grünen auf einen eigenen Bewerber. "Dadurch hatten wir die einzige Kandidatin aus dem ökologischen Lager." Zudem zeigt er sich zufrieden, dass Wack fast zwei Prozent mehr als Alois Schweiger von der SLU holte, der für ihn als BBV-Geschäftsführer für eine kommerzielle Landwirtschaft steht. "Jetzt freue ich mich auf ein neues Zeitalter im Kreistag", sagt Schmalz, der auf eine parteiübergreifende Zusammenarbeit mit Neumeyer hofft.

Auch Fritz Zirngibl sagt dem neuen Mann am Ruder seine Unterstützung zu. "Ich hoffe, dass er ein paar meiner Themen übernimmt, etwa die Belebung der Innenstädte und eine andere Asylpolitik", erklärt der Kandidat und Kreisvorsitzende der Bayernpartei. "Da stehe ich gerne mit Vorschlägen zur Seite." Gleichzeitig fordert Zirngibl von Neumeyer mehr Realismus im Amt. Sein eigenes Ergebnis von 4,9 Prozent sieht der Teugner pragmatisch. "Mehr war mit einem Budget von 1200 Euro nicht möglich", sagt er und dankt den anderen Kandidaten für den fairen Wahlkampf. Die Erfahrungen, die er dabei gesammelt hat, will Zirngibl bei der Landtagswahl in zwei Jahren und bei der nächsten Landratswahl einbringen. "Da müssen dann aber junge Leute ran", sagt der 61-Jährige.

Die Junge Liste hat mit Martin Neumeyer ihren "Wunsch-Landrat" bekommen, wie JL-Kreisrat Simon Steber erklärt. Einen Durchmarsch im ersten Wahlgang hatte der Abensberger jedoch nicht erwartet. Damit habe Neumeyer sämtliche Erwartungen übertroffen. "Mehr als 51,3 Prozent sind schon rein rechnerisch bei sechs Gegenkandidaten kaum möglich", findet Steber, dessen Gruppierung eine Wahlempfehlung für den CSU-Bewerber ausgesprochen hatte.

Für Richard Zieglmeier hat sich bei der Wahl am Sonntag ganz klar der Favorit durchgesetzt. "Und das ohne Stichwahl, da kann man Martin Neumeyer nur gratulieren", erklärt der Sprecher der Grünen im Landkreis, die keinen Kandidaten aufgestellt hatten. Zieglmeier hofft nun, dass sich der neue Landrat durch eine Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen auszeichnen wird. "Auch er braucht Mehrheiten und muss Kompromisse schließen", erklärt der Abensberger. Wie Neumeyer das gelingt, gelte es nun abzuwarten.

Alles andere als unglücklich sind die Liberalen im Landkreis. "Wir hätten zwar auf fünf Prozent gehofft, sind aber zufrieden", sagt die FDP-Kreisvorsitzende Maria Raum. Vor allem über die Ergebnisse im mittleren Landkreis, wo Kandidat Heinz Kroiss bekannter ist, freuen sie. Dort hatte der Allgemeinarzt in mehreren Orten zwischen sieben und zehn Prozent geholt, insgesamt waren es 4,4. Dass sich letztlich der Favorit durchsetzt, war ihrer Ansicht nach zu erwarten. Dennoch hätte die Siegenburgerin ebenfalls mit einer Stichwahl gerechnet.

Archivfotos: Janda/Enzmann/Kienle/JL/ÖDP/SLU