Der Politiker

 

Sein Wort hat Gewicht - in Kelheim, in Landshut und selbst in München. Nach seiner Wahl zum Landrat im Jahr 1992 erarbeitet sich Hubert Faltermeier mit Fleiß und Akribie über die Landkreisgrenzen hinaus einen Ruf als Respektsperson, der viele ohne Wenn und Aber sogar höhere Aufgaben zutrauen.

Herr: "Kelheim ist ein toller Landkreis"
Kreischef, Bildungspolitiker und leidenschaftlicher Großvater: Der Kelheimer Landrat Hubert Faltermeier freut sich nach 24 Jahren im Amt nun auf die Zeit mit seinen Enkeln. - Foto: Janda

Auch weil hohle Phrasen aus seinem Mund wahrlich eine Seltenheit sind. Zusätzliche Verantwortung scheut der ebenso volksnahe wie redselige Politiker nicht - ob im niederbayerischen Bezirkstag, als einer der Vize-Präsidenten im Landkreistag oder im Aufsichtsrat der bayerischen Landesbank. Selbst die politische Gegenseite schätzt den promovierten Juristen für seine unbedingte Gesetzestreue und sein Sachverständnis. Kritiker stören sich einzig an der Beharrlichkeit, mit der Faltermeier manche Debatte, die nicht in der Entscheidungsbefugnis des Landkreises liegt, im Keim erstickt. Und daran, dass der FW-Landrat kein schwarzes Parteibuch hat, wie sein Deggendorfer Amtskollege Christian Bernreiter (CSU) scherzhaft feststellt. Angefangen hat alles aber bei der SPD, für die Faltermeiers Vater Rudolf von 1967 bis 1978 im Landratsamt sitzt. Genauer gesagt bei den Jungsozialisten, denen Faltermeier junior zunächst angehört. Eine Beziehung, die im Laufe der Jahre allerdings einschläft. Erst die Freien Wähler hieven den Sprössling auf die Kelheimer Politbühne - mit überwältigendem Erfolg. Viermal erobert Hubert Faltermeier für sie das höchste Amt im Landkreis, dreimal sogar ohne Stichwahl. Dass er zunächst von der Zerrissenheit der CSU profitiert, stört spätestens nach einer Wahlperiode niemanden mehr.

Der Beamte

Die politische Laufbahn schlägt Hubert Faltermeier spät ein; erst mit 43 Jahren geht er als Quereinsteiger auf die Wahlkampfbühne. Zuvor wählt er den Weg eines bayerischen Beamten - durchaus mit Chancen auf eine Spitzenposition.

Auf das Abitur am Donau-Gymnasium folgen Ende der 1960er-Jahre ein Studium der Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre in München und später die Promotion. 1975 beginnt zunächst bei der Regierung von Oberbayern, dann beim bayerischen Innenministerium die Beamtenlaufbahn des gebürtigen Weltenburgers. Es folgen Stationen am Landratsamt in Erding, wo der Jurist an der Entstehung des Münchener Flughafens mitwirkt, sowie am Kultusministerium. Der Wechsel auf den Chefsessel in Kelheim ist nach dieser Laufbahn alles andere als ein Muss, wie Faltermeier sagt. Dass er nach all diesen Jahren jedoch eine Weile braucht, um den hölzernen Beamten abzulegen und den Politiker in sich zu finden, werfen ihm Kritiker in seiner ersten Amtszeit gerne vor. Und auch später stellt Faltermeier immer wieder unter Beweis, dass er den hölzernen Juristen ebenso gut kann wie den messerscharfen Rhetoriker.

Der Schulbauer

 

Es sind Millionen, die im Laufe der Amtszeit von Hubert Faltermeier in die Schulen des Landkreises fließen. Ein großer Profiteur dieser Bildungspolitik ist die Stadt Riedenburg, in der die marode Staatliche Realschule aus den 1960er-Jahren einem schmucken Neubau weicht.

Rund 17 Millionen Euro investiert Kelheim allein für dieses Projekt, das symbolhaft für den Kurs Faltermeiers steht. Denn der Kreischef ist nicht nur Schulerneuerer, er gilt auch als glühender Anhänger dezentraler Strukturen. Eine Ansicht, der der Kreistag folgt. Aus diesem Grund beschließt das Gremium neben Erweiterungen des Donau-Gymnasiums und des Staatlichen Schulzentrums in Kelheim auch Investitionen in die Förderschule in Thaldorf, die Realschule in Abensberg, das Gabelsberger-Gymnasium in Mainburg sowie die neue Realschule in der Hopfenstadt. Beinahe gebetsmühlenartig verteidigt Faltermeier diesen Investitionsmarathon in der Öffentlichkeit. "Investitionen in die Bildung unserer Kinder sind Investitionen in unsere Zukunft", sagt er über Jahre hinweg immer wieder, meist auf einer der zahlreichen Schulbaustellen im Kreisgebiet. Dass sich der Landrat für diese Politik die eine oder andere Schelte einhandelt, überrascht nicht. Immerhin fressen die Baumaßnahmen ein großes Loch in die Ersparnisse des Landkreises. Am Ende der Ära Faltermeier steht der Kreis mit rund 27 Millionen Euro Schulden da. Ein dramatisch hoher Wert? "Nein", findet er. Diese Summe werfe Kelheim nicht aus der Bahn. Sein Nachfolger Martin Neumeyer (CSU) muss trotzdem erst einmal sparen. Allerdings bekommt er dafür von seinem Vorgänger auch einen Landkreis, dessen Schulen in bestem Zustand sind und in den nächsten Jahrzehnten kein Problem mehr darstellen dürften.

Der Ruheständler

 

Furcht vor der vielen Zeit gibt es bei Hubert Faltermeier nicht. "Langweilig wird mir in Zukunft sicher nicht", sagt er über seinen Ruhestand. Voller Vorfreude und ganz ohne Wehmut kommen diese Worte über die Lippen des langjährigen Landrats.

Kein Wunder: An Hobbys mangelt es nicht. An erster Stelle kommt für den zweifachen Vater und vierfachen Großvater künftig seine Familie. Ehefrau Heidi und die beiden Erwachsenen Söhne Hubert und Andreas mussten in den vergangenen 24 Jahren oftmals auf das Familienoberhaupt verzichten. Im Ruhestand will der 67-Jährige mit seiner Frau ausgedehnte Fahrradtouren unternehmen, im heimischen Garten entspannen, sich einem guten Buch widmen oder einfach mal in aller Ruhe frühstücken. Ganz ohne Termindruck und andere Pflichten. In der Garage warten außerdem noch ein paar rollende Raritäten. "Ich schraube sehr gerne an meinen Autos herum", sagt er und zeigt voller Stolz seinen orangefarbenen Flitzer. Und auch die Jagd bleibt ein großes Hobby, das der Naturfreund auch im Ruhestand weiterhin pflegen will.

Der Familienmensch

 

Die Liebe kommt mit der Jagd - oder eher die Jagd mit der Liebe. Als Hubert Faltermeier das Herz seiner Heidi erobert, entdeckt er seine Leidenschaft für die Waid.

Vielleicht etwas zwangsläufig? Da muss der scheidende Landrat schmunzeln. "Sie hat damals den Jagdkurs absolviert, da habe ich mitgemacht", erzählt Faltermeier. "Ich bin also über die Liebe zur Jägerei gekommen." Im Jahr 1972 führt Hubert Faltermeier die Tochter eines Forstbeamten aus Amberg zum Traualtar - eine Jahreszahl, die ihm selbst 44 Jahre danach noch wie aus der Pistole geschossen über die Lippen kommt. Zwei Söhne, Hubert und Andreas, machen das Familienglück perfekt. Und heute auch vier Enkelkinder. Vom engagierten Landrat zum liebenden Großvater - dieser Schritt steht für Hubert Faltermeier nach Jahren des Spagats mit dem Eintritt in den Ruhestand ganz oben auf der Prioritätenliste. "Ich genieße die Zeit mit meinen Enkeln sehr", sagt er und verrät schelmisch: "Ich versuche auch, mit ihnen viele Dinge zu machen, für die ihre Eltern keine Zeit haben." Ausgedehnte Entdeckungstouren durch die Kelheimer Wälder fallen dem Naturliebhaber da spontan ein. Mit vielen Schlammpfützen und anderen Abenteuern.

Der Naturfreund

 

Eine tiefe Verbundenheit mit den Prozessen in der Natur prägt den Alltag von Hubert Faltermeier. Termine im Freien genießt er während seiner Amtszeit als Landrat ohnehin am meisten. Und auch privat drängt es ihn nach draußen.

Das liegt nicht allein an seiner Kindheit in Weltenburg, einem der schönsten Flecken im Landkreis. Auch seine Leidenschaft für die Jagd trägt dazu bei. "Dadurch erkennt man die Zusammenhänge in der Natur viel besser", findet Faltermeier. Sich selbst sieht er übrigens keineswegs als besonders erfolgreichen Jäger. "Wenn ich 20- bis 30-mal im Wald war, habe ich vielleicht einmal was geschossen." Doch so sehr er die Natur auch liebt: Sie zeigt sich während seiner Zeit als Landrat auch von ihrer brutalen Seite. 1999, 2002, 2005 und 2013 bekommt es Faltermeier mit Hochwasser zu tun, heuer mit Starkregen. Der Respekt vor diesen Gewalten prägt ihn auch als Krisenmanager.