Kelheim: Mit Herzklopfen ins neue Amt
Gute Laune im Vorzimmer: Der neue Kelheimer Landrat Martin Neumeyer hat seine beiden Sekretärinnen Waltraud Schiller (vorne) und Johanna Wierl längst kennengelernt. An seinem ersten Arbeitstag stand gestern auch ein Rundgang im Landratsamt auf dem Programm. - Foto: Bruckmeier
Kelheim

Wechsel im Chefbüro hin oder her, der Arbeitsalltag in der Kreisbehörde geht seinen gewohnten Gang. Überall in den Büros brennt Licht an diesem trüben Herbsttag. In der Zulassungsstelle im Erdgeschoss herrscht reges Kommen und Gehen. Im Besucherbereich der Ausländerbehörde wartet eine Flüchtlingsfamilie auf ihren Termin. Und doch ist eines anders an diesem 2. November: Der Hausherr, der hier 24 Jahre das Sagen hatte, kommt nicht mehr. Für Hubert Faltermeier (FW) war der Montag der letzte Arbeitstag als Landrat. Dafür steht an diesem Mittwoch kurz nach 8 Uhr sein Nachfolger vor der Tür. Er muss um Einlass bitten, den Haustürschlüssel bekommt er erst wenige Minuten später ausgehändigt. "Jetzt hab' ich gleich zwei Schlüsselbunde - und drei Handys", sagt Martin Neumeyer lachend und drückt erst einmal einen Anruf auf einem der Mobiltelefone weg. Es gibt Wichtigeres zu tun an diesem Morgen.

"Ich bin heute schon mit ein wenig Herzklopfen vor der Tür gestanden", gibt der neue erste Mann im Amt zu. "Nach 13 Jahren im Landtag endet für mich ein Lebensabschnitt. Das ist eine Zäsur." Als Politprofi weiß Neumeyer natürlich, was auf ihn zukommen wird. Den vollen Terminkalender hat er von seinem Vorgänger geerbt. "Natürlich bist du als Landrat in ein engeres Korsett gepresst, als in der Arbeit als Abgeordneter, der ein wenig mehr Freiheiten besitzt. Aber Angst macht mir das nicht", sagt er.

Lange vorstellen muss sich der Ex-Parlamentarier nicht. Die Bediensteten wissen alle, wer der neue Chef ist. Auch Waltraud Schiller und Johanna Wierl, die beiden Frauen im Vorzimmer. Nach dem Rundgang durch das Haus wartet bei ihnen bereits der erste Bürger, den der neue Landrat empfängt. Auch damit will der Behördenchef ein Zeichen setzen. "Transparent und offen, so will ich die Behörde leiten."

Der Behördenleiter Neumeyer ist das eine, Politik darf er aber weiterhin machen. Deshalb hat er bereits für den Nachmittag die Bürgermeister eingeladen. "Die wollen mich auch kennenlernen", scherzt der Kreischef. Mit dem allgemeinen Geplänkel wird es in dieser hochrangigen Runde wohl schnell vorbei sein. Es steht durchaus Handfestes auf der Tagesordnung. Innerhalb der nächsten Wochen muss das Haushaltspaket geschnürt werden, da spielen die Bürgermeister eine wichtige Rolle. Der Etat wird diesmal allerdings erst zu Beginn des neuen Jahres verabschiedet werden.

Bereits in wenigen Tagen steht eine weitere wichtige Weichenstellung an. Am Montag wird der Kreistag die durch Neumeyers Wahl vakante Position des Kelheimer Vize-Landrats neu besetzen. "Ich verhalte mich in dieser Frage natürlich neutral", betont der neue Landrat. "Ich werde die Entscheidung des Kreistages zu akzeptieren haben. Aber ich sage, dass ich mit jeder Frau oder jedem Mann gut zusammenarbeiten werde."

45 Tage hatte Martin Neumeyer nach seiner Wahl am 18. September Zeit, sich auf seine Aufgabe vorzubereiten. Und diese Spanne hat er genutzt. "Der Übergang sollte sich fließend vollziehen. Ich war alle zwei bis drei Tage im Amt, so haben wir bereits alle Termine bis in den Januar hinein abgestimmt." Sich hinter seinem Schreibtisch zu verschanzen ist ohnehin nicht die Art des leutseligen Abensbergers. "

In den nächsten Tagen und Wochen will Martin Neumeyer Vollgas geben. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt ihm bis Weihnachten ohnehin nicht. Seinen 61. Geburtstag hatte er auf einer Bürgerreise mit der Stadt Mainburg in Japan gefeiert. Morgen steht der 62. Geburtstag an. Und wie wird der gefeiert? "Das wird ein ganz normaler Arbeitstag. Es ist nichts weiter geplant", sagt der neue Landrat und winkt ab.